Komische Kindernamen

Heute bei der Arbeit fand ein Kollege eine Vornamen-Website. Daraus geht nicht nur hervor, dass die beliebtesten Kindernamen zurzeit Zoe und Fynn sind, sondern auch, dass es offenbar Menschen gibt, die ihr Kind noch allen Ernstes “Paul” oder “Sandra” nennen. Aus dieser Website geht sogar hervor, dass manche Perverse planen, ihren Nachwuchs mit dem Namen “Xenophilius” oder “Günther-Detlef” strafen wollen. Was ja auch kein Wunder ist, möchte man doch nicht, dass 50 Kinder angerannt kommen, wenn man nach “Christian”, “Jan”, “Marc” oder “Luca” ruft – Nachwuchsbenennung ist so ein undankbares Geschäft. Zum Glück gibt es doch xTown.net, das Fachorgan kreativer Babynamen, das die Lösung für das Problem kennt.

Wer demnächst das Glück hat, einen schleimigen Pfropfen frisch aus der Gebärmutter in den Armen zu halten, wird möglicherweise noch glauben, dass der höchstgewitzte Name, den er sich ausgedacht hat, funktionieren wird. Doch wenn das durch blaue Babyaugen ausgelöste Elternglück das Hirn ausschaltet und der Arzt nach dem Namen für das Kind fragt, rutscht im Anbetracht der Situation sowieso wieder nur ein “Kevin” oder “Lucas” raus und so heißen die Blagen ja inzwischen alle. Etwas Neues muss her, etwas Innovatives. Und Eltern sollten zusehen, dass sie auch im stressigen postnatalen Phase einen kühlen Kopf bewahren, damit nicht ein weiterer Marcel auf dem Erdenrund herumkreuchen muss.

Da hilft nur striktes Auswendiglernen eines kreativen Vornamens. Da Doppelnamen und Multikulti zurzeit ja allgemein beliebt sind, sollten werdende Eltern vielleicht schon bei der Namensgebung die spätere Sozialpädagogenlaufbahn des Sprößlings besiegeln. Ein “Hans-Mohammed” ist nicht nur individuell, sondern auch in doppelter Hinsicht spießig-muffig, klingt nach Mittagsgebeten auf flusigem Fünfziger-Flokati und sorgt dafür, dass der Kleine garantiert immer von allen Kindern gehänselt und später sowohl von den Nazis, als auch von den Türken vermöbelt wird.

Ähnlich sinn- und klangvolle Namen sind Ann-Gülcan, Horst-Alladin oder Ülkü-Marie. Das gibt der grünliberalen Patchwork-Familie im innerstädtischen Altbau den nötigen multikulturellen Flair, besonders dann, wenn der Nachname “Müller” ist und bei dem Nachnamen ist ja wirklich jeder Vorname blöd.

Wer es ernster meint mit den Kindernamen sollte hingegen den aktuellen Trends folgen: Gutbürgerliche Klugmenschen greifen wieder zu Friedrich, Wilhelm und Otto oder anderen deutschen Klassikern. Allerdings dürfte sich hier auch bald eine seltsame Homogenität der Kindernamen auf den Spielplätzen und Grundschulen der Einfamilienhaussiedlungen ergeben. Warum nicht direkt ganz tief in die Ahnenkiste greifen und etwas ganz individuelles auswählen? Immerhin sind diese ganzen religiösen oder deutschen Namen ja mehr als blöd. Dabei gibt es doch so schöne Altdeutsche Vornamen, die man verwenden könnte, die obendrein auch gleich noch wirklich coole Bedeutungen haben und gleichzeitig so absolut überhaupt nicht deutsch klingen, dass sie eigentlich auch für Altbaubewohner interessant sein könnten:

Andahari etwa bedeutet “Zornesmann”
Bado ist der “Kämpfer”
Billicho der “Axtkrieger”
Fulchar das “Kriegsvolk”
Gozman ist der “Gotenmann”
Hugbert der “Denktüchtige”
Landobart der “Landbeschützer”
Nordo der “Sohn des Nordens”
Panno der “Totschläger”
Wezilo das “Waldkind”
Wigbold der “Kampfführer”

Ich für meinen Teil werde mein Kind eines Tages mit so einem Namen versehen, da hat die Mutter nichts zu melden. Und “Panno” ist einfach zu schön und zu hänselintensiv, als dass man ein Kind nicht so nennen sollte. Zumal es nach genug Hänseleien seinem Namen mit Sicherheit gerecht werden wird…

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One Comment on "Komische Kindernamen"

  1. Kindernamen rocken
    01/04/2009 at 19:41 Permalink

    Der erste Link scheint nicht mehr zu funktionieren. Aber an Seiten für Babynamen scheitert es ja nicht derzeit im Web. So wird wohl jeder fündig werden. Wer es nicht wird, naja… die Idee ist aber lustig eine Kind ohne Namen zur Welt zu bringen. Gibt es dafür ein Konzept. Oder wann wird das Konzept Namen eigentlich obsolete und Menschen organisieren sich in Gruppen zum Name-Sharing.

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