[Aktueller Song: "Walk On Water" von Aerosmith]
Junge Eltern sind ja schreckliche Menschen. Sie platzen vor Stolz und guten Vorsätzen und tun so ziemlich alles für den kleinen Terroristen, der das meist ungeplante Ergebnis zweitklassiger fleischlicher Freuden ist. Die Gören haben, je nach sozialer Schicht, Namen wie Kevin oder Laura-Emilia oder Ulf-Santiago de Moskau und haben als Erstgeborene und künftige Einzelkinder mit eigener Rückbank im Sharan natürlich alle Allüren, die kleine Prinzen und Prinzessinnen eben so haben.
Nur zu ihren Eltern, da sind sie lieb, während sie Erzieher, Besucher und Freunde der jungen Familie mit gesunder Boshaftigkeit in den völligen Wahnsinn treiben. Angesprochen auf die charakterliche Schieflage ihrer Lendenfrucht reagieren junge Eltern nicht selten pikiert, oft aggressiv und ohne Frage über. Kein Wunder, kennen sie doch nur die gute Seite der blondgelockten Höllenkreatur.
Zeit, Ihnen mit ein wenig Kindertuning den Spaß an Kevin, Laura-Emilia und Ulf-Santiago de Moskau auszutreiben!
Kindertuning bringt die Eltern zurück auf den Boden der Tatsachen und sorgt dafür, dass sie ihre ewig mies gelaunten emotionalen Atombomben mal von der anderen Seite sehen. Von einer Seite, die sie sonst frühestens in der Pubertät erleben dürften, nämlich von der Seite, die jeder, der sonst mit dem extralauten Ego-Extremisten zu tun, zu sehen bekommt, bis die sich wieder blöd fragend und mit süffisantem Grinsen petzend hinter Mutters Beinen verstecken. Von der Seite, die junge Mütter so gerne unberücksichtigt lassen, wenn sie mal wieder einen arglosen Passanten zusammenscheißen, der rauchend an einem Spielplatz vorbeiläuft.
Kleine Kinder reagieren ja, wie der geneigte Zuschauer bei der Super-Nanny lernen kann, besonders sensibel auf zuckerhaltige Produkte. Ihr Stoffwechsel wird angeregt, ihr Schlafbedarf schwindet vollkommen, stattdessen rennen sie wie angezündete Katzen durch die Wohnung, kreischen, brüllen, sind frech und unerzogen und werfen mit Dingen um sich. Danach werden sie, weil sie von der vielen Aufregung müde sind, aber aufgrund des mit 360 Sachen schlagenden Herzens nicht schlafen können, so richtig pampig, wiederborstig und übellaunig, schreien, weinen, klammern oder rennen weg. Ja, Kinder sind toll. Und wenn man junge Eltern genau mit diesem Spruch auf den Lippen vor sich stehen hat, während der kleine Ulf-Santiago einem die Jacke anzündet, weiß man auch, warum irgendein kinderloser Humorist bei der Bonbonschmiede Wick die Wick Energy-Bonbons erfunden hat.
Wick Energy, das ist purer Zucker mit Koffein. Zusätzlich haben die offensichtlich kinderlosen Bonbonbastler eine satte Dosis Taurin hinzugefügt – in einem Bonbon, das nichtmal ansatzweise die perverse Süße von Red Bull aufweist.
“2 Bonbons = 1 Tasse Kaffee” steht auf der Packung und das heißt, dass jedes Bonbon etwa 25 Miligramm Koffein enthält. Das entspricht einer Dritteldose Red Bull oder einer halben Flasche Afri-Cola. Zuviel für einen kindlichen Organismus, dem schon der reine Zuckergehalt der Süßigkeit ein arges Hyperaktivitätsproblem zufügt.
Eine Tüte Wick Energy enthält zusammen soviel Koffein wie fünf bis sechs Tassen Kaffee und schmeckt so gut, dass weder Kevin, noch Laura-Emilia ihrer Anziehungskraft wiederstehen können.
Das Bonbon wird vom kindlichen Körper sofort und ohne Umwege in pure Energie umgewandelt, die kleine Nascherei wird vom jugendlichen Organismus erst kurz komprimiert und dann freigesetzt wie bei einer Supernova. Das Kind schaltet Turbo, Nitroeinspritzung und Nachbrenner gleichzeitig ein.
Eine Tüte Wick Energy, ganz nebenbei in den typische Garten eines 1,35-Kinder-Haushalts in einer Neubausiedlung gereicht, dürfte den baldigen Abriss der Siedlung zur Folge haben.
Kaum auszudenken, was passieren könnte, wenn eine ganze Literdose voller Bonbons ihren Weg zu einem typischen Einzelkind-Kindergeburtstag findet, so gegen 17.30 Uhr. Richtig genutzt dürften damit alle Energieprobleme der Welt vorerst gelöst sein, falsch genutzt aber wenigstens gleich einem ganzen Dutzend rachsüchtiger Beschützereltern die Liebe zum Nachwuchs austreiben. Wer ungefähr wissen möchte, wie sich das anfühlt, kann bei Gelegenheit mal einer Truppe Werbetreibender an einem Samstagabend ein Kilo Koks spendieren. Richtig mit Wick Energy getunt sind die Kinder freilich noch eine Zehnerpotenz schwerer zu ertragen.
Ich für meinen Teil werde mir für den nächsten furienhaften Angriff einer jungen Mutter schonmal eine Ladung der Energypillen in die Jackentasche stecken, schön neutral als gesunde Öko-Bonbons vom Bioladen getarnt. Und wenn Mama nicht guckt, darf Kevin mal richtig tief in die Dose greifen. Dann nämlich darf er die nächsten 15 Jahre nur noch auf dem Dachgepäckträger mit in den Urlaub fahren – wenn Muttern ihn nicht direkt an RWE verkauft.

No Comments on "Kindertuning"
Additional comments powered by BackType