Gedanken zum Nichtraucherschutz

[Aktueller Song: "Jam" von Michael Jackson]

Das absolute Rauchverbot in NRW ist jetzt eine Woche da. Die einen freut”s, die anderen stört”s, doch den meisten scheint es erstmal völlig egal. Nur die Wirte, die rüsten auf und machen ihre Kneipen wahlweise zu rauchfreien Zonen oder zu Raucherclubs, in die man nur gegen einmalige Unterschrift rein darf. Ist Rosa Parks damals im Bus nach vorne gegangen, wurden die Geschwister Scholl ermordet und deutsche Großstädte wie Köln von amerikanischen Bombern in Schutt und Asche gelegt, damit in der westlichen Welt im Jahr 2008 wieder staatlich verordnete Diskriminierung und Zwangstrennung von Bevölkerungsgruppen herrscht?

Offenbar schon, denn das Rauchverbot führt zu einer offensichtlichen Trennung zwischen militanten Nichtrauchern und Rauchern oder Rauchsympathisanten. Die einen gehen in Rauchfrei-Restaurants, die die anderen meiden, weil sie nicht im bundesdeutschen Regenwetter frieren möchten. Und die anderen gehen in Raucherclubs, in die sich kein militanter Nichtraucher wagt, was ebenfalls eher kontraproduktiv ist, schließlich gibt es wohl kein besseres Argument gegen das Rauchen als das Abchecken eines militanten Nichtrauchers.

Klar, wird der Gutmensch jetzt einwerfen, eine Angewohnheit wie das Rauchen ist nicht wie eine Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einer Minderheit, man kann sie schließlich mehr oder weniger einfach ablegen. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass es sich um eine staatlich verordnete Trennung der Menschen in “gut” und “schlecht”, respektive Raucher und Nichtraucher handelt. Und sowas gab es oft genug in der Geschichte, meist mit überaus negativen Folgen. Besonders in Zeiten, in denen die gutmenschlich übervölkerten und chronisch blanken Krankenkassen Methadonprogramme bezahlen sollen, weil Heroinsucht eine “Krankheit” sein soll, ist ein “Nichtraucherschutzgesetz” ein Schritt in die falsche Richtung.

Was ist mit dem “Nichtjunkieschutz”, den es nicht gibt, wie meine Heimatstadt Bonn direkt am Bonner Loch seit Jahren beweist? Oder dem “Nichttrinkerschutz”, der sicher nicht kommen wird, obwohl die Sauferei, soviel Spaß sie macht, doch einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht, von all den suffbedingten Schlägereien, Sachbeschädigungen, Krankheiten und Lebensbedrohungen einmal abgesehen? Oder der “Nichtökoschutz”, der die vor Diskriminierung und die psychische Gesundheit schädigenden Beleidigungen der “gesunden” Minderheit schützt, die ganz bewusst auf Fahrrad, Müsli und Sport verzichten und Schnitzel mit Pommes jedem Salat vorziehen?

Die praktische Umsetzung des Rauchverbots in NRW sorgt dafür, dass sich Kneipenwirte, Diskothekenbesitzer und andere Betreiber ähnlicher Lokalitäten wahlweise auf die Seite der Raucher oder der Nichtraucher schlagen, und das treibt bizarre Blüten: Während schon rauchfreie Diskotheken gesichtet wurden, vor denen hunderte frierender Gäste stehen, werden aus einfachen Gyrosbuden exklusive Raucherclubs, in die man nur mit Clubkarte eingelassen wird. Das ist albern, schützt aber Raucher in Raucherclubs wenigstens vor Angriffen militanter Nichtraucher, die schon Lungenkrebs bekommen, wenn sie irgendwo eine Zigarettenschachtel liegen sehen.

