[Aktueller Song: "Rainbow To The Stars" von Dune] – Ja, auch das muss manchmal sein!
“Say hello to the iPhone”. Während ich diese Zeilen blogge, prügeln sich in Köln die Apple-Telefon-Fanatiker um die ersten iPhones. Glücklich, wenn man der eigenen Heimat wie immer einen Schritt voraus ist und die blöde Knispel-Kiste schon vorher mal in der Hand gehabt hat. Überzeugt hat es mich nicht wirklich. Apple-typisch gut ist freilich die Haptik, der Rest hingegen… ärgerlich. Für 399,- Euro plus mindestens fünfzig Euro im Monat erhält man einen unhandlichen iPod nano, einen schmieranfälligen Mini-Tablet-PC und ein klotziges Handy der vorvorletzten Generation ohne UMTS. Was daran so toll sein soll, ist mir ein absolutes Rätsel. Alle drei Geräte einzeln würde ich nicht geschenkt haben wollen, aber für das iPhone soll ich dann so viel Geld ausgeben? Ohne mich, Apple!
Die eingeblendete Tastatur des iPhone ist knispelig, ich bin ein großer Mann und habe echte Probleme, auf dieser Tastatur etwas einzugeben, obwohl ich nicht einmal zur übergewichtigen und entsprechend wurstfingrigen Early-Adopter-Truppe gehöre. Dazu einige fipsige Funktionen und ganz viel faschistoide Providerbindung plus Funktionseinschränkungen, die sich gewaschen haben. Der Höhepunkt der Apple-Abzocke: Das iPhone kann weder per Bluetooth als Modem für das Notebook genutzt werden, noch können die auf dem iPod-Teil des Geräts gespeicherten Songs als Klingelton verwendet werden. Nein, wer einen Song als Klingelton haben möchte, muss ihn erst einmal für einen Euro im iTunes-Store kaufen, um ihn dann, ebenfalls im iTunes-Store, für einen weiteren Euro auf Klingeltonformat zurechtstutzen zu lassen. Das ist noch unverschämter als diese Abomodelle von Jamba und Co.
So ist es kein Wunder, dass das iPhone erst gehackt Spaß macht. Erst dann kann das iPhone, was es eigentlich ab Werk können sollte. Dann ist es ein kompakter Communicator, ein Web-Tablet, ein Gameboy, eine Schreibmaschine, ein MP3-Player, ein Allroundspielzeug, das Spaß macht und seine 399 Euro in der Tat wert ist. Nur will Apple das offiziell nicht. Stattdessen greift der einst innovative Gadget-Hersteller lieber 18 Dollar pro iPhone und Monat von den Providern ab und macht im Gegenzug den Hackern das Leben schwer.
Ich als treuer Apple-Kunde seit 2003 und iPod-Fan bin enttäuscht. Das Ding ist innovativ wie jedes andere Handy auch, warum plötzlich alle so ein Teil haben wollen, ist mir ein absolutes Rätsel. Selbst ohne Providerbindung würde ich keine vierhundert Euro für ein bisschen hübsch angeberisches WLAN-Daddeln im Starbucks ausgeben, da packe ich lieber mein Macbook Pro aus, das kommt eh viel besser, ist fünfmal so teuer, kann zehntausendmal mehr und der Apfel leuchtet auch viel hübscher im Starbucks-Zwielicht. Womit ja wohl auch klar wäre, wer dann das Alphamännchen zwischen all den Fairtradekaffeesäufern ist. Gut, dass ich nur Tee trinke und Starbucks hasse, sonst könnten diese minderwertigkeitskomplexgeschüttelten Billig-Apple-Käufer einpacken.
Nein, das ist kein Sozialneid, aber ich finde es wirklich zum Kotzen, dass man als Apple-Mensch, der sonst wirklich keinen Bock auf dieses ganze Gefrickel an Computerzeugs hat, jetzt mit dem iPhone quasi von Apple gezwungen wird, zu frickeln. Und dann auch noch an einem Handy. Warum bin ich nochmal Apple-Kunde? Ach ja, weil die Produkte edel, einfach und praktisch sind. Das Prinzip ist beim iPhone derart ad absurdum geführt, dass ich heulen könnte und frage mich, ob Steve Jobs auf seine alten Tage möglicherweise die Ideen ausgehen. Das Geschäftsgebahren beim iPhone ist jedenfalls sehr Microsoft und so etwas sollte man nicht einmal unterstützen, wenn man ein absoluter Apple-Geek ist.
Ich jedenfalls werde ein iPhone frühestens dann in Erwägung ziehen, wenn Apple auf die Providerbindung und die Fremdsoftware-Sperre verzichtet und die Karre UMTS kann.
Dann können wir nochmal drüber reden, Steve.


No Comments on "iPhone: Apples Knispel-Spielkram"
Additional comments powered by BackType