Gina Lisas Welt: Platinblonder Blödsinn

[Aktueller Song: "Seeing Angels" von John Butler Trio]

Da liegt man mit Rückenschmerzen mal ausnahmsweise nicht im Bett, sondern auf der Couch. Und weil das verdammte Aspirin nicht wirkt, beschließt man, Fernsehen zu gucken. Eine sehr dumme Idee, denn das, was man da zu sehen bekommt, ist der absolute Tiefpunkt der Fernsehunterhaltung: “Gina Lisas Welt”, das sind sehr viele sehr zähe Minuten, bei denen man der dickbemopsten Gina Lisa (“arbeitet im Fitnessstudio”, “Maße: 91-63-91″) dabei zuschaut, wie sie im tiefen Dekoltée und knappen Röckchen egomanisch durch die Gegend stöckelt und Blödsinn redet.
Dazu kommentiert dann ein Sprecher regelmässig anzüglich Gina Lisas körperliche Vorzüge und geistigen Defizite, natürlich im Dokusoap-üblichen ironischen Ton.
Das ist selbst für Menschen wie mich, die große Brüste an für sich ziemlich in Ordnung finden und auch Trash-TV nicht abgeneigt sind, einfach zu viel! Heute stelzt die dralle Blonde von Hinz zu Kunz in ihrer Heimatstadt Seligenstadt. Ich lerne ihre Eltern und ihre Geschwister kennen, allesamt genau die Art Mensch, an die man beim Anblick von Gina Lisa automatisch denken muss. Da wäre erstmal die Mutter, eine verlebte, kettenrauchende Brünette. Dann der Lebensgefährte, Typ Gastarbeiter erster Generation mit mächtigem Goldkettchen auf der schwarzgelockten Brust im offenem Hemd. Überhaupt scheinen Dekoltées sehr in zu sein in Ginas prekärer Lebenswelt, denn auch auch aus den Shirts der beiden Schwestern hüpfen dem Zuschauer prächtige Möpse entgegen, was wohl auch der einzige Grund ist, warum ich bis jetzt (23.57 Uhr) noch nicht abgeschaltet habe.

Der Inhalt der Sendung über die bei den Topmodels durchgerasselte Wasserstoffblonde besteht ansonsten vor allem aus vielen dämlichen Sätzen seitens der Protagonistin. Die gröhlt, aufgekratzt wie ein kokainsüchtiger Kolibri, am laufenden Band “Ey”, “Schätzschen” und “geil” ins Bild und befasst sich mit Extensions und Schuhen. Dabei führt sie eine Stimme vor, die wohl nicht nur zufällig an das spermarauhe Organ einer Michaela Schaffrath erinnert, die ihrerseits ja seinerzeit auch als eine Gina unterwegs war, nämlich als Gina Wild. Und damit das Ganze nicht all zu anstrengend für den gequälten Zuschauer ist, wird die Sendung noch alle zehn Minuten von Werbepausen unterbrochen.

Der Charme von “Gina Lisas Welt” liegt irgendwo zwische Homevideo und der Topmodel-Sendung, wobei ersteres definitiv dominiert. Man fühlt sich wie beim Heimvideoabend bei Gina Lisa zuhause, nur dass man als Pro7-Zuschauer eben darauf verzichten muss, diese Ausgeburt einer perversen Produzentenfantasie mit Gina Lisas Kopf zwischen den Beinen zu verbringen.

Wie immer wird aus der Werbung zwischen den Gina Lisa-Einblendungen ersichtlich, welche Zielgruppe Pro7 mit der Sendung hauptsächlich anspricht: Aus den Spots für Gleitgel, Chips, Biermix, World of Warcraft und Pickelcréme wird schnell ersichtlich, dass hauptsächlich männliche Teenager Gina Lisas Eskapaden als Wixvorlage verwenden – kein Wunder, wir älteren Baujahre kommen einfach nicht zum Schuss zwischen zwei Werbepausen. Selbst wenn die Damen sich gegenseitig anfassen und dabei “Megamöpse” rufen und ihre Füße vergleichen und einfach nur reden, als wär nichts im Kopf außer einer gehörigen Person Helium…

Ich glaube, ich sollte jetzt wirklich schlafen gehen!

Gina Lisa im iTunes Store als Podcast (Dank an Big Paw)

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