Rettet den Regenwald – die PR-Profis
7. Dezember 2008 von CRen
[Aktueller Song: "Never Gonna Find Me" von The Offspring]
Wie sooft lauerten die Aktivisten in der Bonner Fußgängerzone auf der Poststraße. Nachdem ich sie auf dem Hinweg noch großräumig umgehen konnte, lief ich ihnen, gerade bei Armee Becker passend zur neuen Frisur paramilitärisch eingekleidet, in die zur Weltrettung immer weit geöffneten, geldgierigen Arme. Diesmal war es der WWF und der schickte das beste was er zu bieten hatte vor, um mich von der Rettung des Regenwaldes zu überzeugen: Eine halbhübsche, dickliche Jungstudentin, die mich naiv aus einem dicken Norwegerpulli anguckte und der die Situation sichtlich peinlich war versuchte, mir auf die rhetorische Tour Geld aus der Tasche zu ziehen.
WWF-Frau: “Hallo, darf ich Dich kurz ansprechen?”
Moi, motzig: “Hast Du schon, aber… ja.”
WWF-Frau, biedert sich locker an: “Oh, Du siehst müde aus. Schlecht geschlafen?”
Moi: “Ne, Chemotherapie.”
WWF-Frau: “Oh, äh…”
Moi: “Ach, gibt schlimmeres.”
Die WWF-Frau schluckt kurz, dann sehe ich ihr an, wie in ihrem naiven Köpfchen der Groschen fällt: Chemotherapie = Krebs = Opfer von Umweltverschmutzung = williger Geldgeber – BESTIMMT!
Und so frisst sie prompt meinen säuberlich gelegten Köder:
WWF-Frau: “Sag mal, interessierst Du Dich für Umweltschutz?”
Moi: “Joa… vielleicht… warum?”
WWF-Frau: “Ja, ich bin vom WWF und wir sprechen hier Leute an…” (Weist in Richtung des Standes, der von Lehrertypen umzingelt ist.)
Moi: “Aha… WWF… Umweltschutz? Was rettet Ihr denn diesmal?”
WWF-Frau, sichtlich peinlich berührt: “Ähm… den Regenwald.”
Moi: “Ach so, den Regenwald. Den rettet Ihr auch schon was länger. Welcher Regenwald ist denn gerade aktuell?”
WWF-Frau: “Der im Amazonas-Gebiet.”
Moi: “Oh, das klingt ja super. Und warum sprecht Ihr dafür Leute an?”
WWF-Frau: “Weil wir Unterstützung brauchen.”
Moi, dumm gestellt: “Und was für Unterstützung?”
WWF-Frau, sich unsicher umschauend und flüsternd: “finanzielle unterstützung…”
Moi, laut: “FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG?!”
WWF-Frau: “Ähm… genau. Und ich würde Dich fragen, ob Du vielleicht…”
Moi: “Nö.”
WWF-Frau, schnippisch: “… und wieso nicht?”
Moi: “Ich tu’ schon genug für die Umwelt.”
An dieser Stelle hätte sie das Gespräch souverän beenden können. Oder richtig antworten können, nämlich dass man nie genug für die Umwelt tun könne. Das hätte der Verkaufsprofi gesagt.
Stattdessen fragte mich die sich selbst sicherlich als “eher links und sehr aktiv in so Umweltsachen” bezeichnende Gutfrau im Norwegerpulli die folgende, in einem derartigen Gespräch doch sehr dumme Frage:
“Und was?”
Moi: “Naja, ich bezahle brav meine Ökosteuer, wenn ich mein SUV tanke.”
Darauf fiel der guten Dame erstmal nichts ein, eine Gesprächspause tat sich auf, die sie dann aber souverän meisterte:
WWF-Frau, bettelnd: “Aber der Regenwald stirbt, da muss man doch was für tun.”
Moi: “Und wieso wollt Ihr den armen Leuten da unten verbieten, das zu machen, was wir auch mit unserem eigenen Urwald längst gemacht haben?”
Irgendwie brach das Gespräch an dieser Stelle abrupt ab und sie ließ mich stehen. Schade.
Dabei war ich heute doch in Spenderlaune…
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