Spiegel Online und der fliegende DeLorean

zuruck_in_die_zukunft[Aktueller Song: "All Cried Out (Duet With 112)" von Allure]

Das war mal eine News, die es in sich hatte: Vor einigen Tagen berichtete Spiegel Online über die Teilnahme eines fliegenden DeLorean in der Sonderklasse des Rennens um den Automotive X-Prize. Der X-Prize ist mit mehreren Millionen Dollar dotiert, teilnehmen dürfen nur besonders energiesparende Autos. Der Kniff dabei ist, dass die Wagen nicht nur Sprit sparen sollen, sondern obendrein verkaufstauglich sein müssen, also vier Personen samt Gepäck Platz bieten müssen. Doch das ist Nebensache, wichtig war der fliegende DeLorean einer mysteriösen Firma namens Airship Technology Group. Das Auto sollte, so Spiegel Online, auf einer Art Magnetfeld schweben und dadurch besonders schnell und kostengünstig sein.

Das ist nun ein paar Tage her und da ich ein paar Euro übrig hatte und die Idee von fliegenden/schwebenden Autos für jedermann nach wie vor einfach grandios finde, wollte ich mir Aktien von dem Unternehmen kaufen. Ein wenig Spielgeld, das vielleicht verloren gehen, sich bei Erfolg jedoch vervielfachen würde. Und das Konzept, das im Spiegel-Online-Artikel beschrieben wurde, klang zwar physikalisch völlig unmöglich, aber vielversprechend. Und es wäre doch wirklich grandios, wie in vielen Sci-Fi-Filmen der 80er in Autos ohne Räder über die Straßen zu gleiten oder gar wie Doc Emmet Brown und Marty McFly in “Zurück in die Zukunft II” sogar auf dem “Skyway” herumzufliegen. Oder, um Forrest Gump zu zitieren: “Investiert habe ich in irgendwas mit Äpfeln.”

Ein Blick auf die Website des Herstellers allerdings zeigte, dass hier nichts fliegt. Stattdessen rollt der mysteriöse DeLorean auf riesigen Kugeln, die ihrerseits via Luftkissen und Magnetfeld angetrieben und gebremst werden. Ein ähnliches Konzept hatte der futuristische Audi im Film “i, robot”, der zum Zeitpunkt des Drehs bereits als Prototyp existierte.

Wenn man als Redakteur allerdings nicht der englischen Sprache mächtig ist und nur die Bilder anschaut, die auf der Website der Airship Technology Group veröffentlicht sind, kann man mit ein wenig Fantasie durchaus auf die Idee kommen, dass es sich tatsächlich um ein schwebendes Auto handelt, dessen Rad-Bälle eine Art neuartiger Antrieb sind. Glücklicherweise intervenierte irgendwer ob dieser Falschinformation, der Spiegel-Artikel wurde geändert und meine Aktieninvestition haben sich damit auch erledigt. Aus geklauter Technik wurde durch einen Lesefehler eine gigantische Innovation – gerade bei Leitmedien wie Spiegel Online ein überaus peinlicher Fauxpas.

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3 Comments on "Spiegel Online und der fliegende DeLorean"

  1. wazi
    22/12/2008 at 13:40 Permalink

    Ist eigentlich ein “fliegendes” Auto nicht auch schon so ein Hoovercraft? Die schweben ja auch auf so einem Luftkissen.
    Warum wird so etwas nicht einfach in neuartigen Fahrzeugen eingesetzt?
    Dürfte ja auch sehr energiesparend sein, da keine Reibung entsteht, oder?

  2. CRen
    22/12/2008 at 13:47 Permalink

    Sagen wir’s so: Hovercrafts sind fliegende Autos, aber sie sind nicht im Geringsten Energiesparend, weil sie gigantische Gebläse brauchen. Eine magnetische Lösung wäre da sicher effizienter, aber es gibt eben keine Magnetkissen, außer zwischen gleichgepolten Magneten.

    Hab’ mir auch schon das Hirn zermartert, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, Autos fliegen zu lassen. Aber es gibt nach meinen lausigen physikalischen Kenntnissen nichts, was auch nur ansatzweise alltagstauglich für diesen Zweck geeignet wäre. Und Antischwerkraft gibt’s eben auch (noch?) nicht.

    Alles andere wäre Gebläse (anfällig, laut und energiefressend), Flügel oder eben Magnete, die wiederum spezielle (teure) Fahrbahnen brauchen.

    Ich glaub, die Herausforderung ist ja nicht, ein Auto in die Luft zu kriegen, sondern dazu eine ungefährliche, preiswerte und alltagstaugliche Lösung zu finden :)

  3. wazi
    22/12/2008 at 13:55 Permalink

    Ich versteh ja überhaupt nicht, warum man Autos überhaupt in die Luft bekommen will.
    Die sollen mal schön brav auf dem Boden bleiben. Die Mehrheit der Leute tun sich ja schon auf der Straße schwer genug keinen Unfall zu haben.
    Wenn solche jetzt auch noch in der Luft ihr Unwesen treiben, dann kann man sich gar nicht mehr raus trauen.

    Und wenn ich dann mit meinem Motorrad gemütlich in der Stadt rumfahr und mir fällt auf einmal so ein fliegendes Ungetüm auf den Kopf, das würde mir auch nicht so ganz gefallen ;-)

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