Eigenurin-Therapie

Es gibt kein größer Leid, als das der Mensch sich selbst andeit. Manche Menschen quälen sich im Fitness-Studio, andere leben ohne Fleisch, Alkohol und Drogen oder gehen Punkt 22 Uhr ins Bett. Gähnende Langeweile im Dienste der Schönheit und Gesundheit. Solche Menschen verknüpfen ihren ätzenden Lebensstil meist mit einer faschistoiden Haltung gegenüber Leuten, die ihren Lebensstil nicht teilen.

Da gibt es den Anti-Alkoholiker, der jede Party versaut, aus Prinzip, den Nichtraucher, der in der Kneipe mit den Händen wedelt, sobald jemand eine Zigarette anmacht und den Veggie-Faschisten, der ständig in der Kantine über die armen, leidenden Schweine, Kühe, Hühner und anderes Viehzeug quasselt.

Ganz neu im Zoo der Alternativ-Lebensform-Faschisten: Die Eigenurin-Therapeuten. Eigenurin-Therapie ist eine eklige Erfindung von irgendwelchen Verrückten, die mit Sicherheit auch an Chi, Horoskope und die heilende Kraft von Steinen glauben: Man pinkelt morgens in einen Becher und trinkt die Suppe oder schmiert sie sich auf irgendwelche heilsbedürftigen Körperstellen.

Wer den Quatsch erfunden hat, sollte nachträglich exkommuniziert, gevierteilt, gerädert und den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden, denn Eigenurin-Therapeuten sind der festen Ansicht, dass es sich bei Pisse um einen körpereigenen und deshalb ganz besonders gesunden Stoff handelt. Und helfen soll das, alter Schwede! Das wird Mitmenschen natürlich mit dem Satz: “Ich mach’ übrigens gerade eine Eigenurin-Therapie” nahegelegt und wenn man es wagt, sich darüber tot zu lachen, wird der Eigenurin-Faschist ganz beleidigt.

Was die Eigenurin-Faschisten gerne vergessen, ist leider, dass das Zeug Körper-Abfall ist. Da ist alles drin, was der Körper nicht braucht, Urin ist im Grunde nichts anderes als das Spülwasser des Körperfilters, der Nieren. Auf Deutsch: Sondermüll. Wäre der Körper eine Kneipe, wäre Pisse das, was Abends im Spülwasser-Pott übrig bleibt. Und das würde schließlich auch niemand trinken.

Das beste Argument gegen Eigenurin-Therapeuten ist übrigens folgendes: “Wenn Du schon Deine Pisse trinkst, isst Du dann auch Deine Kacke? Ist ja schließlich auch ein körpereigener Stoff…” Das Zeug finden diese Leute komischerweise nicht gesund. Dabei ist doch gerade Kot einer der gesündesten Stoffe der Welt, das kann man bei jedem frisch gedüngten Acker beobachten. Stellt sich nur noch die Frage, wann diese Leute anfangen, an die heilende Wirkung von um den Hals getragenen Nierensteinen, knusprig gebratenen Zehennägeln, Eiter-Likör und Hornhaut-Müsli glauben. Das sind schließlich auch körpereigene Stoffe und sowas von gesund…

UPDATE!!!

Wer mehr zur Eigenurin-Therapie wissen möchte, sollte sich auf der Fach-Website Eigenurin.de belesen. Schön ist, dass es zwei Meinungen zum Thema Pipi-Longdrinks gibt: Einerseits schwören die Pissetrinker darauf, dass Urin total gesund sei und nahezu keimfrei, wohingegen der Skeptiker davon spricht, dass es keinen nachweisbaren Effekt gibt.

Kritisch betrachtet ist Urintherapie nichts weiter als Fäkalien-Spielerei, eine Schweinerei, die auch Schimpansen gerne mal tun, wenn sie nicht gerade mit Kot werfen. Manchmal sind wir unseren Vettern eben näher, als wir es gerne hätten.

