26.06.08
U4, die U-Bahn vom Friesenplatz nach Bickendorf. Es ist 23 Uhr, der Zug ist voller türkischer Fans, die ihrerseits – aber nur zu einem kleinen Teil – voll sind mit dem Frust der Verlierer. Ein älterer deutscher Fan und ein junger Türke geraten in Streit, sie stehen neben mir. Eine Gruppe grimmig guckender Irokesenschnitt-Muskel-Asis türkischer Bauart schreitet ein, der Streit muss ausgefochten werden. Der junge Türke geht, sie brüllen sich an, dann wird geschubst, der Stinkefinger gezeigt, wieder geschubst. Der besoffene Kerl rennt durch die offene Tür, zwei Männer in Türkei-Flaggen halten ihn draußen fest, damit er nicht wieder reinspringt. Er reißt sich los, springt durch die offene Tür zurück in die Bahn und wird umgehend von einem der Iros rausgekickt. Der Iro meint, dass "Ruhestörer raus" müssten.24.06.08
Irgendwie hatte ich so einen Beitrag zuallerletzt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und dann auch noch bei "Report" vermutet, aber offensichtlich kann man sich auch täuschen, der staatliche Rotfunk scheint doch nicht so rot zu sein, wie alle sagen:24.06.08
[Aktueller Song: "Making Plans for Nigel" von XTC]Bildlich gesprochen, natürlich habe ich weder ein Alkohol-, noch ein Drogenproblem. Zumindest meistens. Im Naturzoo Rheine wurde ich Opfer einer dreisten Affenattacke und sah mich unvermittelt zum Kletterbaum umfunktioniert:
17.06.08
[Aktueller Song: "For Reasons Unknown" von The Killers]Erkan war ein ziemlicher Asi, schon damals in der Grundschule. Erkan war einer dieser Jungs, die zwar mit spätestens neun Kette rauchten, aber niemals eine höhere Schule von innen sehen würden. Wenn Erkan sprach, sprach er türkisch. Sprach er kein türkisch, blubberte das Migrantenkind irgendwelche Deutschfetzen, die zu schmerzhaften Verständigungsproblemen führten. Erkan hatte immer zuerst alle He-Man-Figuren und Schimpfworte und wusste auch, wie man im Kiosk Kurze und Kaugummi klaute, die er sich dann stilecht zur Zigarette auch dem Spielplatz genehmigte, er war eben Genießer. Erkan war ein Problemkind und der Schrecken jeder Grundschullehrerin, aber Erkan war nicht das Problem von Bonn-Endenich. Diesen Posten hatte nämlich sein Bruder bereits inne.
17.06.08
[Aktueller Song: "Youth" von Matisyahu]Damals, in den Achtzigern, als wir klein waren, gab es überall diese Verbotsschilder: "Rasen betreten verboten" gab es gleich viermal in unmittelbarer Nachbarschaft. In jedem grauen Garagen-Hinterhof mit optimaler Fußball-Asphaltierung hing ein "Ballspielen verboten" und natürlich lauerte in der Nähe dieser Schilder den ganzen lieben langen Tag lang ein dicker, ekelhafter Nazi-Frührentner im Ehefrauenschläger-Feinripp darauf, dass einige wagemutigen Knaben doch auf den Rasen sprangen oder im Hinterhof Fußball spielten, bis die Knie bluteten. Der drohte dann mit der Polizei oder trat selbst in Aktion und zog uns an den Ohren, ja so war das damals in den 80ern!
17.06.08
Musste ich erst fast 29 werden und Hämorrhoiden von nervigen Achtstundentagen auf unbequemen Bürostühlen bekommen, um zu merken, dass es tatsächlich Spaß machen kann, Sport zu machen?OK, richtiger Sport war es nicht, mehr so ein fünfminütiges Streetballspiel gegen zwei ebenfalls untrainierte Sesselpupser und die Lunge hing mir danach auch aus dem Hals, aber es war immerhin ein Anfang.
