Es ist ja so, dass man an der Uni komische Menschen trifft. Richtig komische Menschen, und gemeint sind nicht die, mit denen man lacht, sondern die, deren unfreiwillige Komik einen irgendwie zum Lachen bringt. Namen werden an dieser Stelle nicht genannt, doch wenn ich mich an die harte Zeit des Studiums erinnere, fallen mir gleich mehrere Typen ein, die es einfach verdient haben, hier mal genannt zu werden. Wer mit mir studiert hat, weiß eh, wer gemeint ist.
Der Apple-Hasser
Da gibt es tatsächlich Menschen, die den Sozialneid kultivieren. Während sich zahlreiche Menschen aus meinem Semester nach Apples erster Preisoffensive Anfang 2003 mit iBooks ausgestattet haben, kam dieser Kerl, selber iPod-Besitzer, auf die glorreiche Idee, sein verranztes, veraltetes und schrottreifes Notebook mit Edding zu beschreiben. Fortan prangten in fetter Pseudo-Grafitti-Schrift die Worte “Das ist kein Apple” auf dem Deckel des Rechners. Der Typ malte nebenher übrigens Grafitti auf seine Arbeitsblätter und hatte das gesamte Studium hindurch die wohl schlechtsitzendste Frisur der Uni. Gratulation für latentes lächerlichsein!
Der Zeichenkünstler
Groß, blond, mit einem Gesicht, als wäre er erst mit 14 von der Mutterbrust entwöhnt worden, hatte der Comic-Zeichner nie wirklich Erfolg bei den Mädels. Dafür malte er Comics, knabenhafte Gestalten im amerikanischen Stil auf Karo-Papier. Darüber hat er gerne mal vergessen, wo er war und brabbelte hin und wieder Dinge wie “Pow” und “Paff” vor sich hin. Wird vermutlich noch mit 50 bei Mama wohnen.
Die Kifferin
Immer irgendwie anders, gewinnt die Kifferin nur in einer Kategorie: Fieseste Frau des Studiengangs. Nach einer begonnen Karriere als Stripperin wandte sich die Kifferin dem Canabis zu und hatte kein Probleme, auch mal in einer Mathe-Vorlesung in der letzten Reihe Joints zu drehen. Die Kifferin ist sozialutopisch veranlagt und zählt trotz ihres ausschweifenden Betäubungsmittel-Konsums noch zu den besten Gesprächspartnern im Semester. Diskussionen über das deutsche Schulsystem und soziale Marktwirtschaft wurden jedoch schnell mit den Worten “Du hast eh keine Ahnung” abgebrochen. Die Kifferin strickte in Vorlesungen oder las seltsame Bücher und engagiert sich inzwischen bei der Grünen Jugend für für Jugend- und Drogenpolitik. Passt, macht die Grünen aber endgültig unwählbar.
Der Streber
Der Streber hatte vor dem Studium eine Ausbildung abgelegt und war der Liebling aller Professoren. Engagiert verbrachte auch gern Stunden unentgeltlich bei Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, um über Kameratechnik zu sinnieren. In Vorlesungen und Seminaren stellte der Streber immer Fragen, die er selbst beantworten konnte oder korrigierte den Professor, nur um allen auf den Sack zu gehen. In seinem Fach sicherlich eine Koryphäe, ist der Streber im Leben eher aufgeschmissen. Er hört sich selbst halt einfach zu gerne reden.
Das Medien-Mädchen
Immer am Ball, immer alles wissend, war das Medien-Mädchen der Liebling aller. Das Studium summa cum laude im zarten Alter von 22 abgeschlossen, hatte das Medien-Mädchen trotzdem immer Zeit, sich mit aktuellen Trends der Popkultur zu befassen. Egal, welcher Film, das Medienmädchen hatte ihn gesehen. Egal, welches Buch, das Medien-Mädchen hatte es gelesen. Egal, welcher Typ was von ihr wollte, er musste abblitzen, weil sie noch in ihren Arschloch-Ex verliebt war. Engagiert wie sie war, wollte sie “noch einen Doktor machen”, wie sie sich ausdrückte. Das ging klassisch in die Hose und bei Viva hat man sie dann auch gefeuert.
