Haribo-Shop, Bonn: Zucker in Tüten (2004)

Was tun erwachsene Männer an einem öden Novembernachmittag?
Genau! Sie leihen sich einen Land Rover aus und knüppeln damit über matschige Feldwege in der Region. Sprit ist zur Zeit ja vergleichsweise günstig.

Ebenfalls günstig war die nötige Wegzehrung. Denn vor der Exkursion in die Pampa musste erstmal Nahrung rangeschafft werden.
Der extrascharfe Döner sorgte für den herzhaften Nachgeschmack, der seinerseits mit Süßigkeiten beseitigt werden musste. Und nirgendwo in Bonn gibt es Süßigkeiten billiger als im Haribo-Shop in Bad Godesberg.

Bären-Geschichten

Haribo, das ist das wohl urälteste Traditionsunternehmen aus Bonn. Seit 1920 wird in den Fabriken bunte, klebrige Zuckerware produziert.

Haribo, das steht für Hans Riegel, Bonn. Und die Welt ist süchtig nach den Plombenziehern aus dem Hause Haribo. Der Haribo-Shop ist Fixbude für besonders süchtige Zuckerjunkies, nur dort werden Goldbären und Co. direkt vom Band verkauft, ohne Einzelhandels-Zuschlag, also kann man dort ordentlich Geld sparen. Zumindest, wenn der Bedarf ein Kilogramm im Monat übersteigt.

Schon von weitem schlägt dem interessierten Besucher der betörende Geruch von künstlichen Aromastoffen ist die Nase. Jetzt heisst es: Nase zu und rein durch die Schiebetür.

Im Haribo-Shop gibt es vier Kategorien: Tütenware, die man aus dem Einzelhandel kennt, Einzelverkaufs-Dosen mit Kiloware, Fehl- und Überproduktion sowie Kiloware zum Zusammenstellen.

Das Sortiment

Besonders bei der Über- und Fehlproduktion lässt sich sparen. Contergan-geschädigte Goldbären und eckige Lakritzschnecken sehen zwar kacke aus, schmecken aber genauso und kosten nur die Hälfte.

Wesentlich spannender allerdings ist die Zusammenstell-Ware. Eine riesige Theke mit nahezu allen Sorten Zuckergummi macht den Süßigkeiten-Junkie ganz kribbelig. Schnell ist die Schaufel gefunden, mit der die ausgelegten 3-Liter-Gefrierbeutel befüllt werden können – für 3,50 Euro pro Kilo. Mischware. Lecker.

Besonders empfehlenswert sind hier die Schlümpfe. Im Gegensatz zu anderen Haribo-Produkten quietschen sie nicht so fies zwischen den Zähnen, färben dafür die Zunge ordentlich blau und sind derart süß, dass man förmlich spürt, wie einem die Karies die Zähne wegfräst.

Spezialitäten aus dem Hause Haribo

Auch beliebt: Cola-Kracher. Schmecken ungefähr wie Pepsi mit Ahoj-Brause “Cola”, also mal so richtig klebrig und desaströs süß. Krachen tun sie nicht, dafür knacken sie um so lauter und ergießen ohne Vorwarnung einen Schwall süßsaurer Cola-Brause in die Mundhöhle.

Das Beste am Haribo-Shop sind allerdings nicht die klebrigen Leckereien, sondern die Gespräche der Kunden. Bei unserem Besuch fanden sich dort: Ein Haufen Arbeitslose, ein paar Bratzen und das arithmetische Mittel, nämlich eine Gruppe weibliche Bundeswehr-Feldwebel.

“Hast Du die Störche mitgebracht?”

“Ne, ich hab’ Delphine geholt…”

“Wieso das denn?!”

“Störche schmecken nicht so gut! Aber gut, ich hol’ noch ein paar Riesenschlangen…”

Wo bleibt eigentlich die Peta mit ihren Bluteimern?

Da brennt die Bauchspeicheldrüse

Was klingt wie eine Verschwörung von Tierschutz-Gegnern ist nichts weiter als Synonym-Sprache, weil niemand im Jahr 2004 die lächerlichen 70er-Namen der Haribo-Produkte aussprechen möchte, so peinlich sind sie:

Bumix, Kinder-Schnuller, Pico-Balla, Pasta-Frutta, Saure Bohnen, Quaxi, Happy-Cola, Balla-Balla und natürlich: Rotella, die gute, alte Lakritzschnecke.

Wer davon noch nicht kotzen muss, sollte sich mal ein Kilo Bumix in der Mittagspause reinpfeifen oder einen Blick auf die Inhaltsstoffe der Produkte werfen – Sodbrennen garantiert und eine Herausforderung für jeden Pressesprecher.

Und immer schön dran denken: Zucker ist Nervennahrung!

HARIBO Shop

Friesdorfer Str. 121
53175 Bonn
Telefon: (02 28) 909 29 30
Fax: (02 28) 909 29 31

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