Abendgestaltung im Jahr 29 nach der eigenen Geburt

Diese Taube hat nichts mit dem Text zu tun[Aktueller Song: "In The Ghetto" von Elvis Presley]

Man geht massiv auf die 30 zu und vertut seine Wochenenden genau so, wie damals, als man massiv auf die 20 zuging: Man trinkt und geht mit diversen Freunden, Halbfreunden und Bekannten in schummrige Schuppen. Dort ist das Bier zu teuer, die Musik zu laut und das Fleisch zu jung.
Damals war das anders. Damals war das Fleisch gleich alt und die Musik konnte nicht laut genug sein. Nur das Bier, das war auch damals teuer, nur dass den 3,50 ein “DM” statt eines “Euro” folgte und man viel weniger brauchte, um halbwegs betrunken zu werden.

Damals trank man Bier, um der guten Laune eine große Spur Ausgelassenheit hinzuzufügen, die sich mit jedem Bier vergrößerte. Heute steht man krampfig in einer hinteren Ecke, beobachtet junge, schlanke Menschen mit vollem Haar beim Spaß haben. Ans Bier geklammert fragt man sich, wo all die Jahre geblieben sind, während man sich sinnlos Bier in den Körper pumpt, um endlich locker zu werden. Aber man wird es nicht, stattdessen beginnt man, junge Dinger in knappen Tops anzustarren und sich zu wundern, warum in der dedizierten Rock-Disko neuerdings auch House erlaubt ist. Alternativ-House vermutlich, aber unverkennbar House-Musik und man kennt das Lied nicht. Die jungen Dinger schon. Man reibt sich die Wampe und holt sich noch ein Bier.

Die Kellnerin hat den Absprung auch nicht geschafft. Inzwischen ist die aber in das Alter gekommen, in dem sie Tatoos und Dekoltée schamhaft bedeckt. Auf den angedeuteten Gruß gibt es ein professionelles Bezahlmädchen-Lächeln und ein neues Grolsch. Die Leber schmerzt und es läuft Amy Winehouse. Kreischende Teenager feiern Platz 1 der Albumcharts, obwohl sie gar nicht mehr wissen, wie eine CD aussieht, und fühlen sich dabei sehr alternativ. Man seufzt und kehrt zur Truppe zurück. Die Füße schmerzen, denn man läuft seine neuen guten Schuhe für drohende CeBIT-Märsche ein. Gegen ein Uhr beginnt man, die Schlafoptionen zu eruieren: Man könnte hier, oder da. Oder man nimmt eine mit und schläft bei ihr, aber das würde möglicherweise Sex bedeuten. Mit jedem Bier wird diese Option uninteressanter, denn der Hoseninhalt hat sich nach dem vierten Bier schlafen gelegt. Das war früher auch anders.

Irgendwann schlägt einer vor, dass man doch was essen gehen könnte. Man füttert den Grolsch-Sodbrand mit Currywurst und Fritten und einem geschnorrten Stück Pizza von irgendwelchen Schmierbuden, kauft sich Kippen, freut sich, dass man heute Abend mit unter 50 Euro davongekommen ist und schläft selig auf einer fremden Couch ein. Zum Glück kann man sich morgen nicht mehr an Details erinnern.

Verwandte Einträge:

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

No Comments on "Abendgestaltung im Jahr 29 nach der eigenen Geburt"

Hi Stranger, leave a comment:

ALLOWED XHTML TAGS:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 

Subscribe to Comments

Additional comments powered by BackType

Creative Commons Attribution-NoDerivs 3.0 Deutschland
This work by xTown.net is licensed under a Creative Commons Attribution-NoDerivs 3.0 Deutschland.