Tag Archives: Laune

Allgemein Deutschland in Worten Sachen mit Strom

Lichttherapiegerät Marke Eigenbau

Do-it-yourself Lichttherapiegerät—Aktueller Song: “On Melancholy Hill” von Gorillaz—

2013 ist ja bisher eher grau bis schmutzig-grau. Und weil mich deswegen langsam aber sicher die Winterdepression an den Füßen packt, habe ich beschlossen, mir ein Lichttherapiegerät zu kaufen. Dumm nur, dass die Teile ziemlich teuer sind und noch dazu irgendwie beknackt aussehen.

Nach einer kleinen Google-Recherche bin ich dann auf “Tageslicht-Energiesparlampen” gestoßen: Energiesparlampen mit einer Farbtemperatur von rund 6.500K, die damit ungefähr der von (gedämpftem) Tageslicht entspricht. Ich habe dann kurzerhand beschlossen, mir eine solche “Tageslichtlampe” selbst zu basteln. Ich kaufte mir also bei IKEA die tolle Fado-Tischleuchte für 9,99 Euro sowie eine Megaman Helix SP0211-Energiesparlampe mit 6.500 Kelvin Farbtemperatur, 11 Watt und 630 Lumen (7,49 Euro bei Obi). Zusammenbauen, ins Regal stellen, Winterblues vertreiben. Nach rund 8 Stunden Arbeit mit dem Ding muss ich sagen: Es hilft tatsächlich, auch wenn das Licht doch arg bläulich-kühl wirkt.

On Tour

Verrückte Kiwis

Nach einem entspannten Flug mit New Zealand Airlines sind wir gestern in Neuseeland angekommen. Seltsam gut gelaunt sind sie hier, da bekommt man als Deutscher gleich Sodbrennen bei soviel Fröhlichkeit. Beim Überfliegen der Datumsgrenze haben wir natürlich elegant den 9. März übersprungen und das war gar kein gutes Gefühl. Aber das nur am Rande: Air Newzealand ist wahrlich empfehlenswert! read more »

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Kaffeefahrt ins Dönerland IV: Touristen sind so doof

Um sechs Uhr in der Frühe, fünf Uhr nach deutscher Zeitrechnung, piepte das Handy.
Das war eindeutig fünf Stunden zu früh, aber gut, wir wollten ja auch nicht an diesem gottverlassenen Ort namens Pamukale verschimmeln.

Geschlafen hatten wir kaum. Diesmal war allerdings nicht das latente Schnarchen meines Begleiters schuld, nein.
Der Grund war diesmal ein anderer: Im Zimmer nebenan lief ein Audio-Porno.
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Neujahr ist Selbstmord

baum[Aktueller Song: "Soulstorm" von Patrice]

Jedes Jahr der gleiche Mist: Nach einer viel zu langen Nacht und viel zu kurzem Schlaf wacht man am ersten Tag des neuen Jahres auf und fühlt sich, als wäre man soeben von einer wütenden Elefantenherde zertrampelt worden. Der Kopf pocht vor Schmerzen, die Glieder knarzen wie rostige Scharniere, trotz voll aufgedrehter Heizung ist es biestig kalt und der Blick in den grauen Scheiß von Wetter vor dem Fenster macht auf der Stelle depressiv.
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Aggressionstherapie

Was macht man eigentlich, wenn man seit 11 Tagen im Käfig mit einem absoluten Vollidioten eingesperrt ist? Ich bin gerade kurz davor ist zu explodieren. Vielleicht sollte ich nach Ossendorf rüberfahren und ‘ner Türkengang die Rapperhosen über die Ohren ziehen… ich bin jedenfalls geladen wie eine Autobatterie und brauche dringendst ein Bier. Oder zehn. Obwohl das im Moment eine wirklich dumme Idee wäre. Wegen Chemo. Und wegen der Laune…
Vielleicht bringen ein paar Stunden allein zuhause die nötige Ruhe.

