[Aktueller Song: "Sunday Morning Call" von Oasis]
Rückenschmerzen. Immernoch. Deshalb auch diese Pause hier, ich konnte einfach nicht vor dem Rechner sitzen, weil das Kreuz so weh tat. Heute bin ich also krankgeschrieben und habe nach dem zweiten Besuch beim Orthopäden auch endlich das harte Zeug verschrieben gekriegt. Deshalb kann ich jetzt wieder sitzen, high auf Novaminsulfon, und nachher vielleicht endlich mal schlafen. Aber vorher blogge ich noch über den Weg zur geilen Droge.
Wenn man “Rücken hat” und deshalb nicht sitzen, nicht liegen kann, sind die Nächte die Hölle. Man wälzt sich herum, wandert wie ein Zombie durch die Bude und wenn einem gegen drei Uhr morgens die Decke auf den Kopf fällt, geht man spazieren, ohne Ziel, meist zur 24-Stunden-Tanke, damit man einen Wendepunkt hat. Die Augen leer, die Glieder schwer und das Gefühl bei jedem Schritt, jemand würde mit einem großen, in Säure getunkten Dildo in den Innereien herumbohren. Selbst Nachttankwarte gucken entsetzt und schließen die Kasse ab, wenn man schwankend die Tankstelle betritt und schlaftrunken “negroserodegoloas” fordert. Und Nachttankwarte sind wohl die einzigen Menschen, die das volle Spektrum menschlicher Scheußlichkeiten kennen.
Heute also zum zweiten Mal zum Orthopäden. Diese Knochenärzte sind wirklich seltsame Zeitgenossen. Wer beim ersten Besuch noch heldenhaft die Soldat-mit-Bauchschuss-Nummer (“Ist nur “nen Kratzer!”) abzieht, wird gnadenlos abgefrühstückt: “Sie sind verspannt, nehmen Sie Ibuprofen”, so der montägliche Rat nach drei Stunden Wartezimmer. Vier Tage und ein halbes Kilo Ibuprofen samt Übelkeit später war keine Besserung in Sicht.
Die durchgewachte Nacht nutzte ich zur Inszenierung meines Arzt-Auftritts.
Leichenblass, augenberingt, ungeduscht und mit wirrem Haar betrat ich die Praxis, quengelte die Helferin an, dass ich LEIDE, dass ich NICHT SCHLAFEN könne und dass mir von Ibuprofen SCHLECHT werde und ich VÖLLIG VERZWEIFELT sei. Dann flüsterte ich ganz leise, kaum hörbar, mit irrem Blick: “ich werde langsam wahnsinnig, wissen Sie?”
Was ja auch alles stimmte.
Hätte sie nicht reagiert, hätte ich mir direkt vor ihren Augen die Pulsadern aufgeschnitten: “ICH WILL NICHT MEHR LEBEN, SO WEH TUT DAS!” Zum Glück kam es nicht dazu.
Die Arzthelferin schickte mich ohne Umweg über das Wartezimmer in den Gipsraum. Fünf Minuten später stand der Herr Orthopäde auf der Matte, trotz vollem Wartezimmer. Ich erzählte von meinen nächtlichen Wanderungen, dass ich am Ende sei, dass Ibuprofen so gut wirke wie Gummibärchen, nur dass einem schneller schlecht werde. Und dass ich Schiss hätte, dass das was mit dem Hodenkrebs zu tun haben könnte. Dabei hatte ich Tränen in den Augen, wegen der Authentizität, aber auch, weil es einfach scheiße weh tat. “Keine Sorge, wir kriegen Sie schmerzfrei”, versprach der Herr Doktor.
Eine Minute später stand ich in der Apotheke und konnte mir mein Schmerzmittel abholen. Einmal Hammer und einmal Oberhammer, beides in Tropfenform. Jetzt, 30 Tropfen Hammer, sprich Novaminsulfon, später, ist der Rückenschmerz weg. Einfach weg. Und im Hirn fühlt es sich an, als sei er nie da gewesen. Der kleine, böse Mann im Kopf regt sich schon jetzt über die Krankschreibung auf. “Du bist so eine Memme, CRen, war doch gar nicht so schlimm.” Ich werde ihn dran erinnern, wenn die Wirkung wieder nachlässt.

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