[Aktueller Song: "Don't Fear The Reaper" von Blue Öyster Cult]
Der Unterschied zwischen Studenten und Menschen, die diese Lebensphase hinter sich haben, lässt sich ganz einfach am Taxifahrverhalten ausmachen: Studenten meiden Taxis wie der Teufel das Weihwasser. Das liegt einerseits daran, dass Studenten heutzutage für Taxis ebensowenig Geld zu haben glauben wie für Studiengebühren, es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, teuren Elektrokram (Jungs) oder sauteure Schuhe (Mädels) am Leib zu tragen.
Studenten setzen die Prioritäten eben anders.
Gleichzeitig haben Studenten ja auch viel Zeit und können morgens ausschlafen, weshalb sie auch bei sibirischem Tauwetterschneeregenkalt gerne mal zehn Kilometer zu Fuß nach Hause laufen oder vier Stunden in eben diesem Wetter auf die erste Bahn warten, um das Taxi zu sparen. Dagegen ist es Leuten mit einer anständigen Tätigkeit wichtiger, Gesundheit und Lebenszeit zu sparen und nach dem Vollrausch möglichst komplikationsfrei im Bett zu landen.
Möchte man dennoch Studenten in ein Taxi zwingen, klappt das nur, wenn dieses Taxi voll besetzt ist, dann kann man sich die Fahrtkosten nämlich teilen, was in der Regel dann billiger als jede Zug- oder Busfahrt ist. Zumindest für den Werktätigen, denn Studenten haben ja immer diese Studitickets, die allein mehr wert sind als die monatlichen Studiengebühren, aber das wird ja nicht wahrgenommen.
Am Ziel angelangt, neigen Studenten dann dazu, noch im Suff den Fahrtpreis zusammenzukratzen. Dabei gucken sie sich gegenseitig auf die Finger, damit auch niemand mehr bezahlt als der andere. Mit Trinkgeld kann der arme Taxifahrer sowieso nicht rechnen, wenn er eine Fuhre Studenten durch die Gegend karrt. Dabei verdienen doch die meisten Studenten, wenn man die von den Eltern bezahlten Kosten und den Kellner-Nebenjob zusammenrechnet, oft wesentlich mehr als jeder Taxifahrer mit fünfköpfiger Familie. Wohlgemerkt: Diese Studenten sind die gleichen, die gerne mal mit nackten Genitalien und grün lackiert gegen die “unmenschlichen” Studiengebühren demonstrieren.
Neulich durfte ich mit einem Trupp Studenten Taxi fahren. Großraumtaxi. Die Summe belief sich auf knapp neun Euro. Geteilt durch fünf Fahrgäste. Als die Studenten dann anfingen, wie lauter kleine Dagobert Ducks zähneknirschend ihr Kupferkleingeld zusammenzukratzen und auf den Cent genau aufzuteilen, obwohl sie vor nicht ganz zehn Minuten noch Drittelliter Becks für drei Euro kaufen konnten, habe ich interveniert.
Mit den Worten “stimmt so” warf ich dem Taxifahrer einen Zehner ins Auto, um dieser erniedrigenden Szene ein Ende zu setzen. Und das tat mir nicht einmal weh – in meiner harten Studentenzeit habe ich es fertiggebracht, für diese Summe einen ganzen Abend zu verbringen. Heute saufe ich fünf Cocktails zu diesem Preis, bevor es überhaupt los geht. Wahrscheinlich bin ich deshalb dauernd pleite, aber wenigstens muss ich mich morgens für wichtigere Dinge schämen, als einem armen Taxifahrer kein Trinkgeld gegeben zu haben!



22/02/2009 at 18:06 Permalink
Doch doch… sehr löblich…
01/03/2009 at 13:47 Permalink
Ach ja die Studizeit, mit 20 DM losgezogen.
02/03/2009 at 23:57 Permalink
Wann war DAS denn bitte?
03/03/2009 at 07:17 Permalink
Vor genau 10 Jahren.
05/03/2009 at 17:10 Permalink
Wo bitte kannst du dir fünf Cocktails um zehn Euro kaufen?
Dort zieh ich sofort ein!
05/03/2009 at 17:16 Permalink
Zehn Euro pro Stück!
05/03/2009 at 17:19 Permalink
Aso, das klingt in diesem Zusammenhang irgendwie anders.
Na dann bleib ich weiterhin daheim und sauf mich relativ günstig zu