Tiefsinnsverdrängung
22. März 2008 von CRen
Faszinierend, wie hervorragend inzwischen die über Jahre antrainierten Selbstverdrängungsmechanismen funktionieren. Während man sich früher mal gerne mit Deprimucke auf dem Walkman unter den Sternenhimmel oder in den dunklen Wald verzogen hat, um über das Universum, das Leben und den ganzen Rest nachzugrübeln, bleibt inzwischen fast gar keine Zeit mehr für sowas. Und selbst wenn Zeit wäre, beschäftigt man sich anderweitig, konfiguriert zum Beispiel sinnlos an Computerzeugs rum oder liest einfach ein Buch oder guckt Fernsehen oder telefoniert oder chattet oder macht sonstwas, um bloß nicht mit sich selbst allein zu sein.
Das funktioniert bei mir inzwischen derart perfekt, dass ich Schwierigkeiten habe, überhaupt noch zu grübeln oder mich in diesen zwanghaft tiefsinnigen Zustand zu versetzen. Vielleicht ist es aber auch nur die Sucht nach sozialem und multimedialem Input, die dafür sorgt, dass ein Spaziergang mit Deprimucke einfach nicht mehr törnt. Möglich auch, dass ich mich gar nicht selbst reflektieren will, weil die logische Konsequenz tödlich wäre. Aber es hilft: Die Neigung zu Depressionen geht vollkommen flöten, wenn man keine Zeit mehr mit sich selbst verbringen muss.
Doch selbst die dadurch verdrängte hausgemachte Selbstdeprimierung hat gewisse Vorzüge: Wenn man schon im Selbstgespräch so deprimierend ist, dass man am liebsten von der Brücke springen würde, wirkt man eventuell auch auf andere so und man kann Menschen gezielt in den Selbstmord treiben.
Werd” ich demnächst mal ausprobieren…
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Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | Tags: Bier, Buch, Computer, Depression, Deprimierend, Fernsehen, Figur, Flöte, Gespräch, Haus, Jahre, Leben, Mensch, Menschen, Mord, Mucke, Rübe, Selbstmord, Sozial, Spiel, Stand, Tiere, Time, TV, Uni, Wald, Zeugs
