Musiker-Musik und Nichtmusiker-Musik

Taub, Tauber, Taube[Aktueller Song: "Every Little Bit Hurts" von The Small Faces]

Man sollte sich niemals (NIE-NIE-NIE!!!) als Nichtmusiker mit Musikern über Musik unterhalten. Das endet entweder in blanken Blößen (“Jazz? Neee…”) oder in peinlicher Unkenntnis (“Manowar sind doch auch Rock, oder?”). Musiker hören halt andere Musik als Nichtmusiker. Und achten auch auf andere Dinge als Nichtmusiker. Während sich der musikalische Laie nämlich gerne anhand anhand primitiver Bewertungskriterien wie Beat, Spaßfaktor, ausgelösten Gefühlen oder der nackten Haut im zugehörigen Video für eine Musikrichtung oder Band entscheidet und entsprechend laienhaft bei Britney Spears, Pennywise oder den Beatles landet, bevorzugt der Musiker möglichst befremdliche Klangkonstrukte wie etwa Free Jazz.

Dabei scheint es einen direkten Zusammenhang zwischen der Bekanntheit des Musikers und der Verrücktheit der Musik zu geben: Gerade die wenig bekannten Musiker, die sich für Künstler halten, ab und zu auf einer Kunstausstellung ihren “Mix aus 12-Ton, New Metal und Porn-Groove” auf der Ukulele spielen und genau deshalb auch nie einen Plattenvertrag bekommen werden, neigen zu besonders seltsamen Anwandlungen, Björk ist da noch die bekannteste und damit unschlimmste und von den Beatles, also wenn überhaupt, sowieso nur das White-Album und davon auch nur “Revolution #9!

Niemals sollte man in einem solchen Gespräch mit einem Musiker erwähnen, welche Musik man mag. Es wird immer als “mieser Mainstream-Mist”, “primitives Gebumse” oder “Chartpop-Billigproduktion” abgetan. Zudem ein Musiker wirklich zu jeder Band der Welt immer etwas zu sagen hat, das macht den Musiker aus. Seine Weisheit ist absolut und sein Wissen über die Musik unendlich, da er mangels Aufträgen immer viel Zeit hatte, Musik zu hören, statt an der eigenen Mainstream-Tauglichkeit und damit am Erfolg zu arbeiten. Nein, er macht sowas nicht, er ist Künstler und bleibt sich selber treu!

Danach zückt der Musiker eine Platte seiner Band, selbstgebrannt, “unser Studio-Album” und möchte, dass man sich das anhört, natürlich auf der analogen Stereoanlage mit Röhrenverstärker, denn der Musiker ist ja audiophil, weil sich das so gehört. Will man aber nicht. Muss man aber trotzdem und es ist sehr, sehr scheiße, weil eben 12-Ton-NewMetal-Porn oder wie auch immer sich die Musikrichtung schimpft, wenn man sie auf der Ukulele spielt, am besten noch im Tütü, so als künstlerischer Hinweis darauf, dass auch jeder Mann gerne mal ein Tütü trüge.

Wenn die Ohren aufgehört haben zu bluten und man sich den schleimigen Pfropfen aus halbgetrocknetem Lebenssaft aus den Gehörgängen gezogen hat, sollte man schleunigst die Flucht ergreifen, sonst gibt es noch einen drauf, denn der Musiker wird es sich nicht nehmen lassen, eine Live-Kostprobe zu geben. Dazu schließt er die – natürlich – E-Ukulele an einen 4000-Megawatt-Verstärker an, denn das muss man als echter Musiker haben, auch in einer 15-Quadratmeter-Wohnung, die er als Ukulelenkünstler in der Regel so hat, denn er hat ja, wir erinnern uns, keine Aufträge, weil er sich selber treu bleibt.

Die Stadt flackert, irgendwo in der Ferne explodiert ein Atomkraftwerk und das sind auch die einzigen Dinge, die man als Opfer des Musikers noch mitbekommt, denn beim ersten Riff wurden die Trommelfelle im Schädelinneren zusammen- und dadurch wichtige Teile des Hirns aus den Augen rausgedrückt und der Klang der E-Ukulele hat sich für immer ins Gedächtnis geprägt. An Flucht ist freilich nicht mehr zu denken, stattdessen sollte man das Rauschen und Piepen der abgerissenen Gehörnerven genießen, während der Musiker tonlos performt. Danach sollte man sich freundlich verabschieden und dabei nicht zu sehr lallen, sonst bemerkt er vielleicht die frische Taubheit, noch ein höfliches Dankeschön und nichts wie weg!

Verwandte Einträge:

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

No Comments on "Musiker-Musik und Nichtmusiker-Musik"

Hi Stranger, leave a comment:

ALLOWED XHTML TAGS:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 

Subscribe to Comments

Additional comments powered by BackType

Creative Commons Attribution-NoDerivs 3.0 Deutschland
This work by xTown.net is licensed under a Creative Commons Attribution-NoDerivs 3.0 Deutschland.