[Aktueller Song: "Ocean Of Noise" von The Arcade Fire]
Ich hasse ja Menschen, die Dinge mit dem Begriff “herrlich” bezeichnen. Jetzt mal im Ernst! Das ist doch ein widerliches, pseudotiefsinniges Rotweinschlürfer-Wort. Das Wort suggeriert, und da setzt wirklich tiefer Ekel von meiner Seite ein, hochgeistig-weicheirige Kennerschaft, Romantisierung und neospießige Genußbereitschaft und wird ausschließlich von Menschen benutzt, die genau diesen Lebensentwurf verfolgen.
Der Herrlich-Sager findet etwas nicht “herrlich”, weil es ihm gefällt, sondern weil er der Welt mitteilen möchte, dass er etwas genießen kann, was ohnehin alle genießen. Das ist wirklich widerliche Anbiederei! Herrlich-Sager bezeichnen zum Beispiel einen Sonnentag als “herrlich”. Oder ein Glas Rotwein. Oder ein Konzert. Oder eine Szene in einer “Kultsendung”. Oder moderne Kunst. Es gibt “herrliche Salate” und “herrliche Reisen nach Südostasien”, aber, Gott, die armen Menschen da, wird dann oft betroffen nachgelegt.
Das hat was von Anti-Establishment-Establishment, es wirkt ja auch so herrlich intellektuell, sich mal dieses unglaublich beschissenen Wortes zu bedienen. Herrliche Besäufnisse hingegen sucht der Kenner vergeblich, herrliches Dosenstechen, herrliches Kotzen, eine herrliche Schlägerei oder schlicht herrliches Herumgehänge sind Dinge, die es einfach nicht gibt. Es gibt schöne Bilder und Sternenhimme und es gibt schöne Schlägereien und Besäufnisse, aber ausschließlich herrliche Sonnenuntergänge in der Toskana. Es gibt herrlichen Sex, aber keine herrlichen Abtreibungen. Und wo sind eigentlich die herrlichen Massenmorde? Aber das ist wohl zu zynisch.
Kein Wunder, das Wort “herrlich” hat ja auch kein Negativ. Die Schönheit hat ihre Hässlichkeit, der Frieden seinen Krieg, der Mann die Frau und das Gute das Schlechte. Aber die Herrlichkeit? Die lässt sich nicht einmal mit der Notvorsilbe “un-” ins Negative verschieben. “Unherrlich”? Das klingt wie achte Klasse Sonderschule, 6. Stunde Deutsch, Untalentiertengruppe. Nur dort werden solche Unwörter konstruiert.
Derweil konstruieren selbsternannte, gutmenschliche Etymologen am Wort “herrlich” herum. Herrlich, so liest man allerorten, komme von “Herr”. Und “dämlich” demzufolge von “Dame”. Wer da keinen Chauvinismus riecht, ist herrlich naiv, das wird dann gerne mit süffisantem Unterton gesagt.
Vermutlich ist mit “Herr”, und das vergißt das postproletarische Herrlichsager-Gesindel gerne, aber eher Gott gemeint. Etwas herrliches ist also göttlich. Merken diese Menschen denn nicht, wo das hinführt? Während sie einerseits den diskriminanten Faktor der deutschen Sprache zuschande analysieren, verwenden Herrlich-Sager das Wort mit Freude in Zusammenhängen, die sie als besondere Kenner ausweisen.
Ich glaube, schöner kann man Bigotterie kaum auf den Punkt bringen. Und genau deshalb werde ich ab sofort jedem Herrlich-Sager massiv über den Mund fahren – mit einem Bagger!

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