Phoenix!

Du, lieber Fernsehsender Phoenix, hast ja zurzeit offensichtlich Indien-Woche. Und präsentierst mir jeden Abend eine neue Doku mit der immer gleichen Aussage: “In Indien gibt es arme Menschen.” Du wirst dabei nicht müde, die immer größere und inzwischen nach eigener Aussage inzwischen 300 Millionen Menschen breite Mittelschicht Indiens samt wachsender Oberschicht als kapitalistische, feiersüchtige Schweine mit dicken Autos darzustellen, während die Menschen auf dem Dorf verhungern. Weißt Du was, Phoenix? Das ist richtig…

…aber leider vergisst Du dabei, dass vor nicht einmal 30 Jahren noch fast alle Inder hungern mussten, insofern sind 300 Millionen in eine vorher nicht existente Mittelschicht aufgestiegene Menschen doch ein beachtlicher Erfolg, der in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht, oder? Lass noch einmal 20 Jahre ins Land ziehen und Du kannst hierzulande indische Kamera-Teams beobachten, wie sie mit erhobenem Zeigefinger Bilder der armen, ungerechten europäischen Gesellschaften für ein sattes indisches Mittelschicht-Milliardenpublikum einfangen. Versprochen.

Aber so weit denken Deine Autoren ja nicht, Phoenix, stattdessen wittern sie Revolution ob der Herrschaftsverhältnisse und berichten geifernd über das böse indische Militär, das die lieben paar tausend Maoisten irgendwo in den Wäldern im Nordosten unterdrückt, die doch nur ein bisschen Gerechtigkeit für die armen Bauern wollen und dabei die armen Bauern ausrauben und terrorisieren, was Du aber natürlich unter den Tisch fallen lässt. Stattdessen zeigst Du lieber einen lamettabehangenen General, der Soldaten für den Kampf gegen eben jene Maoisten ausbildet, das sind Bilder, die militant wirken und irgendwie böse, unterdrückerisch, nicht wahr?

Und um dem ganzen gefärbten Irrsinn noch die Krone aufzusetzen, lässt Du es Dir auch nicht nehmen, einen der Kernkonflikte der indischen Gesellschaft zu analysieren, nämlich den zwischen Muslimen und Hindus. Und verdrehst dabei völlig die Tatsachen, zeigst Uniformierte der hindu-nationalistischen Rashtriya Swayamsevak Sangh und stellst diese als muslimjagende SA-Kader dar, obwohl dieser Vergleich hinkt wie ein Bettler mit Kinderlähmung.

Dann erklärst Du die Hindus noch zum menschenjagenden Mob, obwohl die doch eigentlich nur konsequent auf die täglichen Anschläge islamistischer Terroristen und Separatisten auf Züge und öffentliche Einrichtungen reagieren, nämlich mit Pogromen. Sicher keine schöne Art, den (muslimischen) Störenfrieden zu zeigen, wo der Hammer hängt, aber so ist das eben im Öffentlich-Rechtlichen: Man muss immer zu den tendenziell unterdrückten Minderheiten halten, auch wenn die permanent Mist bauen. Wer da jetzt angefangen hat, ist irrelevant, denn im Zweifelsfall war es ja doch die Übermacht. Dabei leben die Muslime in Indien gleichberechtigt und sicher wie sonst in wenigen Heimatländern des Islams, aber das lässt Du natürlich auch unter den Tisch fallen.

Naserümpfend sprichst Du stattdessen davon, dass die Rashtriya Swayamsevak Sangh einen “hinduistischen Gottesstaat” wollen und suggerierst dem Zuschauer damit, dass Indien, wenn man diese Leute nur ließe, mindestens so schlimm wie der Iran, nein: Nazideutschland werden würde. Was aber nunmal gar nicht stimmt, da der Hinduismus mit seinem übertoleranten Pantheon faktisch einfach keinen Gottesstaat im monotheistischen Sinne zulässt. Aber solche Unterschlagungen, nunja, die kennt man ja vom Staatsfunk.

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