Schon auf den Schrott? Ach was, Stoßdämpfer wechseln, Plattfuß wegmachen, die Frontpartie gerade ziehen und die Sitze aufpolstern, mit ein bisschen Lack sieht die Kiste wieder wie neu aus.
Was normalerweise nur bei schrottreifen Autos gemacht wird und ein Heidengeld kostet, ist jetzt auch bei schrottreifen Ehefrauen möglich.
“Spitze” denkt da manch ein Ehemann bei näherer Betrachtung des rostigen, verbeulten Wracks neben sich auf der Couch. “Wenn das nur nicht so teuer wäre…”
Gut, dass es die Menschenfreunde von Pro7 gibt, die die Restaurierung übernehmen. Einzige Voraussetzung: Die Frau muss ihre Seele dem Teufel, Verzeihung: Dem Fernsehsender verkaufen.
Schwäne, gestutzt
“The Swan – Endlich schön” nennt sich das von Pro7 in den USA eingekaufte Showformat, bei dem sich 16 nicht mehr so junge, dafür aber um so unattraktivere Damen die Fresse geradeziehen und die Reiterhosen hinfort operieren lassen dürfen. Das Showkonzept allerdings ist geklaut: Wer kennt nicht MTVs “Pimp my Ride”, wo irgendwelche unterprivilegierten Idioten ihre schrottreifen Karren tunen lassen?
Und Pro7 hat sich wirklich nur erstklassige Ware besorgt: Da hängen Brüste bis zu den Knien, Zähne stehen in alle Richtungen und fiese Falten verunzieren schlabbrige Extremitäten.
Moderiert wird der ganze Spaß von der unglaublich kompetenten Verona Poth, die schon früher unter dem Namen Verona Feldbusch durch die Fernsehlandschaft marodierte und den Zuschauer mit ihrer Karrieregeilheit tyrannisierte.
Das Verona-Syndrom
Nun “betreut” sie die schwabbeligen Schönheits-Anwärterinnen. Und was gibt es schöneres, als nach einer Gesichts-Operation von Verona Poth, ihrer vermutlich schwerst koffeinabhängigen Regisseurin und einem Kamerateam geweckt zu werden?
Stimmt, größeres Glück gibt es nur in Darfur. Das deutsche Fernsehen weiß eben, wie es Menschen glücklich machen kann.
Nach der OP sehen die Mädels aus, als wären sie von einer Horde Nazi-Skinheads mit einem Punk verwechselt worden. Und das alles für die Schönheit.
Der Zuschauer hofft bei diesen Bildern ganz plötzlich auf schwerste Komplikationen, damit sich solch ein desaströses Fernsehereignis nicht wiederholt oder gar von den Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender auf GEZ aufgegriffen wird.
Mal den Hammer benutzen?
Der aufgeklärte Bürger fragt sich außerdem, wann der Doku-Charakter sich mit der 100.000-Mark-Show vermischt und ob Macher den Chefchirurgen anweisen, vielleicht mal ‚Äòne kleine Zange hinter dem Auge oder zwei, drei Klammern unter der Bauchdecke zu vergessen. Vielleicht hier mal ein falscher Schnitt und eine krummes Nasenbein?
Sie wissen, wir müssen die Zuschauer bei Laune halten, die steigen aus, wenn nichts besonderes passiert – danach reden wir nochmal über das Honorar, OK?
Nicht nur notorischen Dauerkiffern mit drogenbedingter Paranoia wird bei diesem Gedanken irgendwie ganz anders, aber zuzutrauen wäre es den Fernseh-Leuten.
Das Schönste an “The Swan” sind allerdings nicht die OP-Szenen oder die Möpse der Moderatorin, auch nicht die flennenden Frauen, die sich mitten im Verpuppungsprozess auf einmal darüber klar werden, dass bei einer OP ja auch so einiges schief gehen könnte, oh nein.
Geheuchelt und gestellt
Das schönste an “The Swan” ist das geheuchelte Mitgefühl und die Message: “Jeder kann schön sein, er muss nur das nötige Kleingeld oder den nötigen Exhibitionismus aufbringen.”
Nebenbei wird dem kinderlosen Land noch gezeigt, was eine Schwangerschaft für schlimme Auswirkungen auf den Körper hat. Besser so, damit noch weniger Kinder geboren werden, denn, aufgepasst: Igitt, Kinder machen hässlich.
Haben Frauen eigentlich keine anderen Probleme?
Psychatrie statt plastischer Chirurgie
Nein, offensichtlich nicht. Das wahre Problem sitzt nämlich nicht in den Reiterhosen, Höckernasen und Schlabberbrüsten. Das wahre Problem sitzt im Kopf.
Besonders deutlich wird es an der jüngsten Kandidatin, die mit ihren 25 Lenzen bisher weder auf eine Geburt, noch auf sonderliche körperliche Probleme zurückschauen muss.
Sie ist hübsch.
Oder war es, schließlich handelt es sich beim Swan um eine Aufzeichnung. Wer anderes schluckt, glaubt auch, dass die Kanguruh-Hoden im Dschungelcamp echt waren.
Jedenfalls steht die 25-jährige für das pubertäre Ansinnen vieler Mädels, die kleinen und sympathischen Mängel ausmerzen zu lassen. Da steht ein Zahn nicht richtig und diese verdammte Nase hat einen kleinen Höcker. Oh Gott. Nichts wie weg damit. Und wenn das fertig ist, will sie Hollywood-Star werden, statt weiter dämlich in der Muckibude Energie-Cocktails zu servieren.
Das wahre Ansinnen
Und schon ist klar, wo das wahre Ansinnen der Kandidatinnen liegt: Unzufriedenheit. Mit der Lebenssituation, mit dem Ego. Reflektiert auf die kleinen körperlichen Mängel. Natürlich erst, seitdem das Privatfernsehen jedem Mitmenschen das Gefühl vermittelt, man müsste grundsätzlich so aussehen wie Paris Hilton oder George Clooney, um überhaupt was zu werden, und wenn auch nur Schlampe, Busfahrer oder Chefarzt.
Vielen Dank, Pro7, dass Du dieses Showkonzept nach Deutschland gebracht hast. Jeder Mann, dessen Frau oder Freundin schon einmal abfällig über ihren Körper gesprochen hat, wird Dir dankbar sein, dass er jetzt sein Auto verkaufen und seinen Hund weggeben darf, um seiner Alten die Nase gerade biegen lassen zu können und endlich Ruhe zu haben.
10 Jahre später
Leider gibt es keine TV-Aufbereitung der Nachsorge. Vielleicht in 10 Jahren einfach mal eine Sendung: “Was wurde eigentlich aus den Kandidatinnen von “The Swan”?
Wäre sicher lustig, die arbeitslosen und kaputtoperierten Schlauchboot-Fressen mit gescheiterter Beziehung und Alkohol-Problemen nochmal wiederzusehen, wie sie weiterhin behaupten, sie wollten endlich wieder schön sein.
Auch wenn die deutschen Hackfressen nicht annähernd so abartig hässlich sind wie die des amerikanischen Mutter-Formats: Willkommen im Schlachthof!

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