Hausbar, Bonn: Telekom-Kantine auf Koks
4. Dezember 2008 von CRen
Strömender Regen.
Ein Versuch, ausnahmsweise in Siegburg wegzugehen, endet wie erwartet im Siegburger Steffi.
Das Hirn von einer Überdosis Schranz, Pur und Discofox überlastet, fällt eine folgenschwere Entscheidung:
Die Hausbar in Bonn besuchen!
Hübsch durchnässt an der Oper vorbei, dort liegt die Hausbar. Unterwegs wie üblich vom Intendanten angeschnorrt, nichts wie weg.
Die Hausbar hat sicher nicht die härteste Tür Deutschlands, mit Sicherheit aber die hässlichste. Zwei missgelaune, unbehaarte und geröstete Gorillas kassieren einen Fünfer, kein Eintritt, Mindestumsatz, wie man erklärt. Den gibt’s in Form einer grünen, abgegriffenen Plasikmünze, denen, die an Autoscootern zum Einsatz kommen, nicht unähnlich.
Drinnen die Jacke bei der freundlichen Garderoben-Trulla abgeben, die, voll multitasking-fähig, quatschen, flirten und rauchen kann, aber offensichtlich nicht weiß, wie man einen Kleiderbügel bedient. Ein weiterer Euro weg, das ist Pflicht. Ist auch besse so, denn in der Hausbar ist es vor allem eng, heiß und laut. Drinnen dominiert Pseudo-stylischer Look mit viel 70er-Plastik, man möchte wohl ein In-Club sein. Der DJ spielt, wie in so genannten In-Clubs üblich, ausschließlich oberflächliche House-Musik für oberflächliche Sonnenstudio-Großkunden, so ist’s recht.
Eintreten, Lage checken. Die Tanzfläche ist leer, der Laden trotzdem proppevoll. Netzwerk-Admins kuscheln sich an mittlere Marketing-Manager von Post und Telekom, lustige Glatzenmänner tragen lustige bunte Hemden. Golf-Cabrio, MX5, 3er- und Jaguar-Fahrer, toasterbraune Haut und schütteres graues Haar, schlecht sitzende Anzüge und Hawaiihemden, Goldschmuck und Ohrringe.
“Untere Mittelschicht mit Geld”, das ist der erste Gedanke.
“Kohleproll” der zweite.
Wir glauben kurz, auf einer schwulen Hochzeit gelandet zu sein, dann fällt der Blick auf die tief dekoltierte, holde Weiblichkeit: Typ Telekom-Tippse, Dauerwelle, Frisur- und Gesichtsentgleisungen, gierige Blicke auf jeden Neuankömmling. Keine Schwulenhochzeit, ein Heiratsmarkt für Endzwanzigerinnen. An der Bar einige jüngere Harpyen, die gelangweilt in ihren Cocktails rühren, hin und wieder verstohlene Blicke auf vermeintliche Geldsäcke werfend. Keine Frage, dass diese Damen den Abend damit verbringen, sich aushalten zu lassen. Von der gesellschaftlich akzeptierten Form der indirekten Prostitution – Du kriegst meinen Körper, wenn ich von Dir tolle Geschenke bekomme – nicht zu sprechen.
Auch hier dominiert der Sunpoint-Chic.
Vor der Tanzfläche postiert eine weitere Beobachtung: Gegen Mitternacht sind die Gäste angetrunken genug, sich zu den kaum tanzbaren Bumsbeats zu bewegen. Je später der Abend, desto hässlicher die Frauen, Nachts sind alle Katzen blau und so verschwinden die Pärchen und neugebildeten Sex-Interessengemeinschaften aus Harpye und Cabrio-Fahrer recht bald vom Ort des Geschehens. Übrig bleiben gegen 2 Uhr nur noch die, die keiner haben will. Ü30-Frauen mit sexueller Unterversorgung, betrunkene Männer mit Ohrringen und zahlreiche nicht weiter definierbare, lichtscheue Gestalten, die sich im gut ausgeleuchteten Geschehen nicht in die für ihre Art typische dunkle Voyeur-Ecke verziehen können.
Was folgt, ist übliches Ü30-Party-Geschehen. Betrunkene Männer, die sich von hübsch nach hässlich durchbaggern, nassgeschwitzte, betrunkene Frauen, die gierig auf das Portemonnaie der Kerle schielen und hässliche, betrunkene Frauen, die die wenigen anwesenden attraktiven Männer auf die unangenehmste Art anbaggern.
Auf dem Herrenklo bilden sich derweil Schlangen, betrunken, kotzend. Die Spiegelwand hilft, sich mit Betrachtung der eigenen Schönheit die Wartezeit zu verkürzen. Natürlich hat man immer jemanden dabei, der noch bleiben will, weil er es soooo geil da findet. Oder man bleibt einfach stehen, lässt 20 Euro da und fragt sich nachher, warum man dort gewesen ist.
Erwähnenswert vielleicht noch die Kellnerschaft: Im schwarzen Dress hochwertig wirkend wuseln sich einige sehr kleine Dienstboten zwischen den Gästen durch. Trotz enger Verhältnisse und voller Tabletts fast immer unfallfrei.
Das ist dann auch das Highlight des Abends, wenn man nicht nachher noch zu McDonalds geht.
Hausbar
Am Boeselagerhof 1
53111 Bonn
Telefon: (02 28) 18 44 770
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