So lassen einige Nachtclubs niemanden mehr ein, der sich nicht als Raucherclubmitglied registriert, natürlich mit förmlicher Anmeldung, Adresse und Unterschrift. Dafür erhält der Gast einen “Clubausweis”, meist ein schlecht laminiertes Stück Papier ohne jede Personalisierung. Die Formulare landen in einem dicken Ordner beim Wirt und müssen dort gelagert werden, damit im Notfall der Nachweis erbracht werden kann, dass eine rauchend im Club erwischte Person tatsächlich Clubmitglied ist. Sonst drohen Bußgelder.

Die Ordnungsämter werden in Zukunft viel zu tun haben, den Nichtraucherschutz zu kontrollieren. Umso wahrscheinlicher, dass sie aus Personalmangel Exempel statuieren werden und Wirte wie Raucher mit empfindlichen Bußgeldern massiv abstrafen werden, wenn es Verstöße gibt. Deshalb werden die Wirte ihre Ordner sehr sorgfältig pflegen und deshalb bringt auch eine anonyme Anmeldung nichts und so sammelt sich bundesweit ein hervorragender Datenbestand darüber an, wer raucht oder Rauchsympathisant ist und wer sich der Gesundheitsdiktatur konform verhält.

Und hier sitzt der Stasi-Punkt: Ganz nach der allgemeinen Salamitaktik zur Einführung freiheitsberaubender Gesetze wird es irgendwann einen elektronischen Abgleich zwischen Wirten und Ordnungsämtern geben, eine Übermittlung der Raucherdaten, die ein Härtetest für das Bundesdatenschutzgesetzt werden dürfte.
Spätestens dann ist der Damm gebrochen, Städte und Kreise wissen, wer raucht oder sich zumindest in ungesunden Raucherlokalen aufhält und dann ist der Weg nicht mehr weit, dass auch jemand bei einer Krankenkasse oder beim Gesundheitsministerium davon Wind bekommt.
Ein wenig Populismus hier, ein bisschen Blabla in einer ARD-Talkshow da, tendenziös gelesene Statistiken über die Gefahren des Rauchens, vielleicht eine BILD-Schlagzeile und schon sind Raucher die Buhmenschen der Nation. Und spätestens dann dürfte es auch kein weiter Weg mehr zur Sondereinteilung von Rauchern bei den Kassentarifen sein, während die ewig kaputten Sportler und die notorischen Säufer wieder sauber davonkommen und Junkies noch einen Bonus bekommen. Verkehrte Welt.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin als Raucher selbst dafür, dass zum Beispiel in Restaurants nicht geraucht werden soll. Doch das soll jeder Wirt selbst entscheiden. Stattdessen gibt es ein diskriminierendes Gesetz mit Schlupflöchern groß wie der Reichstag, der das ganze Gesetz ad absurdum führt, ja fast zu einer Diskriminierung der eigentlich Schutzbefohlenen führt, die nämlich dedizierte Raucherclubs nicht mehr besuchen können, ohne Mitglied eben dieses Clubs werden zu müssen.
Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint.

Allerdings gibt es eine Hoffnung: Auf kurz oder lang wird – wie immer – der schnöde Mammon siegen. Denn während “Raucherclubs” weiterhin auch allen Nichtrauchern offen stehen, werden dedizierte Nichtraucherläden von den 25 bis 30 Prozent Rauchern in der Bevölkerung gemieden, wer will schon im Regen frieren. Damit schließen idealistische Nichtraucherkneipenwirte gepflegt ein Drittel bis Viertel der potentiellen Kundschaft aus, inklusive der Streuverluste derer, die selbst nicht rauchen, aber Raucher im Freundeskreis haben, während Raucherclubbesitzer niemanden abweisen müssen, solange er den Wisch unterschreibt. In der heutigen Kneipenlandschaft wird sich wohl kein Wirt 30 Prozent aller Kunden durch die Lappen gehen lassen und so dürfte schon in Kürze jede Kneipe ein Raucherclub sein. Das lässt hoffen…

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