[Aktueller Song: "Vague Love Song" von The Forces Of Evil]
Donnerstag, 20.15 Uhr: Chips und Cola liegen bereit, das Sofa ist vorgewärmt. Jetzt kann es losgehen. Den Fernseher einschalten und zwar den Yuppie-Unterhaltungssender Pro7. Dort läuft jeden Donnerstag um 20.15 Uhr die Pro7 Eigenproduktion. Meist als “Deutschlandpremiere” angeteasert, handelt es sich dabei in der Regel um unbedeutende Komödien um Liebe, Sex und Impotenz.
Seit Jahren schaue ich mir diese Filme mit Freude an. Fast immer geht es darin um Münchener Mitdreissiger, die aus irgendwelchen Gründen Schwierigkeiten haben, eine Freundin oder einen Freund zu finden. Da ist dann die vercheckte junge Dame mit Renault 4 oder einem 2CV – denn vercheckte Frauen müssen genau solche Autos fahren, das verlangt das Klischee – die von ihrem Traumtypen ignoriert wird.
Oder, sehr häufig, der junge Mann, der aus irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Gründen impotent ist. Und wie das bei impotenten Typen so ist, springen sie von einem Bett samt peinlicher Situation ins andere, um am Ende dann doch Liebe machen zu können, wieso weiß dann aber eigentlich niemand.
Die Protagonisten heißen Ulf, Karl oder Laura, Namen also, die im wahren Leben eigentlich niemand trägt. Gespielt werden sie immer von Marco Girnth oder Jan Sosniok oder anderen zweitklassigen Ex-Model-Soap-Stars.
Und obwohl sich bei den Protagonisten eigentlich immer um Praktikanten, Studenten, Sekretärinnen oder Menschen mit ähnlich prekären Lebensverhältnissen handelt, bewohnen sie riesige Wohnungen in Münchens Innenstadt.
Das Schöne an den Pro7-Komödien am Donnerstagabend ist, dass sie verhältnismässig gut produziert sind, während das Drehbuch grundsätzlich absoluter Müll ist. Die Witze sind vorhersehbar, als hätte man den Film bereits dreimal gesehen. Die Dialoge sind völlig nebensächlich. Jedes Klischee wird doppelt und dreifach ausgewalzt. Und der Plot ist sowas von nicht aus dem Leben, dass man sich als Zuschauer fragt, in welcher Kokslaune der Autor diese Ideen hatte. Das ganze wird ähnlich lästig wie bei den Casting- und Einrichtungs-Shows mit stimmungsvoller Popmusik unterlegt. Ein Gaststar aus dem umfangreichen Pro7-Comedian-Repertoire darf meist ebenfalls auftreten.
Dennoch: Egal, wie schwachsinnig der Plot ist, egal, wie peinlich sich der Protagonist den ganzen Film über verhält und egal, wie drittklassig fremdschamerfüllt die Situationen und Witze sind: Am Ende gibt es immer ein Happy End. Und zwar eines, das so kitschig ist, dass ich, den Mund von Chips und Cola verkrustet, regelmässig eine Träne in den Augen habe.
Ja, die Pro7-Eigenproduktionen appellieren ans Herz und an die weibliche Seite in jedem von uns. Und sie erfrischen und entspannen, obwohl sie eigentlich als Zwischenstation zwischen dem Daily-Soap-Konsum von Jungmädchen und dem Lesen von Cora-Romanen älterer Damen gedacht sind. Schließlich sind diese Komödien derart simpel, dass man sein Hirn vollständig ausschalten kann. Und das hat durchaus gute Seiten.
Wer das nicht hinbekommt, kann sich freilich auch vortrefflich 1,5 Stunden über die vollkommen konstruierte Story aufregen.
Ja, ich bin ein Pro7-Donnerstagabend-Eigenproduktionskomödien-Fan. Vielleicht sollte ich einen Arzt konsultieren.

09/12/2008 at 13:02 Permalink
“Ja, ich bin ein Pro7-Donnerstagabend-Eigenproduktionskomödien-Fan. Vielleicht sollte ich einen Arzt konsultieren.”
Nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher!!! Als nächstes erzählst du uns vielleicht davon, dass du dir Big Brother gern ansiehst
Ich glaub ja, dass man Dauerschäden davontragen kann, wenn man sich solche Produktionen öfters ansieht. Da ist Impotenz dann wohl noch das kleinere Übel…