Genau wie Nena 1983

haltestelle_1[Aktueller Song: "House Of Fun" von Madness]

In den letzten Wochen habe ich viel Zeit darauf verwandt, wieder ein wenig gemeiner zu meinen Mitmenschen zu sein. Ihnen zu zeigen, dass sie in ihrer aufgeblasenen Überheblichkeit eben auch nur Menschen sind. So beschimpfte ich kürzlich einen wie Henker fahrenden Mitbürger mit Migrationshintergrund per Hupe, was er mit Aussteigen, an mein Fenster kommen und “Ey, kommste raus, kriegste Fresse!” quittierte.

Ich verzichtete natürlich auf das Kräftemessen, er, mit blinkendem Headset, Navigationsgerät, drei Frauen und einem Kind in einem alten japanischen Kleinwagen eingezwängt, war sicher schon gestraft genug. Stattdessen sagte ich, ruhig: “Wenn Du fährst wie so ein Idiot?” Da hat er blöd geguckt, der Mitbürger mit Migrationshintergrund, aber vom Kräftemessen hat er dann nochmal abgesehen.

Oder auch junge Mädchen. Junge Mädchen sind super Ziele für Gemeinheiten aller Art. Einerseits, weil junge Mädchen selbst Brutstätte zahlloser Gemeinheiten sind und auch zu meiner Zeit waren, was ich ihnen heute zurückzahlen möchte. Andererseits aber auch, weil sich junge Mädchen in ihrer Unsicherheit so wunderbar einfach beeinflussen lassen. Da guckt man sie, zum Beispiel an einer Bushaltestelle, einfach so lange an, bis sie auf einen aufmerksam werden und spricht sie dann genüsslich an:

“Hör mal, Dein Style, ne? Der geht ja mal gar nicht. Du siehst ja aus wie Elton John!”
Das verunsichert ungemein, zumal diese jungen Dinger heutzutage ja wirklich unmöglich rumrennen. Auch wenn sie gar keinen Elton John kennen, aber Elton von Pro7 und der sieht ja eigentlich auch unmöglich aus.

Und wenn die Angesprochene dann guckt wie ein Auto, unentschlossen zwischen womöglich peinlichem Konter und irgendwo verstecken, legt man noch einen drauf:

“Aber vermutlich weißt Du auch nicht, was gerade in ist, oder? Vermutlich haben sie es Dir nicht gesagt, weil sie solche Zicken sind.”

Sie wird dieses psychologische Leckerli dankend annehmen, sich innerlich zerreissen, sich danach sehnen, was wohl gerade “in” ist. Sie will es wissen, aber man dreht sich einfach um und hört wieder Musik oder fummelt ganz geschäftig auf dem iPhone rum, was ja bei so Mädchen sowieso schon Eindruck macht. Das iPhone ist zwar nicht gerade der Porsche, aber schon so ein bisschen der tiefergelegte Audi TT unter den Mobiltelefonen. Und das macht Eindruck bei den Gören.

Sie wird fragen: “Sagen Sie, was ist denn ‘in’ im Moment?” Zitternd steht sie da, mit Augen wie ein entsetztes Reh. Jetzt kann man genüsslich gemein sein, aber richtig:

“Kennst Du Nena? Guck mal nach, wie die 1983 aus sah. Retro ist wieder VOLL IN!” Schon wird die Kurze losrennen, ihr ganzes Geld in Scheißklamotten stecken und sich von dem für Intim- und Achselrasur gesparten Geld noch mehr Scheißklamotten kaufen. Und man kann sich freuen, wieder einmal ein Teenager-Leben nachhaltig versaut zu haben.

Schön!

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One Comment on "Genau wie Nena 1983"

  1. mars-man
    21/09/2009 at 12:10 Permalink

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