Gutemine auf der Jagd

Gutemine ist eine rheinische Urgewalt, das sagt man wohl so. Sie ist klein, dick und tiefe, fröhliche Falten zieren ihr sonnenstudiobraunes und nikotindurchblutungsgestörtes Gesicht. Einmal zu oft, einmal zuviel. “Dat hat ming Haut kapottjemacht”, würde sie gerne sagen, aber sie kann sich nicht durchringen. Stattdessen zieht sie ihr Glas an sich heran und schaut hinein. Es ist halb voll, denn Gutemine sieht die Dinge immer so. “Isch jenieße ming Lebe”, lacht sie und zitiert ein oder zwei poesiealbengerechte Lebensweisheiten. Gutemine ist auch halb voll, kein schöner Zustand, deshalb bestellt sie noch eins. Sie lacht viel, wenn sie halb voll ist, und flirtet gerne. Gegenüber sitzt ein junger Mann. “Den würd”isch auch ma jerne…”, flüstert sie konspirativ und kichert anzüglich. Die Falten kräuseln sich um ihre blauen Augen, das strähnchenblonde Haar ist eine Spur zu schön, um echt zu sein. Krebs? “Ne, Hormone.” Für einen Moment wird Gutemine andächtig, das Klimakterium erwischt sie eben alle irgendwann. Sie lächelt den jungen Mann an, er lächelt zurück, unsicher, schielend, er ist schon ganz voll. “Den nehm”isch heut” mit”, freut sich Gutemine und steckt sich mit einem “Liebe ist”-Feuerzeug eine R1 an. Der Wirt kennt das, hier gibt es schon lange keine frischen Speisen mehr, dafür darf hemmungslos geraucht werden.

Dein Senf dazu...