Die erste Rueckmeldung aus dem Land der Wahnsinnigen. Es ist Sonntag, der 19. November 2006 und ich sitze an einer voellig keimigen Tastatur in einem Internet-Cafe in Bombay. Diese Tastatur ist die Ausgeburt der Schmutzigkeit, ein Wunder, dass sie funktioniert. Doch wie es das Schicksal will, habe ich kein Desinfektionsmittel dabei. Doch genug von der Tastatur…
Die wohl einpraegendste Erfahrung neben dem allgegenwaertigen Schmutz ist die scheinbar voellige Unfaehigkeit des Inders an sich, sich mit Nicht-Indern zu unterhalten. Hilflose Fragen des orientierungslosen Touristen werden schon vom Englisch-Mimikri sprechenden Fussvolk in der Hotel-Lobby abgebuegelt. Statt zu verstehen, lacht der Inder und macht dann sowieso, was er moechte. So fragt er fuenfmal, ob man warme oder kalte Milch moechte und bringt, unanhaengig von der Antwort, letztendlich doch immer die kochend heisse Milchpulver-Ploerre.
Fast koennte man dem Inder boesen Willen unterstellen, denn irgendwie scheint er in Gegenwart huebscher europaeischer Frauen ganz ploetzlich seine englische Sprachfaehigkeit wiederzuerlangen. Und, um der Unglaubwuerdigkeit seines Treibens gegenueber dem maennlichen Alleinreisenden Nachdruck zu verleihen, spricht er dann auch noch gutes Englisch.
Der Umgang des Inders mit dem grossen, weissen Mann scheint auf einer gewissen nationalen Arroganz zu basieren. Der Inder ist stolz, ein Inder zu sein, das wird an jeder Ecke bewiesen. Gleichzeitig will der Inder offensichtlich alle maennlichen Angehoerigen anderer Nationalitaeten unter Vortaeuschung von Dienstbarkeit und Devotion diskriminieren. Denn nichts hassen kleine, dunkle Inder mehr als grosse, helle Maenner. Nicht, weil die ehemaligen Besatzer, die Briten so waeren – die sind klein und rot – sondern weil es fest in der indischen Kultur verankert ist, rassistisch zu sein.
Der kleine, dunkle Mann wittert die scheinbare Arroganz des helleren, groesseren und damit gesellschaftlich hoehergestellten Mannes und wirkt diesem durch die Optik verursachten Minderwertigkeitskomplex durch kleine, aber fiese Streiche entgegen. Tricks wie das Bringen von warmer Milch, wenn man kalte moechte. Oder das Servieren von Mutton Kajeeza statt Mutton Ghoutdat. Als ob ich das nicht merken wuerde, ha! Lecker war’s trotzdem, auch wenn ich den Kerl das naechste Mal in bester Kolonialherrenart auspeitschen lassen sollte.
Mehr aus Indien? Stay tuned!

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