Man mag uns jetzt ein faschistoides Kunstverständnis unterstellen, was wohl durchaus den Tatsachen entspricht.
Nur: Wenn jemand nicht malen kann, kann er es eben nicht.
Kenner des Bonner Nachlebens dürften jetzt wissen, was kommt.
Keiner weiß seinen Namen, trotzdem ist er überall.
Nennen wir ihn einfach den “Alle-mal-Malen-Mann”
Und wir ließen uns malen!
Wenn es Nacht wird in der Bonner City und die Kreaturen der Dunkelheit ihren Weg in Kneipen und Cafés finden, ist er da.
Egal, wo man hingeht, er wird vorbeikommen.
Er erscheint wie aus dem Nichts, schlohweißes, wirres Haar. Ein graues Jacket mit Flicken an den Ärmeln.
Ein älterer Herr – ein Künstler?
Er wandert einmal quer durch die Kneipe, setzt sich hier und dort mal hin.
Um einen Moment zu verweilen.
Um ein Bild zu malen.
Ein Ruf ertönt, Sauerland oder Ruhrgebiet.
Alle mal Malen?
Für zwei Euro pro Person. Heute abend, Sonderpreis, nur für Euch.
Ortsunkundige und Touristen nehmen dieses günstige Angebot gerne an. Nicht wissend, welchen Service sie sich damit einhandeln.
Ein SelbstporträtEr ist ein Original.
Sein Handwerkszeug sind ein altes Fahrrad, ein Bleistift und ein DinA4-Malblock.
Und er malt.
Malt, wie vom Teufel getrieben. Kassiert wird vorher.
Strichmännchen auf’s Papier. Butterbrotpapier, wenn der Malblock mal alle ist. Er ist eigentlich immer alle.
Sie sitzen am Tisch, die Strichmännchen. Wie ihre Vorbilder.
Einer fragt, wer er sei. Natürlich der da, mit der Mütze.
Eine zweite Stimme erhebt Einspruch: Das soll ich sein?
Guck doch mal genauer hin.
Eine dritte Stimme: Krieg’ ich’s geschenkt? Ich habe Geburtstag!
Will wohl das Geld zurück…
Der Mann mit dem schlohweißen Haare greift zum Bleifstift.
Dann schreibe ich Dir ein Gedicht, das nur für Dich ist.
Er schreibt. Einen Spruch von Goethe. Oder Schiller. Oder so.
Der Maler ist ein sehr gebildeter Mann. Das weiß er.
Das Geld gibt er natürlich nicht zurück, er bedankt sich und zieht weiter. Das Bild lässt er da.
Nächster Tisch, nächste Kneipe. Neue Opfer finden.
Manchmal geht die Wildheit mit ihm durch.
Dann malt er wilde Motive, Karikaturen, Drachen. Auf Wunsch auch mal sich selbst. Ohne Spiegel.
Unter das Bild setzt er ein Datum und ein Initial:
“H”
Hitler ist damals auch von der Kunstakademie abgelehnt worden.

17/11/2009 at 19:31 Permalink
Das ist kein H, sonder ein J und ein L… wie wärs demnächst mit ein bisschen Recherche?
20/11/2009 at 01:18 Permalink
Vielleicht ist Dir ja aufgefallen, dass der Text uralt ist. Aber vermutlich übersteigt das Horizont eines durchschnittlichen Lesers hier…