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Wirklich, ich habe es ehrlich versucht, den Film “Der Rote Baron” so richtig schlecht zu finden. So, wie die Kritik den Film im Vorfeld zerrissen hat, habe ich mit einem wirklich, wirklich sehr, sehr schlechten Film gerechnet. Dem ist ist aber gar nicht so. Faszinierend, wie sich das Feuilleton aufregen kann, sobald eine unterhaltsame Geschichtsfälschung mal aus deutschen Landen kommt.
Die Handlung ist schnell erzählt: “Der Rote Baron” dreht sich um die zwei letzten Kriegsjahre des ersten Weltkriegs und natürlich den wohl einzigen offiziellen deutschen Weltkriegshelden Manfred von Richthofen, mittelprächtig gespielt von Matthias Schweighöfer. Der fliegt mit seinem “fliegenden Zirkus”, einer Schwadron bunt lackierter Doppel- und später Dreidecker herum und holt mit sportlich-ritterlichem Eifer (“Wir schießen Flugzeuge ab, keine Piloten!”) Briten aus den Wolken. Oder er lässt sich selbst von Briten abschießen. Dazwischen scharwenzelt von Richthofen kurz mit einer Krankenschwester mit süßem französischem Akzent, die ihn natürlich sofort – Frauen in Filmen sind ja immer sehr vernünftig – vom Himmel in die Ehe zwingen will. Er fliegt trotzdem und wird schließlich tödlich abgeschossen. Film vorbei.
Sicher: Regisseur Nikolai Müllerschöns für einen deutschen Film optisch opulentes Meisterwerk ist weder ein Film mit besonderem Tiefgang, noch einer mit sonderlicher historischer oder gar politischer Correctness. Richthofen, so die Kritik, sei viel zu positiv dargestellt, die Dialoge seien flach, der Plot stünde einem Groschenroman zu Gesicht. Insgesamt handelt es sich dabei auch um durchaus berechtigte Kritik. Der Film ist flach, mit Pathos aufgeladen und besitzt eine wirklich für jeden geschichtlich noch so ungebildeten Zeitgenossen nachvollziehbare, einfache Story mit stereotypischen Charakteren.
“Popcornkino” würde man dazu sagen, wenn der Film aus den USA käme.
Die Kritik scheint im Anbetracht eines unterhaltsamen deutschen Films über die “Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts” (Guido Knopp) ganz vergessen zu haben, um was für eine Art Film es sich handelt: “Der Rote Baron” erhebt gar nicht den Anspruch, polithistorisch korrekt zu sein. Er soll von Richthofen gar nicht darstellen, wie er in Wirklichkeit war, sondern eine spannende Geschichte erzählen. Das gelingt. Nur gibt es damit aus Kritikersicht wohl Schwierigkeiten, weil es sich um eine deutsche Produktion handelt.
Seit Jahren werden wichtige historische Personen oder Ereignisse in Filmproduktionen als Vorlage für halbfiktive Groschenromangeschichten missbraucht. Viele davon sind erfolgreiche Mainstream-Produktionen. Was hat der “Shakespeare in Love” schon mit dem historischen Shakespeare gemein? Ist “Elizabeth” aus Hollywood die historische Königin Elizabeth I. von England? Und all die Westernhelden, von Billy the Kid bis Jesse James, sind die historisch korrekt? Der fast nett anmutende, höflich-viktorianische Vampir “Dracula” der Filmgeschichte hat mit dem notorischen Hobbypfähler Vlad III. DrÄculea ebenfalls keinerlei Ähnlichkeit. Kein Filmkritiker würde so etwas bei einer Hollywood-Produktion jemals einfordern.
Seit fast einem Jahrhundert nutzt Hollywood historische Vorlagen, um pathosgeladene Spielfilme zu produzieren, die in ihrer Handlung oft eher flach und von stereotypen Charakteren durchsetzt sind. Aber wehe, so ein Streifen kommt aus Deutschland, dann erwartet die Kritik plötzlich eine Aufarbeitung der tatsächlichen Ereignisse, ein Schuldeingeständnis, eine an Schwarzmalerei grenzende Negativdarstellung des Protagonisten. Sicher, Manfred von Richthofen mag in Wirklichkeit nicht der Mensch gewesen sein, der im Film gezeigt wird, aber wie sollte er auch? Der erste Weltkrieg war ein menschenverachtender Krieg, geführt mit neuen Waffen nach alten Regeln. Und das Regime in Deutschland seinerzeit war autoritär, streng hierarchisch und gewaltätig. Wer etwas werden wollte, musste sich den Umständen anpassen, damals wie heute. Das sollte man wissen, ohne von Richthofen als Helden zu verehren oder in Schutz zu nehmen.
Aber man muss es ja besser wissen. Als Filmkritiker muss man oberlehrerhaft den Zeigefinger schwenken, sobald auch nur der Hauch eines patriotischen Gefühls im Zuschauer erweckt werden könnte. Während gleichzeitig Filme in höchsten Tönen gelobt werden, in denen Hitler als netter, leicht depressiver Onkel dargestellt wird, der letztlich von einem Juden ermordet werden soll (“Mein Führer”). Hier allerdings spielt Helge Schneider, der Humor ist haha-ironisch, doch im Grunde ist dieser Film wesentlich bedenklicher und im Kern antisemitisch. Warum also einen Film wie “Der Rote Baron” totreden?
Das Resultat der Kritik: Als eine der teuersten deutschen Filmproduktionen aller Zeiten floppte der Film komplett und das unberechtigterweise. Der genau zwei Stunden messende Streifen hat zwar, genau wie etwa der sehr ähnliche US-amerikanische Spielfilm “Pearl Harbor”, seine Längen. Auf die Grausamkeit des ersten Weltkrieges und das Regime Wilhelm II. wird verständlich angespielt, ohne den Zuschauer in seiner Meinung zu bevormunden.
Insofern ist “Der Rote Baron” im Grunde überaus unterhaltsam und stilistisch wie optisch eben auf Hollywood-Niveau. Mehr muss man mehr als 90 Jahre nach den Originalereignissen doch auch nicht verlangen, oder?

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