Endlich Rauchverbot
Da war er also, der lange gefürchtete Abend im Belgischen Viertel in Köln. Diesem ehemaligen Szenebezirk, der in den letzten zehn Jahren durchgentrifiziert wurde und nun nur noch Yuppies in den Dreißigern beherbergt. Yuppies, die nach einer harten Woche im Management von Banken und Unternehmen ihren Audi-Dienstwagen abstellen, sich in die alternative Schale mit Chucks und so werfen und mal wieder so richtig jung sein wollen. Die jedem Trend hinterherlaufen, neuerdings hochironisch bunte Plastik-Kinderskateboards von Netto fahren und dabei gar nicht merken, wie alt und lächerlich sie geworden sind.
Und dann diese Kneipen. Eigentlich ist es ja schön da. War es schön da, früher, bevor das mit dem Rauchverbot passiert ist. Jetzt sitzen da griesgrämige Türsteher und Kellnerinnen und passen auf, dass niemand die Getränke mit raus nimmt, wenn er rauchen geht. Denn draußen lauern die Flaschensammler. Das mit dem Rausgehen passiert natürlich oft, denn drinnen stinkt es nach Schweiß und Fürzen, olfaktorische Reize, die in der Zeit vor dem absoluten Rauchverbot in den meisten Läden von angenehmen Kneipenkippenmief überdeckt wurden. Der ach so eklige Tabakrauch schützte uns vor den Ausdünstungen unserer Mitmenschen, die, bei den üblichen Sommerkneipentemperaturen jenseits der 30 Grad, Gerüche absondern, von denen ich bis zum 01. Mai 2013 gar nicht wusste, dass es sie gibt. Viele Leute in engen Räumen und es stinkt, salopp gesagt, leider nicht wie im Schweinestall, sondern nach Affenhaus. Und niemand denkt daran, die Klimaanlage anzudrehen, denn die kostet in Zeiten explodierender Strompreise ja auch ordentlich, Geld und CO2. Und so stehen sie da, die Mittdreißiger, schwitzen, stinken und langweiligen sich in ihrer selbst-, weil grüngewählten Utopie totaler Gesundheit, während sie sich Kölsch in die Kiste kippen. Über allem schwebt der Geist des Verbots, die Kneipenbetreiber sind, wie es scheint, eingeschüchtert vor einem totalitär durchgreifendem Ordnungsamt, das jede Zigarette mit tausenden Euro Geldstrafe belegt.
Wer kann, säuft Kiosk-Bier vor der Tür, raucht Kippen für 26 Cent/Stück und hofft, dass die Immerguten nicht auch noch das Bierverkaufsverbot durchsetzen. Den Alkohol wird es als nächsten treffen. Dann das Fett. Zum Glück ist es endlich warm draußen. Prost.

