29.04.08
Friseusen sollen ja toll sein, das zumindest hatten ihm erfahrenere Freunde ans Herz gelegt. So zog er, gerade 21, also los und suchte sich eine Friseurin in der Ausbildung aus dem Sozialbau. Die war auch ganz nett, aber sie lachte ganz seltsam, was er recht abstossend fand. Außerdem konnte er ihre Haare nicht riechen, die rochen nämlich immer ziemlich chemisch nach Färbemittel. Davon wusste sie alles, nur sonst leider sehr wenig. Er hatte immer ein schlechtes Gewissen, mit ihr Schluss gemacht zu haben, da sie eigentlich sehr nett war.Jahre später traf er sie beim Einkaufen. Sie hatte ihre Breite verdreifacht und wollte seine Handynummer. Er flüchtete und fand plötzlich, dass das auch damals eine sehr kluge Entscheidung gewesen war.
29.04.08
Zwangsverkuppelt von einem glücklichen Pärchen wusste er nicht so recht, was er mit L. besprechen sollte. L. wusste sowieso nicht so viel zu sagen, denn sie war ziemlich klein, blond, proll und vom Balkan. Weil sie merkte, dass er ihre Liebe nicht erwiderte, schrieb sie ihm einen Liebesbrief. Dort stand "isch libe disch" und es war ernst gemeint, emotional wie orthographisch.Er hat nie bereut, sich nie wieder gemeldet zu haben.
29.04.08
Er hatte keine Lust auf Frauen. Es war das Jahr vor seinem 19. Geburtstag, er hatte ein Auto, leidlich lange Haare und keine Lust auf Abitur, als sie ihm auf einer Party begegnete. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie trafen sich, liebten sich, trennten sich und wiederholten das Spiel mehrere Jahre. Andere schauten neidisch und sagten "Traumpaar" dazu, ohne sich für die beiden zu freuen. Er und sie schrieben sich Briefe im Unterricht und gaben sie sich in der Pause, denn sie war ein paar Klassen unter ihm.Irgendwann merkte er, dass sie ihn belog und betrog. Er zog die Konsequenz und den Schlussstrich.
"Du bist so ein Arschloch!", rief sie ihm zu und ging zu ihrem neuen Freund.
29.04.08
Es wusste nicht so recht, warum sie plötzlich Interesse an ihm hatte, er fand sie immer ganz nett, aber eher als Freundin. Sie küsste ihn auf einer Party und weil sie die Schönste in der Klasse war, hatte er viele Tage lang sehr viele neue Freunde, die ihn ständig besuchten. Als er sie an Tag sieben in der Schule küssen wollte, wollte sie nicht. "Sorry, mein Ex ist zurück. Aus dem Urlaub. Wir haben uns vorher getrennt und jetzt sind wir wieder zusammen.""Wie gewonnen, so zerronnen", dachte er und begann professionell zu rauchen und zu trinken.
29.04.08
Sie lernten sich Karneval kennen, obwohl sie Karneval ziemlich blöd fanden. Sie waren beide nüchtern, daran lag es also nicht. Daraus wurden zehn Monate heißer Liebe, sie war 16, er 17. Sex hatten sie nicht, aber das war vielleicht auch besser so, sie guckte nämlich oft "Die Nanny" auf RTL, war auf der Realschule und roch manchmal komisch. Irgendwann fuhr er sie mit der Vespa ins Pfadfinderlager und als sie drei Tage später zurück war, wollte sie nicht mit ihm reden. Dann redeten sie doch und sie sagte: "Mein neuer Freund ist Pfadfinder. Ich hab dem einen geblasen." Das tat ihm sehr weh, besonders das mit dem Pfadfinder.Den lernte er Jahre später beim Bund kennen. Er und der Pfadfinder mussten doch sehr über sie lachen, war sie dem Pfadfinder doch auf die gleiche Weise stiften gegangen.