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Unglaublich…

… wie aggressiv man werden kann, wenn man zwei Wochen im Krankenhaus festgenagelt ist. Besonders dann, wenn der Zimmernachbar eine Laune schiebt, als wäre jeder Schuld an seiner misslichen Lage. Dabei ist das bei HIV ja eher ein selbstgemachtes Problem.
Ich hätte dem kleinen Rapper nach fast zwei Wochen jedenfalls am liebsten in Grund und Boden geprügelt. Allerdings hatte sein Schicksal das schon erledigt.

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Warum ich durchhalten werde

“, WIDTH, 1, HEIGHT, 1);” onMouseOut=”return nd();” >[Aktueller Song: "Surrender" von Dropkick Murphys]

Sicher, die Krankheit ist ein ganz großer Bullshit. Nicht wissen, ob man in einem Jahr noch unter den Lebenden weilt, macht es schwierig, Dinge privater und beruflicher Art zu planen. Viele von Euch fragen sich sicher: “Woher nimmt der die Zuversicht?” oder “In seiner Situation würde ich verzweifeln.” Das ist nicht schlimm, das ist das gesunde Denken, dass ich vor nichtmal 18 Monaten auch noch hatte.
Aber wenn man eine unbehandelt tödliche Krankheit mit sich herumschleppt, wird alles anders. Man lernt plötzlich das Leben zu schätzen. Und wenn es mir doch mal schlecht geht, greife ich zu einer sicherlich fragwürdigen, aber doch recht effizienten Methode: Ich stelle mir vor, wer es schlechter hat als ich. Da sind all die Leute, die schwerere Krebsarten haben. Da sind all die Kinder in armen Ländern, die nie eine Chance auf ein schönes Leben haben.
Da sind die, die unter chronischen Krankheiten leiden und Menschen, deren Nervensystem nach und nach versagt. Es gibt Schwerstbehinderte und Minenopfer, Kinder in Kohleminen und Menschen, die wegen politischer “Verbrechen” in Diktaturen zum Tode verurteilt werden. Täglich sterben tausende von Menschen qualvoll, weil sauberes Trinkwasser oder Impfstoffe fehlen. Die, die es schwerer als ich haben, sind überall. Und sie alle können immernoch lachen.

Ich hingegen lebe in einem der reichsten Länder der Welt. Die letzten 29 Jahre waren weitestgehend problemfrei, wenn man sich das Leid der Welt betrachtet. Ich hatte Spaß und musste mir nie wirklich Sorgen machen. Ich durfte zur Schule und hatte vom ersten Tag meines Lebens an beste medizinische Versorgung, sauberes Wasser und nahrhaftes Essen zur freien Verfügung. Auf mich wird nicht grundlos geschossen, ich muss meine Gesundheit nicht täglich für ein paar Cent aufs Spiel setzen, niemand verkauft mich oder vergewaltigt mich aus einer Laune heraus und nichts explodiert in meiner Nähe, außer ich wollte es. Ich darf meines Glückes Schmied sein und muss niemandem dienen. Und trotzdem wusste ich das nicht zu schätzen und habe jahrelang kleine Probleme für große gehalten.

Und selbst jetzt, mit einer Krankheit im Nacken, die vor wenigen Jahrzehnten noch 100% tödlich war, bekomme ich die bestmögliche Behandlung, ohne mir finanzielle Sorgen machen zu müssen und obendrein die Chance auf vollständige Heilung. Und das nur, weil ich in Deutschland geboren bin und nicht etwa in Somalia. Ich habe die Chance, gesund zu werden, die viele Menschen auf der Welt einfach nicht haben. Für die viele Menschen ist Krebs das Schrecklichste, was es gibt, doch es geht viel, viel schlimmer: Eine schwere Krankheit mit Aussicht auf vollständige Heilung, sei sie noch so klein (was bei mir zum Glück nicht der Fall ist), ist besser als ein Leben langsamen Dahinzuvegetierens.

Hierzulande hat jeder hat die Chance, durchzukommen und irgendwann gesund entlassen zu werden. Aus Respekt vor all den anderen, die diese Chance nie bekommen, sollte man also durchhalten, egal wie übel es gerade ist, egal wie schlimm es sich anfühlt und egal, wie schmerzhaft oder widerlich die Behandlung ist. Und das hält mich oben.

