[Aktueller Song: "Symphony No. 8 in F Major, Op. 93: I. Allegro Vivace e con Brio" von London Symphony Orchestra & Josef Krips]
Ab sofort, habe ich jetzt beschlossen, möchte ich dumm sein. Dumme Menschen haben es viel einfacher. Man sieht ihnen nach, wenn sie schlecht in der Schule sind oder keinen Job finden. Man schämt sich nicht für sie, sondern bemitleidet ihre einfach Art, wenn sie ihr Leben von Kamerateams verfolgen lassen. Und wenn sie viel zu jung Kinder machen, werden sie noch dafür gelobt, solange sie diese Kinder ebenfalls dumm erziehen. Ja, dummen Menschen gehört die Welt. Und ich will dazugehören!
Das ist jetzt kein Post-Karnevals-Posting über einen galaktischen Kater, kein Gejammer über mein durch Chemotherapie und Krankenhausaufenthalte zerlöchertes Restgehirn. Nein, ich möchte dumm sein, damit ich endlich meine Ruhe habe. Nie wieder anspruchsvolle Fragen beantworten, dafür andere Menschen immer als “Vollidioten” beschimpfen und Autos tieferlegen, Muskeln aufpumpen, über “die da oben” lästern, Weltpolitik grandios vereinfachen, dauerpotent ficken wie ein Truthahn und mich dabei noch genial finden, das ist ab sofort meine ganze Profession. Weil man damit glücklicher lebt. Weil man nicht denken kann und sich logischerweise dann auch auch keine Gedanken macht.
Einen Schnurrbart aus Ballonseide könnte ich mir wachsen lassen, das tragen dumme Männer ja gerne, auch wenn diese Mode langsam wieder ins Bildungsbürgertum zurückschwappt. Auf Fußballspielen gröhlen und prügeln möchte ich und beim Saufen und darauffolgenden Eskalieren nicht das Gefühl haben, dass das jetzt wieder sofort meiner intellektuellen, sozialen und beruflichen Reputation schadet. Meine Raucherei wäre nicht mehr gesundheitsschädlich und ein Grund zum Schämen, sondern Ausdruck eines “es-sich-leisten-könnens”. Ich könnte in Karnevals-, Modellbau- und Sportvereinen hochaktiv sein und das todernst nehmen, ohne ständig diese lästigen Gedanken über wichtigere Dinge zu haben.
Ich könnte den ganzen Tag fernsehen und Egoshooter spielen, ohne das Gefühl zu haben, meine Lebenszeit zu verschwenden, denn ich hätte ja ohnehin nichts wichtigeres zu tun. Ein in meinen Garten hängender Ast vom Apfelbaum des Nachbarns und sein bellender Hund wären endlich mal anständige Gründe, meine dann natürlich vorhandene Rechtsschutzversicherung auszuprobieren. Ich könnte dutzende Kinder zeugen und mich ohne jede Nachfrage auf Vater Staat verlassen. Die BILD-Zeitung würde ich nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich in der Bahn lesen und meinen Sitznachbarn natürlich lautstark darauf hinweisen, das das wieder alles unmöglich ist, was die da oben machen, die natürlich “feine Pinkel” für mich wären. Darauf würde ich laut furzen und mich drüber freuen, wieder was Großes geleistet zu haben.
Statt in Museen rumzuhängen könnte ich endlich die Freizeitparks Deutschlands ausprobieren, das würde auch die Kinder freuen. Und ich würde mich einen Scheiß um Stil scheren. Wenn gerade keine saubere Marmorjeans in Karottenschnitt mit Designerflecken drauf sauber wäre, würde ich eben in Schnellfickerhose und Gummistiefeln einkaufen gehen. Als Computer würde mir das Billigste vom Ramschladen reichen, weil die billiger sind als mein iMac und obendrein mehr Leistung hat.
Neon- und Leuchtfarben fände ich definitiv besser als edles Silber, schwarz und weiß und mein Auto hätte billige Niederquerschnittsreifen, eine Bassrolle und schwarze Folien mit Luftblasen darin. Die Bassrolle würde die Welt mit den neuesten Hits der Schlager- und Schranzszene beschallen und wenn ich meine zwei Wochen Jahresurlaub auf Mallorca verbracht hätte, würde ich immer ganz sentimental, wenn ich was von Micky Krause hörte, denn zu dem Song hatte ich diese knackbraune, blondierte Kleine mit dem Arschgeweih kennen und lieben gelernt.
Filmtechnisch müsste ich nicht ständig nach anspruchsvollen Werken suchen, ich hätte nämlich eine riesige DVD-Sammlung von Chuck-Norris-Filmen und allem, was es so bei Toom und ProMarkt für 2,99 Euro gibt, Filme mit Muskelmännern, die nach vielen blutigen Kämpfen blonde Silikonschönheiten im Arm halten. Krieg fände ich geil und meine Zeit bei der Bundeswehr würde ich Nachhinein nicht als absolute Zeitverschwendung betrachten, schließlich habe ich da Kämpfen gelernt und durfte mit Waffen rumhantieren, so wie mein großes Vorbild Steven Seagal. Natürlich läse ich die FHM oder sogar die Coupé, denn anspruchsvollere Titten-Zeitschriften wären mir zu teuer. Das Geld steckte ich lieber in meinen BMW als in die Ausbildung meiner Kinder.
Ja, dumm sein hätte unglaubliche Vorteile. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich dumm werde, ohne dabei Schaden zu nehmen.



25/02/2009 at 15:05 Permalink
Wer hat sich das denn noch nicht ausgemalt? Den Schnubi hab ich mir schon lange zugelegt und bilde mir ein ihn wieder salonfähig machen zu müssen.
Aber den Rest lass ich lieber. Da benehme ich mich lieber nur bisweilen wie ein Idiot und mime sonst den intellektülen Viel- und Querdenker. Prost!
25/02/2009 at 22:28 Permalink
Hast anscheinend schon angefangen mit dummstellen… Ich hab gesehen du VERSCHENKST dein iPhone (samt Vertrag)?!?
Demnächst kommt auch ein WordPress App fürs iPhone… gib dem Teil doch noch ‘ne Chance!
22/03/2009 at 11:39 Permalink
Wenn CRen sein iPhone verschenkt, dann gehört er aber nicht mehr zu diesen “Dummen”.
Wenn ich mich so umsehe, dann hat echt schon jeder Spacko so ein Teil.
Wundert mich auch nicht, wenn es das Teil bei uns ab 1 Euro verschenkt wird.
Schön langsam schäme ich mich dafür, ein iPhone zu besitzen…
Bin ja nur froh noch ein altes zu haben, denn da wird man dann öfters angesprochen, warum das so eine coole Alu-Rückseite hat.