29.04.08
Irgendwie hatte er einen seltsamen Frauengeschmack. Damals, mit 16, fand er die dickliche Mexikanerin mit der Zahnspange super. Sie kam aus Berlin und hatte ein Nabelpiercing. Es war der Sommer '96 und sie küssten sich in England am Strand. Sie fand seine Waden gut, er ihre Haare. Eine Woche später musste sie fahren.Sie schrieben sich Briefe, er besuchte sie, aber sie ignorierte ihn und stellte ihm ihren "neuen Freund" vor. Der war Mitte 20 und ziemlich schwarz. Statt der Mexikanerin küsste er also ihre jüdische Freundin mit den großen Brüsten und der großen Nase.
Als er nach Hause fuhr, musste er auf Höhe Hannover ziemlich dreckig grinsen.
29.04.08
Er war gerade 14 und das erste Mal richtig verliebt. Ihr Name war S. und er hatte sie auf der Konfirmandenfreizeit kennengelernt. Ein Klammerblues auf "November Rain" reichte aus, um die in Chiemsee-Jacke und Levis 501-Jeans gekleidete Gleichaltrige samt des Songs in sein Herz und seinen Verstand zu brennen. Sie trafen sich, die küssten sich nie, aber telefonierten regelmässig. Irgendwann, es muss ein Mittwoch gewesen sein, rief ein böser Junge ihn an und drohte ihm, die Finger von S. zu lassen, sie sei sein Mädchen. Im Hintergrund lief Autoscooter-Dancefloor und er konnte S. kichern hören. Fortan ließ er die Finger bei sich.Fast anderthalb Jahrzehnte später traf er S. auf einer Ü30-Party wieder. Sie fand ihn wohl ganz gut und wollte nicht von ihm ablassen, gab ihm ihre Nummer. Er gab ihr keine und rief nie an.
Er fand das recht angemessen.
29.04.08
[Aktueller Song: "Numb/Encore" von Jay-Z & Linkin Park]Der wahre Spaß am Umziehen ist der Aufbau der neu gekauften IKEA-Ware. Kein Wunder, dass ältere Semester lieber auf Massivware vom Antikhändler setzen, denn die von der IKEA-Werbeabteilung irgendwann einmal in einem Werbespot für kultig erklärte Schrauberei mit dem mitgelieferten Witz von Werkzeug ist alles andere als gelenkschonend. Insbesondere dann, wenn Aufbauanleitung fehlt. Was man natürlich erst merkt, nachdem man die Packung des allerkompliziertesten Teils überhaupt beim Auspacken komplett geschreddert hat, um eben nach dieser Anleitung zu suchen.
24.04.08
Nach eingehenden Recherchen im lokalen Schmuddel-Toom muss ich feststellen, dass ich der mit Abstand bestaussehendste Mann auf der Venloer Straße ab Ehrenfeldgürtel bin.Das ist vielleicht kein hoher Standard, aber es ist ein Standard. Ich bin einen Kopf größer als die hier ansässige Proletarier-Klientel, habe keinen Bierbauch, keine selbstgestochenen Tattoos, keine stereoidgestählten Muskelpakete im Nacken, ordentlich gestutztes Haar, keinen Schnurrbart, keinen Minipli und vor allem: Keinen inneren Drang, Frauen in eine Burka zu stecken.
Deshalb lächeln mich die schönen Frauen hier auch dauernd an.
Dieses Wissen werde ich nun missbrauchen, um brunzdumme, höchstgradig attraktive Toom-Kassiererinnen mit Migrationshintergrund und blondierte, stilfreie Asischabracken abzuschleppen.
Ja, das klingt nach einem guten Plan...
