[Aktueller Song: "Flagpole Sitta" von Harvey Danger]
Ich kann nicht schlafen. Morgen, also um genau zu sein in exakt 3 Stunden, muss ich aufstehen. Dummerweise bin ich schon noch wach, nachdem ich eben kurz für eine halbe Stunde eingenickt bin und seitdem total fit hier durch die Bude springe. Konsequentes auf studentischen Tagesablauf-Züchten (um 4 ins Bett, um 12 aufstehen) in den letzten Tagen hat dafür gesorgt, dass ich jetzt hier sitze, wissend, dass ich eigentlich müde sein müsste, aber was soll’s, diese Geschäftsidee hält mich einfach wach. Wie wäre es eigentlich mit einer IKEA-Krankenversicherung?
Das IKEA-Prinzip ist ja eigentlich nichts weiter als das konsequente Outsourcen von Arbeitskraft: Der Kunde baut seine Möbel selbst zusammen und spart dadurch massiv Geld. Zumal er vorher nicht sieht, was für eine wacklige Mistqualität er da kauft, denn der Kram im Showroom ist ja immer doppelt und dreifach geleimt und an strapazierfähigen Wänden festgedübelt. Immerhin: Verkrampfte Biologie-Studentinnen erleben in der SB-Halle meist den ersten Orgasmus ihres Lebens und lernen dank IKEA mal endlich richtig Hämmern, Bohren und Schrauben, aber das war es auch eigentlich.
Nun fuhr ich gestern mitten in der Nacht durch die Gegend und wünschte mir nichts dringlicher als eine Gänsekeule mit Klößen und Rotkohl, wie sie im IKEA-Restaurant feilgeboten wird. Das war die erste Geschäftsidee: Ein 24-Stunden-Drive-In-IKEA-Restaurant mit gutbürgerlichem Schwedenschwachsinn, das wäre die Marktlücke zwischen all den minderwertigen Orientalengrills, den schmierigen Italiener- und fettigen Ami-Fressbuden hier in Deutschland! Aber! Das! War! Längst! Nicht! Alles!
Denn: Die gesetzlichen Kassen tun es ja bereits, aber was wäre, wenn man das IKEA-Prinzip konsequent auf eine Krankenversicherung übertragen würde? Das wäre doch spitzenmässig, alles wird selbst gemacht, IKEA liefert nur das Zubehör. Das würde die Menschheit einen ganzen Schritt weiter in die richtige Richtung führen: Minderwertige künstliche Hüftgelenke der Höftü-Serie mit bebilderter Eigeneinbauanleitung, die kein Mensch versteht und mitten in der Operation fehlt eine Schraube.
Oder Spritzen aus dem legendär schlechten IKEA-Küchenmetall, die auf halbem Weg abbrechen und auf Nimmerwiedersehen schmerzhaft zwischen Haut und Fleisch verschwinden wie IKEA-Holzdübel in lausig gebohrten Pressspan-Wänden.
Wie wäre es mit der IKEA-Beinprothese “Prothesä”, die beim ersten Umzug in tausend spitze Holzsplitter zerbröselt? Zahnersatz “Zähna” aus weißglänzendem Plastik (Klarlack oder Antikbeize) zum Selberleimen, der sich bei der ersten Belastung durchbiegt wie ein arthritischer Esel?
Ebenfalls eine Idee wert: Asthmaspray “Keucha” aus pulverisiertem Baum (Fichte oder Birke), Impfungen aus lustigen bunten Flaschen und Brustimplantat Tittä aus nassem Sägemehl, die sich jede obengenannte und meist ja überaus flachbrüstige Biostudentin mithilfe des mitgelieferten Operationsbestecks in Form eines steril verpackten Sechskantimbusschlüssels selbst einsetzen kann.
Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt, aber das beste wäre: Mit der IKEA-Family-Health-Karte gibt’s das alles für die Hälfte und ein kostenloses Getränk zu jeder Goebla-Chemotherapie!LINK-NAME

02/11/2009 at 08:17 Permalink
mit dem einschlafen gings mir gestern genauso, hab wohl am wochenende zuviel gepennt …. und heutzutage müssen sogar manche studenten shcon um 7 ausm haus :/
13/02/2010 at 10:09 Permalink
Super dargestellt, herzlichen Dank für diesen Artikel.