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12 Comments on "Eigenurin-Therapie"

  1. ulf
    04/12/2008 at 19:09 Permalink

    Ja, der Mensch kann als Allesfresser ja mit so ziemlich jedem – ungiftigen – Zeug was anfangen, und was er nicht braucht scheidet er einfach wieder aus. Dass dann Menschen daherkommen und den Mist wieder in den Körper schütten, ist wirklich abartig dämlich – und eklig!

  2. CRen
    04/12/2008 at 19:13 Permalink

    Man isst ja auch keinen Kot, es sei denn, man macht in gewissen im Netz populären Filmen mit ;)

  3. Aufklärer
    30/08/2009 at 13:10 Permalink

    Bei meiner Recherche über die Eigenurintherapie bin ich auf diese Seite gestoßen.
    Dabei ist mir aufgefallen wie wenig Informationen hier über die tatsächlichen Grundlagen dieser Behandlungsmethode zu finden sind und wie krass emotional geladen die Ablehnung ihr gegenüber ist.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Harnstoff

    Der Harnstoff der im Urin ausgeschieden wird ist übrigens in eingen Cremee enthalten, die zur Behandlung von Hautirritationen verwendet werden. Vielleicht haben Sie diesen bereits selbst ohne sich dessen bewusst zu sein auf die Haut aufgetragen.
    Er kommt sogar in Zahnpasta vor.

    Für mich besitzen Fäkalien und Urin zwei unterschiedliche Qualitäten. Das Argument ist also für mich nicht geltend.

    Könnte es sein, dass Ihnen eine extreme Reinlichkeitserziehung vermittelt wurde, durch die diese extreme Ablehnung zustande kommt?
    Viele irrationale Ängste haben, in Verbindung mit allem was „da unten“ so ist und raus kommt.

    Der Umgang mit Eigenurin ist keine Spielerei, sondern eine Behandlungsmethode.
    Wer sich damit nicht anfreunden kann, muss nicht auf sie zurückgreifen.

    Jedoch sollte man bei einer starken Ablehnung ihr gegenüber schauen, woraus sie resultiert.
    Das kann das eigene Leben befreiter machen.

  4. Stevie!
    30/08/2009 at 17:12 Permalink

    Na dann!
    Prosit ;-)

  5. Pongo
    30/08/2009 at 17:41 Permalink

    Ich glaube eine extreme Reinlichkeitserziehung liegt hier nicht vor ;-)

  6. CRen
    30/08/2009 at 23:18 Permalink

    Ach wo, Kotnascher und Pissetrinker sind eine wertvolle Bereicherung für unsere Gesellschaft :)

  7. mattdoesrock
    31/08/2009 at 17:10 Permalink

    warum muss ich gerade an die ganzen popelfresser aus meiner schulzeit denken?
    hilft sowas auch auch gegen wasweissichwas? oder saufen die heute auch pisse gegen die popelfressallergie die sie heute haben? fragen yber fragen

  8. Sepp
    18/09/2009 at 16:58 Permalink

    Es ist schon auffällig mit welcher Menge Fäkalien hier einige Leute verbal lustvoll um sich werfen; starker Mundgeruch!

  9. Nana
    04/11/2009 at 09:50 Permalink

    Hey, habe gerade gelesen, dass Harnstoff sogar in Zigaretten vorkommt.
    Na dann gut qualm…

    “Zigarettenhersteller mischen Harnstoff dem Tabak bei, damit das Nikotin durch Erhöhung des pH-Wertes in der Lunge besser aufgenommen werden kann. So werden aus vermeintlich leichten Zigaretten, auf deren Packung ein niedriger Nikotinwert angegeben ist, starke Zigaretten.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Harnstoff

  10. Kranker Pfleger
    08/12/2009 at 19:11 Permalink

    Ich bin für Therapie mit Eigenkacke.

  11. Max
    06/01/2010 at 09:14 Permalink

    Unseriöser, polemischer und plakativer Artikel.
    Bei ner Party eingepennt und ins Maul gepinkelt bekommen oder wie kommts ?

  12. Christian
    07/01/2010 at 21:44 Permalink

    Ne, eigentlich nur jemanden kennengelernt, der von der Pisse überzeugt war…solche Spinner!

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