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Rheine…

Was, so fragt sich der Leser mit Sicherheit jetzt, ist ein “Rheine”?
Rheine ist eine Stadt am anderen Ende von Nordrhein-Westfalen, in Westfalen.
Um nach Rheine zu kommen, muss man von Köln aus im Stau die A3 hoch, auf die staubehaftete A2 wechseln, dann etwa 100 Kilometer auf der A31 im Stau stehen und dann noch einige Kilometer auf der A30 und einer Landstraße fahren, wo, wie sollte es anders sein, auch Stau ist. Umgekehrt geht es schneller, nämlich nachts mit Vollgas im 190er-Benz und unter Einsatz von etwa 25 Litern Sprit in nur 75 Minuten.

Dabei durchquert man ganz kurz Niedersachsen, trotzdem ist Rheine auch recht hübsch mit seinen knapp 80.000 Einwohnern. Man kann die offenbar nie zerbombte City von Rheine auch in wenigen Minuten bequem zu Fuß erkunden, es gibt dort gleich zwei große Kirchen mit hübschen Türmen. Ja, in Rheine ist die Welt noch in Ordnung.

Rheine ist eine Stadt, wie man sie aus diesen deutschen Jugendfilmen, die nicht in München oder Berlin spielen, kennt, zum Beispiel aus “Schule”. Eine dieser Städte, die in dichter bevölkerten Gegenden wie dem Rheinland oder dem Ruhrpott bestenfalls als “Dorf” durchgingen, aber dort oben eben Städte sind.

Rheine ist umgeben von goldenen Kornfeldern und zahllosen Badeseen, die selbst nach zwei Sommerwochenenden noch nicht von der ganzen Prekariatskinderpisse umgekippt sind, weil einfach zu wenige Leute dort baden gehen. Außerdem gibt es einen “Naturzoo” und hübsche Parkanlagen. Jeder zweite fährt mit seinem AOK-Chopper herum oder trägt seine Mütze gar dämlich auf der Frisur in Rheine, Menschen zwischen 20 und 40 sind nämlich eher selten hier. Dafür kosten freistehende, rot verklinkerte Einfamilienhäuser lächerliche 150.000 Euro und die Luft hier ist wesentlich besser als etwa in Köln.

Rheine hat nur einen Callshop mit Internetcafé und der ist, wo sollte er auch sonst sein, an der Busstation neben Ali”s Döner, wo es noch essbaren Döner für 2,50 Euro gibt. Auch sonst sind die Preise in Rheine moderat und in der City gibt es – das kennt man als Bewohner des Köln-Bonn-Düsseldorfer Raums gar nicht – echte Traditionsgeschäfte in gepflegten Häusern. Dönerbuden und Handygeschäfte muss man suchen, das höchste der Gefühle ist ein Grieche, der sich “La Scala” nennt und von außen wirklich teuer aussieht.
Gastronomisch bietet Rheine aber noch viel mehr, etwa ein original westfälisches Restaurant, wo sich der geneigte Besucher echt westfälisch von den chronisch überlasteten Kellnerinnen anmuffeln lassen kann.

Den berüchtigten westfälischen Muffel gibt es nämlich sonst nicht, der Rheiner an sich ist nicht nur freundlich, sondern auch bester Laune. So wird man nicht nur unmittelbar vor Ladenschluss am Samstag noch in den Media-Markt eingelassen, man bekommt dort sogar freundliche und kompetente Beratung beim Digitalkamerakauf, obwohl draußen die Sonne scheint. Auch das ist dem angeblich so freundlichen Rheinländer irgendwie nicht vertraut. Die positive Atmosphäre in Rheine wirkt erst einmal bedrohlich für den Großstädter, er vermutet überall Abzocke und böse Menschen, die es hier aber nicht zu geben scheint.

Doch, es war schön in Rheine. Rheine ist eine Stadt, in der man Kinder aufziehen würde oder gerne aufgewachsen wäre, wie die Herzensdame richtig bemerkte. Und Rheine ist die Garantie dafür, dass die Kinder, sobald sie den Führerschein haben, auch ausziehen und einem nicht mehr auf den Keks gehen, zum Beispiel in die große Stadt, um da zu studieren.

Vielleicht sollte man eine Stadt wie Rheine ernsthaft für später mal in Erwägung ziehen.