22.04.08
[Aktueller Song: "These Boots are Made For Walkin'" von Nancy Sinatra]Samstag, Umzugstag: Nach nur drei Stunden Schlaf aufgestanden, mit dem Auto von Düsseldorf nach Bornheim gefahren, dort den LKW abgeholt. Danach Karmataxi-Phil eingesammelt, weitergefahren nach Düsseldorf und dort den Pröll in den Wagen gepackt. Nochmal vielen Dank für die Hilfe an alle Beteiligten! Wir waren mit sechs Mann und einer Frau trotz der vier Stockwerke nur knapp zwei Stunden mit ausräumen beschäftigt. Opfer: Der Kleiderschrank, der leider demontiert werden musste. IKEA-Zeugs mag sowas nicht.
18.04.08
[Aktueller Song: "Me Against The World" von 2Pac]Kein Witz: Ich hasse Umzüge. Und jetzt produziere ich glatt selbst wieder einen. Gut, man hätte vor einem Jahr auch mal schlau sein können und nicht nach Düsseldorf nicht ins Ghetto zu ziehen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.
17.04.08
An der neuen Wohnung angekommen drückte es im Darm. Nach gründlicher Prüfung stellte ich fest: Eine Entleerung war nicht zu vermeiden. Erst nach dem ausgiebigen Stuhlgang musste ich dann feststellen, dass ich das Klopapier vergessen hatte.Gut, wenn man Kosmopolit ist und schon in den klopapierfreien Zonen Indien und Ägypten biblische Diarrhoe durchleben durfte. Dann weiß man, was in solchen Situationen zu tun ist. Die postrituelle Waschung mit der blanken Hand funktioniert hervorragend, sofern man Wasser und ein Handtuch hat.
Hatte ich.
Und weil das fürchterlich tropft, weiß ich jetzt auch, warum diese Völker den Kaftan und dicke Socken in den Sandalen normalen Hosen vorziehen...
17.04.08
Stecke mitten im Umzug. Wenn hier also nichts oder nur sinnlose Posts passieren, liegt das daran, dass mein Hirn von den Lösungsmitteln im Hartwachsöl aufgelöst wurde."Hartwachsöl?!" Ja, Hartwachsöl. Sowas braucht man, um einen uralten Dielenboden nach Reinigung ohne Abschleifen wieder halbwegs schick zu bekommen. Ich glaube, nach der zweiten Ölung heute ist es mir gelungen. Das Zeug ist super, kostet 20 Euro pro Liter und hat eine schmierig-harzige Konsistenz. Der Boden in meiner neuen Wohnung dürfte seit einem halben Jahrhundert kein Öl mehr gesehen haben, so wie der das Öl wegsäuft. An manchen Stellen war schon nach ein paar Minuten kein Glanz mehr, was wohl eine dritte Behandlung bedeutet. Und mein aufgelöstes Hirn, das spüle ich dann mit Feuerzeugbenzin durch die Ohren raus.
17.04.08
[Aktueller Song: "Numb" von Linkin Park]Es ist gar nicht so schwer, den elektrischen Außenspiegel eines Ford Fiesta zu wechseln. Dazu braucht man nichts weiter, als einen Schraubenzieher, einen Steckschlüssel und etwa 45 Minuten Zeit. Zuerst muss man die Plastikpinökel der Schraubenabdeckungen abziehen, insgesamt vier Stück. Dabei geht mindestens eine so geschickt fliegen, dass sie künftig in der Lüftung herumklappert. Danach kann man die innere Spiegelabeckung entfernen und sollte dabei darauf achten, tunlichst den fragilen Stecker der Spiegelsteuerung abzureißen.
17.04.08
[Aktueller Song: "Liebe & Hass" von Blumentopf]Es ist Mittwochabend. Ein roter Ford Fiesta ohne linken Außenspiegel kreuzt auf der Suche nach einem Parkplatz kreuz und quer durch Düsseldorf. Keine Chance, nach 18 Uhr etwas Legales zu finden, deshalb stellt er sich, er ist eben pragmatisch, auf die rot markierte Fläche vor dem Haus, die Ladezone. Sein Fahrer geht zu Bett.
10 Stunden später wird er von einem Klingeln an der Türe unsanft aus feuchten Träumen gerissen.


Thu, 20.11.2008 13:37