Es gibt sie immer noch, die Fahrrad-Faschisten.
Mit ihren Jack-Wolfskin-Klamotten fahren sie auf alten Trekking-Rädern, die Frisur wirr, die Nase von einer Nickelbrille verunziert, das rechte Hosenbein mit einem Reflektorband vor der bösen Kette geschützt und schleichen mitten auf der Fahrspur rum, obwohl drei Meter weiter rechts ein Radweg ist.
Ganz besonders schlimm sind diese Arschgeigen im Doppelpack. Dann fahren sie nämlich grundsätzlich nebeneinander, natürlich neben dem Radweg, um sich gepflegt über die neuesten Fortschritte in der Müsli-Technologie zu unterhalten. Oft haben sie die neueste Mischung schon in der alten Ledertasche, die links am Gepäckträger hängt, frisch vom Erzeuger, gut verpackt in einem Jute-Beutel oder einer wiederverwendbaren Tupperdose.
Ruft man die Sackgesichter dann vom Auto aus zur Räson und bittet sie freundlich hupend darum, die Straße frei zu machen und auf dem Radweg zu fahren, werden sie meist noch aggressiv, holen einen spätestens bei der nächsten Ampel ein und spucken, unflätige Kommentare brüllend, die vollgesabberten Krümel der letzten Schwarzbrot-Schnitte ins Gesicht des Autofahrers. Ein “Faschist” sei man und man solle “gefälligst aufpassen, dass das keine Anzeige gibt, wegen Nötigung!” Und das von Typen, die sich in der Regel an jeder Schiene festketten, über die ein Castor-Transport laufen könnte.
Gerne kann man die Konversation aufrechterhalten, indem man sich entschuldigt und den Fahrrad-Faschisten vorfahren lässt, um ihn bei nächster Gelegenheit mit aufheulendem Motor so zu schneiden, dass er vor Schreck fast gegen eine Litfaß-Säule prallt. An der nächsten Ampel wird der Gutmensch garantiert so handgreiflich, dass ihm das Müsli-Gerippe klappert. Dann darf der Autofahrer endlich zuschlagen und dem Fahrrad-Faschisten demonstrieren, wie gesund es für den Muskel-Aufbau sein kann, auch hin und wieder eine ordentliche Portion Fleisch aus garantiert unartgerechter Tierhaltung zu naschen.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Der Öko-Arsch muss zuerst zuschlagen, sonst kommt man vor Gericht nicht mit Notwehr durch. Alternativ lohnt es sich, immer einen Baseball-Schläger im Kofferraum zu haben. Das Kurzzeit-Gedächtnis sitzt im Hippocampus, der seinerseits wie kleine Hufeisen rechts und links tief im Hirn verborgen ist. Der Baseball-Schläger sollte also nicht zu sparsam eingesetzt werden, um den Müslifresser die Erinnerung der letzten Minuten auch effizient aus dem Gedächtnis zu löschen.
Achtung: Radfahrer solidarisieren sich gerne, weshalb vor und während dem Einsatz des Schlag-Werkzeuges darauf geachtet werden sollte, dass sich keine anderen Radfahrer in Sichtweite befinden. Fußgänger und andere Autofahrer hingegen stellen keine Bedrohung dar, sondern stellen sich in der Regel durch den schnellen Griff zum eigenen Baseball-Schläger als sehr kooperativ heraus.

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