12.07.07
Irgendwann hab' ich mal einen Film gesehen, auf 3Sat oder so, das war sicher ein deutscher Problemfilm. Der ging irgendwie um eine Frau, die wirklich nicht ganz dicht war. Der Regisseur wählte das Stilmittel der Rückblende, um ihren Leidensweg zu rechtfertigen. Die Frau ist also ein Mädchen von vielleicht sechs Jahren und sitzt mit Ihrem Bruder in der Badewanne. Plötzlich fängt der an zu schreien, dass sie, also das Rückblenden-Mädchen, ja untenrum kaputt sei. Das ging etwa so, man imaginiere eine laut kreischende Knabenstimme: "Mama, Mama, die (Name leider entfallen) ist ja untenrum kaputt!" Und zeigt auf das, was Ärzte bei Mädchen auch Vagina nennen. Mutter erklärte natürlich nichts, aber ich glaube, ich habe dann auch abgeschaltet.
Warum ich das erzähle? Naja, seit neuestem bin ich auch untenrum kaputt, zum Glück nicht ganz so schlimm wie das Mädchen im Film.
Seit nunmehr fast einer Woche renne ich wieder mit Schmerzen in der Leistengegend herum. Und das ist nicht schön. Es ist ja immer so bei solchen Sachen, dass man da selbst als harter Mann ganz weich wird. Wie das passiert ist, sage ich lieber mal nicht. Nur so viel: Es ist geschwollen da unten und es tut wirklich, wirklich weh, wenn ich mich hinsetze. Außerdem habe ich beim Gehen ein Gefühl, als wäre das Organ mt Wasser vollgepumpt. Nicht das baumartige, sondern das sackartige.
Der männliche Leidensweg bei solchen Dingen läuft ja immer gleich ab: An Tag eins denkt man sich noch, dass das sicher nichts schlimmes ist. An Tag zwei glaubt man, dass es ja bald auch mal gut sein müsste, wenn es nichts schlimmes ist. An Tag drei ist es natürlich immer noch nicht gut und so fängt man an, oberflächliche Selbstdiagnosen im Internet einzuholen ("HODENKREBS!" "WASSEREINBRUCH!" "PRELLUNG!" "LEISTENBRUCH!" "HODENTORSION!"), fürchtet, dass es jetzt sowieso schon zu spät ist und dann wird einem ganz doll schlecht und man traut sich gar nicht mehr, sich vor das Internet zu setzen. An Tag vier lassen die Schmerzen langsam nach, das ist gut, so schlimm kann's ja dann doch nicht sein, das erleichtert. Tag fünf ist heute und heute tat es wieder echt fies weh, weshalb man dann doch mal einen Termin beim Onkel Doktor holt, nicht ohne vorher nochmal einen übelkeitserregenden Blick ins Internet zu werfen.
Nur so viel: Hodenkrebs ist aufgrund der Ursache, die ich hier lieber verschweigen möchte, ausgeschlossen, auch die Hodentorsion, dafür tut's nicht weh genug – ein Glück. Man ist ja auch sehr kritisch bei solchen Dingen. Was hingegen sehr wahrscheinlich ist, ist ein Leistenbruch. Und allein die Vorstellung daran, dass sich ein Stück meines Darms gerade spontan zwischen meinen Eiern eingenistet haben könnte, lässt mich schon wieder ganz grün anlaufen. Das ist wirklich sehr, sehr widerlich! Männliche Anatomie ist doch scheiße...
Morgen ist dann der Tag der Wahrheit. Ein Urologe ohne Terminvorgaben ist ein guter Urologe, auch wenn ich jetzt fürchte, dass ich mit lauter Opas mindestens 12 Stunden in einem stickigen und überfüllten Wartezimmer sitzen muss. Die Opas sind aber auch das gute an Urologen, die erzählen nämlich, im Gegensatz zu Omas, nicht allen Leuten von Ihren ganzen Krankheiten. Man sitzt da und schweigt sich an, wissend, dass niemand wissen will, welche Ekelhaftigkeiten man an seinee biologischen Existenzberechtigung mit sich herumschleppt. So gesehen ist das Wartezimmer eines Urologen eines der letzten Refugien des männlichen Geschlechts. Irgendwie freue ich mich drauf.


Comments
So der Selbstdarstellung wegen...
Mensch, was du alles für tolle Krankheiten schon gehabt hättest, wenn du mal Medizin studiert hättest...
Spaß beiseite, viel Glück morgen beim Arzt und gute Besserung, du Web-Rampensau, du!
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