02.08.08

Fuckforforrest.com: Öko-Pornos für Naturliebhaber
[Aktueller Song: "Neighborhood #3 (Power Out)" von The Arcade Fire]

Was Menschen nicht alles machen, um die Welt nur ein kleines Stückchen besser zu machen. Schließlich haben wir (die Menschen) sie (die Welt) nur von unseren Kindern geborgt und so. Und so gehen die einen auf Fair-Trade-Reise, während andere vollen Körpereinsatz beim Urwaldretten an den Tag legen, etwa mit der "only 100% karma improving eco porn site!"

Das Projekt Fuckforforest verdealt mit genau diesem Anspruch Hippie-Schmuddelfilmchen an schnurrbärtige Einhand-Akrobaten in den Castrop-Rauxels dieser Welt:
FFF setzt sich aus besorgten Menschen zusammen, die die Kraft von Sexualität erforschen, allein zu dem Zweck, die Natur zu schützen.

Aus Ökologismus und Pornographie wird hier ein fieses Weltretter-Süppchen gekocht, schmierige Rasta-Mädchen treiben es mit filzigen Zottelhippies und lecken gierig Smegma von pilzigen Pimmeln, bevor es zum eigentlichen Zeugungsakt in grüner Natur kommt. Pelzige Geschlechtsorgane reiben sich, Filzläuse fühlen sich in ihrer Mittagsruhe gestört und weil die veganen Weltretter zu wenig Eiweiß zu sich nehmen, gibt es am Ende nichtmal einen anständigen Cumshot.

Das ganze Elend wird mit moderner Videotechnik aufgezeichnet, deren Hersteller freilich allesamt den grünen Daumen haben. Esoterisch verwirrt möchten die Urwald-Pornographen die "Schönheit natürlicher Sexualität" zeigen und die hat, strenggenommen, ja spätensten in dem Moment aufgehört, als sich die erste Neandertalerfrau Mammutblut auf die ledrigen Wangen tupfte, um hübscher auszusehen. Das heißt, Fuckforforrest zeigt das, was die Menschheit heute nur noch im Zoo zu sehen bekommen. Sex haariger Bestien aus einer Zeit, als Ladyshave, Deo und Hornhautraspeln noch nicht erfunden waren – das gibt es sonst nur noch auf dem Pavianfelsen zu sehen, aber wenigstens echt und nicht romantisch verbrähmt.

Fuck for forest: Leona und Thommy in Aktion (Bildquelle: pub.tv2.no)
Verantwortlich für den frivolen Urwaldspaß ist das skandinavische Hippiepärchen Leona und Thommy, die bereits 2005 für ihren Unsinn gehörig auf den Deckel bekommen haben, Norwegen den Rücken kehrten und nach Berlin, Heimat der legendären Kommune 1, flüchteten. Nur leider 40 Jahre zu spät. Inzwischen sollen sie in Südafrika ihr Unwesen treiben und suchen und suchen über die Website des Projekts fröhlich nach "Models", während der allgemeine Kunstschund-Kanal Arte ganz frei von voyeuistischen Anwandlungen im Rahmen der Sendung "Tracks" ein Interview mit den fröhlichen Unterleiber-Ineinandersteckern recycelt.

Die ewigvorgestrigen Naturliebhaber sind freilich allesamt von der misanthropischen "Mitgeschöpfe"-Fraktion, die selbst Unkräutern eine Seele zusprechen und alles fröhlich wachsen lassen, was "natürlich" ist. Diese Öko-Extremisten, die jegliche technische Errungenschaft seit dem Strohhalm zum Termitenfischen verdammen, lassen deshalb alles fröhlich wachsen, selbst wenn es Pilzinfektionen sind. Und wenn sie nicht gerade haarige Kopulationsspielchen treiben, rufen sie zum "Masturbate-a-thon" auf, einem um-die-Wette-Wichsen, denn "Masturbation ist ein großartiges Geschenk der Natur". Genau wie das Gehirn, das seinerseits in den letzten 100.000 Jahren aus wilden, ungewaschenen Kreaturen angenehm duftende, frisch gewaschene Zeitgenossen zu machen, Atomkraftwerke zu erfinden und eben den Urwald zu roden. Auch das ist Natur und eben keine "Sünde" an derselben, zu deren Bekämpfung man Schmuddelfilmchen direkt aus der Kommune 1 drehen müsste.

Aber es liegt nunmal in der Natur solcher Hippies, das sie das zum Naturschutz einsetzen, was sie am besten können.

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