[Aktueller Song: "What I Got (Dirty Version)" von Sublime]
Manchmal muss man sein Leben resetten: Festplatte löschen und die Rahmenbedingungen neu installieren. Es gibt viele Gründe dafür, doch der Hauptgrund ist wohl, wenn alles aus dem Ruder läuft und die Unzufriedenheit Überhand nimmt.
In meinem Fall war das so: Weil ich dringend suchte, nahm ich einen unterbezahlten Job an, der mir so überhaupt nicht passen wollte und mir schon nach wenigen Wochen gehörig auf den Zeiger ging, weil er ausschließlich negative Kritik möglich machte und keinerlei Profilierung erlaubte.
Ich zog dafür in eine Stadt, die zwar eigentlich ganz OK ist, aber wie jede Stadt ziemlich schrecklich, wenn man sich die falsche Wohnung nimmt. Mit gezählten 100 WLANs im unmittelbaren Umfeld und drei Bahnstrecken, deren Kreuzung direkt in meinem Wohnzimmer lag, war ich in den Slums zwar überaus “verkehrsgünstig” angebunden, jedoch ziemlich schnell genervt, auch weil jede Ruhepause zwischen den von der Bahn wackelnden Wänden vom Ruf des Muezzins gestört wurde.
Wenn man dann noch nur drei Monate nach dem Umzug an Krebs erkrankt, fängt auch der stärkste Raucher an, sich zu fragen, wie gesund 100 WLANs und der Elektromagnetismus der Straßenbahnleitungen wirklich sein können und fühlt sich nach ausgestandener Krankheit auch nicht mehr wirklich in der Wohnung und der Stadt wohl. Wenn dann noch die Chefs jeden Upgrade-Wunsch mit Hinweis auf die Krankheit abbashen und die Freundin nicht nur nicht passt, sondern wirklich ätzend ist, während die schreiberische Talentfreiheit und Nerdigkeit der bei der Arbeit betreuten Autoren fröhlich auf einen abfärbt, ist der Imperfektionismus perfekt und der Punkt erreicht, an dem man wirklich sehr, sehr dringend einen Lebensneustart durchführen sollte.
Das war im Februar 2008.
Ich beschloss, das alles schnellstmöglich zu ändern und nahm einen Dreipunkteplan in Angriff:
1. Neue Arbeit
2. Neue Wohnung
3. Neue Freundin
und begann direkt mit Punkt 3, indem ich meine Freundin rausschmiss.
Wir haben jetzt Ende Juli 2008. Ohne großen Kraftaufwand habe ich alle drei Punkte hinter mich gebracht und den Neustart hingelegt:
Meine neue Wohnung ist in einer Stadt, die ich zwar auch seltsam finde, aber wenigstens fährt die Bahn hier ganz tief unter dem Keller durch und ist, bis auf gelegentliche Vibrationen in stillen Nächten, nicht zu hören. Meine Freundin ist ein Traum und ab Freitag werde ich meinen neuen Job antreten und gesund bin ich auch.
Bleibt zu hoffen, dass auf die Glücksträhne keine Pechsträhne folgt…
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