17.06.08
[Aktueller Song: "Lyrics Files" von Akhenaton]Da wohnt man in der muselmanisch befreiten Zone von Köln und zwar genau gegenüber einer der letzten ungläubigen Kölschkneipen. Das war keine Absicht, dort hinzuziehen, aber der Konflikt, der "Clash of cultures" ist hier zur EM besonders zu spüren. Mal abgesehen davon, dass ich bisher noch immer nicht weiß, was die Türkei bei der EM zu suchen hat, wo sich doch 97 Prozent des Landes eindeutig in Asien befinden, hat man hier in Bickendorf immer dann Spaß, wenn die Türkei gewinnt. Dann nämlich vermeinen die Türken, fröhlich hupend ihre Nation zu feiern.
10.06.08
... ich nenne es Elendsvoyeurismus. Was sonst soll es sein, was der Reiseanbieter iTravel dem geneigten Gutmenschen laut derStandard.at feilbietet?Da ist die Rede von "Fair-Tourism-Reisen nach Indien, Südafrika und Brasilien an, die eine Kombination aus Erholung, Sightseeing und der Besichtigung sozialer Projekte vor Ort beinhalten". Dort kann der Weltverbesserer dann gucken, wie schlimm es wirklich ist in der bösen Welt, etwa wenn er die "älteste Favela der Stadt" in Salvador oder "SOS-Kinderdorf" in Afrika besucht. Danach kann er dann entspannt im Viersternehotel absteigen, in dem nur "einheimische Mitarbeiter beschäftigt sind" (weil die billiger sind, wie auch in jeder lausigen Absteige in Kalkutta) und darüber nachdenken, welche Öko-Bilanz er wohl beim Flug an die Schauplätze menschlicher Katastrophen aufgestellt hat.
Weitere Infos: iTravel Fair Tourism-Reisen
09.06.08
Was, so fragt sich der Leser mit Sicherheit jetzt, ist ein "Rheine"?Rheine ist eine Stadt am anderen Ende von Nordrhein-Westfalen, in Westfalen.
Um nach Rheine zu kommen, muss man von Köln aus im Stau die A3 hoch, auf die staubehaftete A2 wechseln, dann etwa 100 Kilometer auf der A31 im Stau stehen und dann noch einige Kilometer auf der A30 und einer Landstraße fahren, wo, wie sollte es anders sein, auch Stau ist. Umgekehrt geht es schneller, nämlich nachts mit Vollgas im 190er-Benz und unter Einsatz von etwa 25 Litern Sprit in nur 75 Minuten.
03.06.08
Es war ja schon immer bekannt, dass die nachbarlichen Käsefresser und allgegenwärtigen Wohnwagenzieher einen miesen Geschmack haben. Trotzdem: Dieser deutsche Kulturgut-Export schockiert selbst eingefleischte Holland-Hasser! Bühne frei für Wolter Kroes mit "Viva Hollandia":(Danke an Tino für den Tipp)
01.06.08
[Aktueller Song: "Sacrament Of Wilderness (Live)" von Nightwish]"Das Projekt ist blanker Selbstmord!" Kumm schrie die letzten Silben fast. "Ihr werdet das Ökosystem ruinieren und den Planeten in eine glühende Hölle verwandeln, wenn Ihr das Kraftwerk baut!" Er meinte es ernst und war sich seiner Sache sicher.
Im großen Rat herrschte großes Tuscheln, hier und dort kicherte eines der anwesenden Ratsmitglieder. Klack, einer der Ältesten und gleichzeitig der Chefarchitekt, meldete sich zu Wort, stand auf und trat vor den Rat. "Kumm, beruhig Dich erstmal. Das Projekt wird keine Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Glaubst Du etwa diesen ganzen Ammenmärchen von dieser... Klimakatastrophe?"
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Thu, 20.11.2008 13:37