Der Sitzenbleiber
Wenn’s mal wieder länger dauert. Der Sitzenbleiber hat schon für die Schule ein bisschen mehr Zeit als die anderen gebraucht und auch im Studium hat es gedauert. Immer ein Snickers und eine Kippe parat, hat der Sitzenbleiber für sein Versagen auf breiter Linie immer eine Entschuldigung: Das Uni-System ist böse und ungerecht. Dabei schielt er boshaft auf die, die schneller sind und prophezeit, meist erfolgreich, ihr Zivilversagen im Post-Universitätsleben. Das oberste Dogma des Sitzenbleibers ist die Lebenserfahrung, deshalb arbeitet er auch nebenher studiennah, aber nur des Geldes wegen. Egal, was kommt, am Ende kriegt er immer irgendwie die Kurve, weil er im rechten Moment die Notbremse zieht und das Lotterleben für einige durchgelernte Nächte auf Seite schiebt.
Das Arbeiter-Kind
Das Arbeiter-Kind kommt aus einfachen Verhältnissen und hat nach der Realschule erstmal eine Lehre gemacht. Es geht über-engagiert ins Studium, weiß, was in der Welt und im Arbeitsleben so geht und kennt immer die besten Clubs der Stadt und gibt die besten Partys. Dummerweise ist das Arbeiter-Kind intellektuell etwas benachteiligt und muss dieses Manko durch offensives und ostentatives Lernen ausmerzen.
Das bedeutet, das das Arbeiterkind sich zum Lernen nicht zurückzieht, sondern in Gruppen trifft, die bei offener Tür einen Raum in der Uni oder einen Tisch in der Bibliothek in Beschlag zu nehmen und dort lautstark über die schwierigen Rätsel der Wissenschaft zu debattieren und auch zu lernen. Nach dem Studium wird mit der Dauerfreundin ein Kind gemacht, das hernach beste Metro-Schwuppen-Erziehung genießt.
Der stille Zeitgenosse
Der stille Zeitgenosse war immer da. Wenn er nicht da war, war er eben weg. Gestört hat das niemand. Am Ende macht er ein durchschnittliches Diplom, macht einen durchschnittlichen Job mit durchschnittlicher Bezahlung und heiratet eine durchschnittliche Frau, die er durchschnittlich liebt. Wenn er stirbt, wird sein Grab nach Ablauf der ersten Pachtfrist weitervermietet und seine Knochen daneben gelegt. Stört aber niemand, denn bis dahin haben ihn sowieso alle vergessen.
Der Wortführer
Der Wortführer ist eine Schülersprecher-Natur. Alle mögen ihn, aber Freunde hat er keine. Der Wortführer beweist grandiose Qualitäten im Widerstand und organisiert persönlich motivierte Kennenlern-Abende für Erstsemester, um dort die Mädels abzugreifen. Wenn es in Uni-Jahrgängen eine SV gäbe, er mischte garantiert mit. Stattdessen macht er sich in der Asta einen Namen. Von dort aus zieht er die Fäden, organisiert den Widerstand gegen ungerechte Noten und schlechte Professoren. Seine größte Erfüllung ist es, an der Auswahl neuer Professoren beteiligt zu sein, die er nach politischen Kriterien bewertet. Nach dem Studium geht er in die Politik und kämpft gegen ungerechgte Ausländer-Politik.
Die Tussi
Die Tussi verbringt mehr Zeit mit der Pflege ihrer Fingernägel als an der Uni. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, an der Uni hat sie ohnehin nicht viel verloren. Sie sucht sich schnellstmöglich einen einflussreichen Professor als Gönner und bietet ihm ihren Körper für gute Noten an. So hat sie auch die Schule geschafft, obwohl sie es intellektuell in der Regel kaum mit Blumenkohl aufnehmen kann. Muss sie lernen, erzählt sie allen, wie sie wieder 32 Stunden für Aufgaben gebraucht hat, die andere problemlos in wenigen Minuten erledigen. Das macht einen motivierten Eindruck, obwohl sie ihre Zeit ohnehin im Sonnenstudio verbracht hat, ohne Bücher, versteht sich, weil sie nicht weiß, wie man die bedient. Die Tussi spekuliert darauf, dass Männer eben nur Männer sind. Ihre Rechnung geht meist auf, das Diplom ist durchschnittlich, dann angelt sie sich einen reichen Mann und lebt von dem Allimenten nach der Scheidung.
Alle erlebt, alle geliebt oder gehasst.

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