RTL, “Papa gesucht”: Die grauenhafte Abbasong-Alliterations-Abartigkeit

Papa gesucht: Nur echt mit Proll im Negligé
Papa gesucht: Nur echt mit Proll im Negligé
[Aktueller Song: “Stop Me If You’ve Heard This One Before” von The Smiths]

Nein, das geht absolut überhaupt nicht: Was bei “Bauer sucht Frau” wenigstens noch ein bisschen amüsant war, wird im Format “Papa gesucht”, gesendet wo sonst als auf RTL, moderiert von wem sonst als Ex-DDR-Schlagersternchen Inka Bause, ins Groteske geführt. Die Show, in der mittelalte Mütter Männer und Vollzeitvatervolk für ihre künftige Supernanny-Kundschaft suchen, ist im Grunde eine exakte Kopie der Bauer-sucht-Frau-Geschichte, das heißt: Viele absolut ausgeleierte Abba-Songs, viele superemotional süße Slow-Motion-Szenen, wenn es mal wieder gefühlvoll wird. Und vor allem ganz, ganz viele anstrengend ärmliche Alliteration und witzige Wortspiele bis zum Abwinken. Grauenhaft.

RTL-Redakteure, Verzeihung: Die kreativen Koksnasen aus Köln, das merkt man in jeder Einstellung der Sendung, sind stolz auf all das, was sie da an superbreit-spaßigem Sprachwitz in das Inka-Bause-Format einbauen. Da steht schon auf RTL.de ganz selbstbewusst etwas von Claudia, der “romantischen Rheinländerin”, Carmen, der “treuen Thüringerin” und Sabine, der “humorvollen Hobbytänzerin” und wer ohne Vorwarnung an einem sonnigen Sonntagabend die Subversivverdummung RTL einschaltet, wird sofort von einem wundervoll würzigen Würgereiz ob der weltbewegenden Wulstigkeit wirrer Witzkopf-Wixerei überwältigt.

Natürlich werden die langweiligen Leitmotive prekärer Proleten im Rahmen der Sendung komplett überbeansprucht, immer unterlegt mit althergebrachtem anschmiegsamen Abbaschmalz. Die kreativen Koksnasen haben ganze Arbeit geleistet und filmen jedes Epizentrum bundesdeutsch-proletarischer Peinlichkeiten, jede einfach elende Einfamilienhölle, erstmal mit dem Kamera-Kran, der dollen Dolly. Dazu sagt die Instant-Intellektuelle Inka Bause immer “Zurück in”, gefolgt von einem Sonstwo im Nirgendwo und einer erschreckend einfallslosen Einwegalliteration. Zum Knochenkotzen!

Und erst die Männer: Bauchbinden brüllen Blödsinn, sobald die krass kahlköpfigen Kerle mal allein ins Bild kommen. Bauchbinden, das sind – für alle, die es nicht wissen – diese erklärenden kleinen Texteinblendungen im Bild, in denen der Name, der akademische Grad oder einfach nur eine ziemlich zotige Zusammenfassung der letzten drei Folgen “Papa gesucht” drinstehen. Etwa: “Horst, 42, ist eifersüchtig auf Johannes” oder “Michael, 39, mag kleine Mädchen.” Na, was sind wir alle wieder unglaublich unterirdisch unlustig.

Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint und die menschenverachtenden Macher von “Papa gesucht” wissen, wie sie es gut meinen, nämlich indem sie möchtegernprominente Minderbemittelte mönströs manipulieren und martern. Das Niveau der hinterhältigen Hirnamputiertenhäme wird von den koksenden kölner Kreativköppen soweit unter die Grasnarbe gesenkt, dass es irgendwo auf der anderen Seite des ewig ertragenden Erdenrunds zwar kopfüber, aber immerhin schön schwebend, über dem offenen Ozean erscheinen dürfte. Nur dass das die Humorsimulation da niemanden interessiert, außer vielleicht ein paar superversoffene Seebären.

Und dann ist sie da wieder, wie schon bei “Bauer sucht Frau”, die aufdringliche Zeitlupe, immer wenn die schnuckelige Schwäbin oder die hüftspeckige Hobbytänzerin irgendeinen der vorgeführten Versager umarmen oder gar Küssen. Dazu “Waterloo” von Abba und schon sollte man als Zuschauer das einzig Richtige machen: Praktische Papa-Partnersuche passé sein lassen und die große Glotzkiste beherzt durchs Fenster werfen!

8 comments

  1. wazi

    Was soll man da drauf auch noch sagen?
    Es wurde alles gesagt.

    Was mir nur etwas Angst macht. Warum guckst du dir so einen Schwachsinn überhaupt an?

  2. wazi

    Darum beneide ich dich auch kein Stück :-)
    Danke, dass du uns vor so grausamen Sachen schützt und dich so ehrenvoll aufopferst!

  3. wolf

    also ich glaube ja, du hattest eine menge spaß beim verfassen dieses artikels. du sprichst mir aus der seele, aber zum glück habe ich ja keine fernseher mehr…wofür auch

Dein Senf dazu...