[Aktueller Song: "You're Gonna Go Far, Kid" von The Offspring]
Bei IKEA wird man geduzt. Schlimm genug, denn ich habe Ingvar Kamprad, dem IKEA-Gründer, bestimmt nicht das “Du” angeboten. Sowas mache ich nicht bei Menschen, die hemmungslos Wälder abholzen und zerhäckseln, um sie nachher als wackliges Pressspan-Mobiliar zu verkaufen. Ich werde auch nie verstehen, warum diese 68er-mässige Anbiederei so viele Hippies anzieht, denn ich halte IKEA für eine echte Umweltsau, nachwachsender Wald hin- oder her.
Trotzdem sieht man jede Menge alternative Gestalten in den klarlackduftenden Lagerhallen herumstreifen, die offenbar kein Problem damit haben, dass IKEA jedes Jahr hunderte Hektar nordischen Waldes zerlegt und mit buntem Plastikscheiß Ressourcen verbraucht. Ressourcen, die andernorts genau von diesen Leuten angemahnt werden.
Den Vogel schießt jedoch die Aufschrift der Tabletthalter im IKEA-Restaurant ab. Dort heißt es im Wortlaut:
Nur wenn Du Dein Tablett selbst abräumst, können wir Dir die Möbel so billig anbieten.
Mit anderen Worten: Selbstbedienung vernichtet Arbeitsplätze. Doch auch dieser Wink mit dem kalten, kapitalistischen Zaunpfahl hält die alternativen IKEA-Kunden nicht davon ab, hier zu kaufen, während sie sonst doch so gerne gegen Arbeitsplatzabbau und Globalisierung wettern. Jemanden wie Ingvar Kamprad, laut Forbes-Liste immerhin der siebtreichste Mann der Welt, müssten diese Typen doch eigentlich hassen?
Und zu allem Überfluss kaufen sie dann noch all den Hinstellkram aus Billiglohnländern und fahren mit ihren sonst so klimavernichtenden Volvo- und Japan-Schrottkisten in die sonst so krötenvernichtenden Industriegebiete und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Besonders rastabezopfte, total subversive Ökomädchen machen das gerne, die erinnert das IKEA-Restaurant ja auch an die guten AStA-Zeiten, damals in der linken Diskussionsgruppe bei Tischkommune 1. Die scheinen IKEA ohnehin für einen Tempel alternativen Lifestyles zu halten. Und fressen, sonst doch so vegan, wenn sie da sind gerne mal einen großen Pott fettiger Fleischbällchen aus garantiert nicht artgerechter Haltung.
In diesen Kreisen mag man sich duzen, das macht man eben so, aber ich will da nicht mitmachen, ganz ehrlich. Nach dem heutigen Tag rufe ich den IKEA-Boykott aus. Für ein höfliches “Sie”. Für Bedienungen, die die Köttbullar bringen. Für Möbel aus Massivholz und gegen Hinstellkram, der schon beim Aufbauen kaputtgeht. Und vor allem: Gegen bigotte Ökofaschisten!



31/12/2008 at 01:22 Permalink
lol
08/01/2009 at 11:41 Permalink
habe mal http://www.ikea.fr angeschaut: dort wird noch ge”vous”t (also das französische sie!