Madonna und Nena: Horror-Mädchen mitte Vierzig

Es gibt so Musiker, die ziehen den vollen, ungefilterten Hass mancher Menschen auf sich. Die deutsche Sängerin Nena ist so eine Musikerin. Genau wie ihre Generations- und Einstellungs-Genossin Madonna wird sie nicht müde, die Welt mit ihrer Musik zu terrorisieren.

Genau wie eine Madonna, zweifache Mutter, Ehefrau des Regisseurs Guy Ritchie und bekannt durch den Ekel-Disco-Allstar “Like a Prayer” nur in den USA existieren kann, ist Nena eine typisch deutsche Erscheinung. So etwas wie Nena kann nur Deutschland passieren, Deutschland passieren ja dauernd solche Dinge, 1. Weltkrieg, Comedian Harmonists, 2. Weltkrieg, Peter Alexander, 68er-Revolution, Reinhard Mey, dann Ralf Siegel, NDW und seit einiger Zeit auch noch Silbermond. Schlimmer kann’s eigentlich nicht werden. Dachten wir. Dann kam Nena 2002 zurück und vor Schreck wählten die Deutschen schon wieder falsch.

Aber das ist Geschichte, wichtiger ist die Tatsache, dass Nena und Madonna massive und zum Teil ekelhafte Parallelen aufweisen. Beide sind fast gleich alt, Madonna ist Baujahr 1958 – ja, liebe Teenager, ihr onaniert auf Mamas beste Freundin. Nena ist Baujahr 1960, aber auf die würde niemand onanieren, allein schon wegen der Achselhaare, die sie sich neuerdings aber stutzt, wahrscheinlich weil die langsam grau werden, und der ewig gleichen, abstossenden 80er-NDW-Frise.

Nena zeichnet sich verantwortlich für den zweiten wohl ewig weltweit in allen Discos gespielten NDW-Hit “99 Lufballons” und genau wie Madonna mit ihrem Platz 3-Disco-Müll “Holiday” hätten beide danach aufhören und von den Tantiemen leben sollen. Stattdessen machten sie weiter, tauften sich “seriöse Künstlerinnen” und tyrannisieren die Menschheit seit nunmehr fast 25 Jahren.
Die beiden “seriösen Künstlerinnen” weisen enorme Parallen in ihrer Biographie auf: Beide haben keine abgeschlossene Ausbildung und haben sich erst mit Musik, dann mit Kindermachen und Kinderbüchern befasst, um danach wieder Musik zu machen. Wenigstens den letzten Schritt hätten sie der Menschheit wirklich ersparen können.

Nena bildete mit ihren 99 Luftballons den Höhepunkt und Untergang der kollektiven deutschen Geschmacksverkalkung “Neue Deutsche Welle”, während Madonna offenbar als Reaktion auf die Wahl von Ronald Reagan auf den Markt geworfen wurde. Beide landeten ihre Hits in den frühen 80ern und beide Hits sind auch nach einem Vierteljahrhundert scheiße wie eh und je. Aber es waren internationale Erfolge, was ja schon so einiges über die Spezies Mensch an sich aussagt und so ziemlich alles erklärt, was man auf der Welt bemängeln kann. Beachtlich ist, dass Nena nicht nur konsequent den Look des ekligen Junkie- und Mittelstufen-Politiklehrer-Lieblings-Films “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” zur Schau trägt, sondern auch von der Autorin des Buches in den USA erfolgreich promoted wurde. Kleine Sünden bestraft Gott sofort und so bekamen die Amis sofort die Quittung für Madonna. Selber Schuld!

