La Croque, Köln: Da weiß man, was man hat

Die Zülpicher Straße in Köln ist so eine Sache. So eine Sache wie die mit dem Rauchen oder dem Saufen nach einem Kater. Jedesmal sagt man nachher “nie wieder!” und dann hält man sich doch nicht dran.
Seit nunmehr zehn Jahren sind wir, das heißt: Meine Freunde und ich, irgendwie immer da. Dabei ist es da doch voll blöd. Es war 1999 blöd, es war 2003 blöd und wurde ab 2004 immer blöder. Inzwischen haben wir 2009, gehen da immernoch hin und eigentlich ist es inzwischen nur noch saublöd. Warum wir da hin gehen, wissen wir eigentlich selber auch nicht. Aber wenn wir hingehen, müssen wir jedesmal feststellen, dass diese räudige Studentenmeile sich nicht verändert. Das heißt: Doch! Wir werden jedesmal ein Stück älter, die Läden versiffter, aber das Publikum und die Musik, das bleibt immer gleich.

Ein ganz besonders toller Laden auf der Zülpicher Straße ist das verfluchte La Croque. Tagsüber eine Art Café, das Croque Monsieurs serviert, mutiert der Laden Abends zu einer Art Studentenbesaufbude. Da sitzen sie dann, die Strebermädchen vom Lande, die mal was erleben wollen. Die Jungstudenten, die denken, das wäre jetzt cool hier. Und Schüler, Schüler immer wieder. Dazwischen alte Männer wie wir und noch älter und warum wir da sind, wissen wir eigentlich auch nicht genau.

So sitzt man dann also da und lässt sich von magersüchtigen Kellnerinnen bedienen, die noch nichtmal sprechen konnten, als wir aufs Gymnasium kamen. Hagere Mädchen, die weder gut hören, noch rechnen und überhaupt ziemlich unkonzentriert sind. Man fühlt sich plötzlich ins deutsche Bildungsdilemma versetzt, möchte dem Mädchen spontan Nachhilfe in Mathe geben, während sie sich den Kopf über eine Rechnung über drei Bier den Kopf zerbricht. Und während sie da so rechnet, was ja sehr lange dauert, kann man den Nebentisch beobachten, wo sich ernsthaft Menschen eine Fünfliterbierbong bestellt haben. Ohne Scheiß.

Oben sitzen, das ist ja noch OK. Der Kneipenbetrieb ist OK, da kann man nichts sagen und Boxen kann man auch gucken. Oder Fußball. Wären da nicht diese gierigen Blicke der Alleingebliebenen, Zurückgeblieben, Einsamen. Der Frauen, die heute auf jeden Fall mal und überhaupt eigentlich heute aber definitiv grundsätzlich mal einen Schwanz dazwischen haben wollen. Da wird die sonstige strebsame Prüderie deutschtümelnder Studenterei glatt vergessen, Brillen durch Kontaktlinsen und Rüschenhemden durch weit ausgeschnittene Tops ersetzt. Und dann wird geflirtet, geblickfickt, auf Teufel komm raus und man fühlt sich als Mann wie so oft in Köln, wo es so viele schwule Männer und so wenige Heteromänner zu geben scheint, wie ein Stück Fleisch.

Jetzt ist er wieder da, mein Freund. “Tanzen!” befiehlt er und wir anderen haben keinen besseren Vorschlag außer: Weitersaufen. Ist nur nicht sonderlich glaubwürdig, wenn die Hälfte der Tanzmuffel Milchkaffee trinkt. Und so schleppen wir uns, ohne es wirklich zu wollen, in den “Gewölbekeller”. Auf den Gewölbekeller ist man besonders stolz im La Croque. Nach dem “Venuskeller” dürfte die kostenlose Minidisco die wohl erfolgreichste Restefickbude für alle jungen und junggebliebenen Studenten diesseits des Rheins sein. Und so finde ich mich auch diesmal zwischen Bewegungslegasthenikern wieder, die auf unsägliche House-Remixe der Bravo Hits 10 tanzen oder es zumindest versuchen. Junge Männer in Muscle-Shirts sind da, die kleinen, die viel und wenig erfolgreich ins Fitnessstudio gehen, damit sie größer wirken, das sieht man ihnen an. Junge Frauen mit wirklich auffälligen optischen Fehlern können hier endlich mal Abfuhren erteilen, sich rächen für die Abfuhren, die sie von den wenigen gutaussehnden Kerlen erhalten. Dazwischen knutschen besoffene Pärchen, ob die sich gerade gefunden haben oder schon vorher, ist oft nicht ganz klar. Klar hingegen: Schön ist das nicht.

Die Lust am Fremdscham hält mich unten, mein Freunde hingegen bereuen bereits. Ich trinke noch ein Bier. Ab einem bestimmten Pegel kann man das ertragen, vielleicht mitmachen, aber das wäre eh viel zu anstrengend. Wieder nur gebrüllte Gespräche über Studium und Prüfungen mit Menschen, die das Arbeitsleben nur aus dem Fernsehen kennen und den Gewölbekeller für einen großen Spaß halten. Lieber nicht. Feuchte Träume zerplatzen am Schweiß, der sich in dicken Perlen als Kondensat an den kalten Wänden niederschlägt. Noch ein Bier, bringt aber auch nichts und schon haben wir unsere Jacken im Arm. “Doof hier”, sagt der eine. “Echt ey”, sagt der andere. “Scheißegal, mir ist inzwischen alles scheißegal”, sage ich. “Noch einen Absacker im Venuskeller?” fragt einer. Genau, so dringend nötig kann man es gar nicht haben. “War ja nur ein Vorschlag.” Aber wirklich, das erkläre ich mit Nachdruck, absolut kein guter.

“Aber nächstes Mal, da machen wir was Cooles”, sagt einer meiner Kumpels. Und ich weiß genau: Es wird nächstes Mal genauso enden. Auch 2011. Und 2015. Und 2059. Weil wir zu geizig sind für gute Läden. Und zu alt für die billigen.

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6 Comments on "La Croque, Köln: Da weiß man, was man hat"

  1. wurstaffe
    27/03/2009 at 13:12 Permalink

    hehehe… ich glaub an dem abend war ich dabei bzw erlebe denselben abend auch regelmäßig

  2. CRen
    29/03/2009 at 03:50 Permalink

    Wohnst Du etwa auch in Köln?! :)

  3. jo
    07/04/2009 at 16:40 Permalink

    nenene jung´warum gehste auch auf die zülp! ;)
    aber frühert wars viel besser, auf der kyff!
    also es noch keine verschissenen cocktailbars
    auf der zülp gab und die linke/alternative
    noch auf dem boden sitzend die kyff bevölkert hat..
    naja..

    ach ja, bis dann bei MU! ;D

  4. Unbekannt
    17/04/2009 at 15:10 Permalink

    Lieber CRen,

    wieso nimmst du Dir die Zeit so einen langen beschissenen Text über das La Croque zu schreiben? Hast du etwa Langeweile? Deine andere Beiträge sind auch nicht besonders fröhlich… Wenn es da dir nicht gefällt, dann geh da einfach nich hin! Lass dein Lebensfrust woanders.

  5. ti key one
    02/06/2009 at 04:30 Permalink

    CRen,hast Du überhaupt FREUNDE?!
    nur so ne frage…Sp…

  6. CRen
    07/06/2009 at 11:58 Permalink

    FREUNDE? Nö, aber Freunde hab ich schon.

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