1987 war dann zum Glück erstmal Schluss, mit Nena, nicht mit Madonna. Nachdem sich Nenas Band aufgelöst hatte, startete die gute Frau die Ralf-Zuckowski-Nummer und begann, Kinderbücher und Kinderlieder zu schreiben. “Die 80er-Show” und “Die hundert nervigsten Superhits” waren noch nicht erfunden, deshalb musste Nena sich ernsthaft überlegen, wie sie sich öffentlichkeitswirksam präsentieren konnte. Sie wählte die Supermama-Nummer, machte Werbung gegen Fleckenzwerge und schrieb noch mehr Kinderlieder, die alle nicht wirklich erfolgreich waren, zum Glück.

Derweil begann Madonna, vollständig auszuflippen, wurde von MTV zur “Pop-Ikone” gehypt und in einem Atemzug mit Michael Jackson und Elvis Presley genannt. Sie drehte Filme und schockte Amerika mit ihrem Bildband “Sex”, in dem sie sich leicht bis unbekleidet dem Betrachter offenbarte, damals noch durchaus sehenswert. Erfahrung mit Aktaufnahmen hatte sie ebenfalls, hatte sie sich doch anfangs die klassische Starlet-Laufbahn eingeschlagen, das volle Brett mit Kellnern und Pornos. Der Stern veröffentlichte Bilder, doch im versexten Europa schockt das keinen mehr, da ist schon Nena mit ihrer “Ich will Kinder und Mama sein”-Mentalität schockierender.

Es kamen noch mehr nebensächliche Songs und irgendwie wollte Madonna nie so recht aufhören, stattdessen verkündete sie, der Disco-Kram müsse aufhören. Dann beschloss sie plötzlich, Kinder zu machen, war kurz weg vom Fenster und kam dann 2000 mit “American Pie” wieder. Sah auch gut dabei aus, zumindest im Video und dafür, dass sie Anfang 40 war.

Das konnte Nena freilich nicht auf sich sitzen lassen. 2002 kam der Super-GAU: Nena veröffentlichte das Album “Nena”, auf dem sich jede Menge alter Schrott in neuen Mixen befand. “Leuchtturm”, “99 Luftballons”, “Nur geträumt”, all die Horror-Hits waren wieder da. Und als wäre das nicht schlimm genug gewesen, legte auch Madonna nach, ihr Album “American Life” ist aber im Gegensatz zu Nenas Mikrowellen-Musik durchaus frisch und hörbar. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

2005, wieder zwei Alben, wieder Madonna und Nena. Nena versucht sich in der Schaffung von neuem, was aalglatt in die Hose geht. Die Single “Willst Du mit mir gehen?” ist nicht nur schweineschlecht, sondern auch saupeinlich. Solche Fragen stellen 45-jährige Mütter nicht, das ist Mädchenquatsch und der Hörer fragt sich ernsthaft, was für eine Form von Musik der Song sein soll. Dance? Chanson? Dicso? Weder tanzbar, noch besonders gut hörbar und wer das Video sieht, weiß, dass Nena bestenfalls als Brechmittel oder Verhütungsmittel taugt.

Und Madonna? Die leitet mit “Hung up” das Disco-Zeitalter erneut ein, das sie selbst in den 90ern beendet hatte. Dabei krallt sich die Queen of Pop Samples von einer Band, die zum Glück rechtzeitig aufgehört hat: Die Melodie von “Hung Up” ist eigentlich “Gimme! Gimme! Gimme!” von Abba. Das ist zwar nicht besonders frisch, hört sich aber wenigstens halbwegs an. So gesehen hat Madonna die Endausscheidung irgendwie gewonnen.

Trotzdem: Beide Ladies sollten mal langsam ans Aufhören denken, sonst enden sie wie Tina Turner oder Cher als ständig wiederkehrende Popmusik-Zombies. Der fünfzigste Geburtstag rückt unerbittlich näher, auf die Konzerte gehen schon lange nur 40-jährige, entsprechend fetzig ist die Show. Die ehemalige Jugend wird zur Stützstrumpf-Fraktion, die Kinder vom Bahnhof Zoo sind inzwischen tot und auch sonst gibt es eigentlich keinen Grund, weiter Musik zu machen.

Website von Nena
Website von Madonna

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