Schlagworte: Mercedes

Faszination Auto

Es ist schon erstaunlich, wie viele Autohersteller mit wie vielen neuen, sauteuren Luxusmodellen “aus der Krise fahren” möchten, liebe Tagespresse. Ich persönlich fahre ja lieber mit meinem 17 Jahre alten Benz ganz tief in die Krise, in meine persönliche Finanzkrise nämlich und das frohen Mutes. Dann muss ich nämlich nicht diesen teuren, überzüchteten SUV- und Allrad-Unsinn von VW, Audi, Volvo und Co. mitmachen. Aber fünf Euro ins Phrasenschwein sind ab sofort Mindeststrafe für eine “Mit diesem Auto fährt (hier Autohersteller einsetzen) aus der Krise”-Überschrift! Der einzige Hersteller ohne Krise momentan ist Dacia. Und der baut? Genau! Geiz-ist-geil-Autos für XXL-Fresstempelproleten und eben keine 4×4-Spritschleudern mit 768 Airbags und Monstertruck-Optik für eine Millionen Euro! Und nebenbei: Zieht Euch doch mal selbst aus der Krise, ihr komischen Printmedien, bevor Ihr sowas anderen unterstellt!

Regen

Es regnet in der Stadt. Die Straßen glänzen feucht vom Regen und irgendwo schreit ein Betrunkener, dem jemand sein Fahrrad geklaut hat. Zwei Jugendliche diskutieren über Brüste. Unter einem Vordach frieren zwei Mädchen mit langen Schals bei einer Zigarette. Autoreifen zischen durch Pfützen und spritzen die Zigaretten aus. Ein Student zieht den Kragen seiner zu dünnen Jacke und seine Nase hoch, während er einen Schritt zulegt. Oben im fünften Stock feiern Menschen eine Party, Peter Fox läuft laut und nervig. Männer erzählen Geschichten, Frauen kichern dazu. Unten auf der Straße zerplatzt ein lichtloser Radfahrer beinahe am Kühlergrill eines Mercedes.
Es regnet oft in Köln.

Saupeinlich: Mod’s Hair

Arte: Zielgruppe voll erwischt[Aktueller Song: “Come On Eileen” von Dexy’s Midnight Runners]

Neulich unterhielt ich mich mit einem Typen, der ganz stolz seine neue Emo-Tolle durch die Luft warf. Ich sprach ihn auf seine Frisur an und er freute sich mit leicht geschwollener Brust, dass ich die Veränderung an ihm bemerkt hatte, dass er beim Friseur war. Bei Mod’s Hair. Und 20 Euro dagelassen hatte. “Ich find’s geil”, säuselte er zwischen den tief ins Gesicht hängenden Haaren hervor.
Für mich als Verfechter der “Friseur-darf-nichts-kosten”-Kultur, der sich auch gerne beim Türken für 8 Euro die Haare schneiden lässt, war natürlich sofort ein Tor zu einer faszinierenden Welt aufgestossen.
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190er in der Inspektion

[Aktueller Song: “Back To Black” von Amy Winehouse]

Ein Benz ist ein Benz ist ein Benz. Und wer schlau ist, sollte tunlichst vermeiden, seinen alten Benz direkt zu Mercedes zu geben, riet man mir jedenfalls zwischen den Zeilen im wohl großartigsten aller 190er-Foren. Da ich Werkstätten jedoch aus Prinzip und aufgrund sehr schlechten Erfahrungen eher skeptisch gegenüberstehe, stand ich heute morgen bereits mit dem unguten Gefühl auf, im Lauf des Tages massiv über den Tisch gezogen zu werden. Dennoch: Inspektion muss sein!

So brachte ich das gute Stück also auf Empfehlung meines Gegenüberkiosk-Apus zu Nietzel KFZ-Technik GmbH (Schönsteinstr. 5, 50825 Köln-Ehrenfeld), einem klassischen Hinterhofschrauber mit Motoröl auf der Theke und sehr alten Autos hinten in der Werkstatt. Allerdings verhält es sich mit Werkstätten wie mit Fritten- oder Gyrosbuden: Je kleiner und schmieriger, desto besser!

Der sehr freundliche Herr Nietzel nahm den Wagen entgegen, versprach, nachzuschauen, warum er nach rechts zog und nur drei Stunden später konnte ich ihn wieder abholen. Selbst die Sitzschienen und das Schiebedach waren geschmiert, was ich vorher noch nie bei einer Inspektion erlebt habe. Herr Nietzel war hin und weg von meinem Auto und riet mir, den “auf jeden Fall zu behalten” – nichts anderes hatte ich vor.

Die Ursache des Nachrechtsziehens war seiner Ansicht nach ein Problem mit den Reifen, ich müsse mich nur melden, wenn ich günstig neue haben wolle, er wäre da in Verbindung mit dem Verband der Reifenhändler. Das Größte allerdings war der Hinweis auf den bald defekten Endschalldämpfer. “Wechseln müssen wir den noch nicht, der kann noch. Sie merken dann irgendwann einen Leistungsabfall, dann ist der Topf fällig.”
So ein praktischer, geldsparender Ratschlag von einem Profi an einen Laien… ich glaube, ich bin das erste Mal in eine Autowerkstatt verliebt!

Mercedes-Benz 190E 1.8 – eine Liebeserklärung

W201 / 190E 1.8[Aktueller Song: “Do You Remember The First Time?” von Pulp]

Ohne Frage ist der 190er “Babybenz” eins der besten Autos, die jemals gebaut wurden. Deshalb habe ich mir erlaubt, den eingebeulten Fiesta nicht mehr für teures Geld ausbeulen zu lassen, sondern ihn zu verkaufen. Verkaufspreis plus Versicherungssumme plus einige Bonus-Euro ergaben dann genau den Preis für diesen scheckheftgepflegten, nahezu neuwertigen 190E mit 54.600 Kilometern auf der Uhr von 1992. Eigentlich sollte es ja ein Smart werden, aber eine flammende Rede der Liebsten (“Wenn Du Dir “nen Smart kaufst, steig ich nicht bei Dir ein!”), meine persönliche Liebe zu alten Autos sowie die Gebrauchtpreise für Smarts erleichterten mir die Entscheidungsfindung zugunsten des 190E.

Irgendwo hinter Nassau-bei-Bad-Ems-bei-Koblenz, aber noch ein paar Kilometer weiter draußen stand es also, das gute Stück. Der Verkäufer, eigentlich Busfahrer und so eine Art Bob-Marley des Rhein-Lahn-Kreises, hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, alten Leuten billig die Benze abzukaufen, die ein wenig fit zu machen und dann an dämliche Städter zu verkaufen. Dort beguckte ich mir also den Wagen und war sofort verliebt. Der Kauf wurde geregelt, der Wagen angemeldet und gestern abgeholt.

Die ersten Kilometer weigerte er sich beharrlich, meinen Fahrstil zu akzeptieren, nein, der Benz wollte geführt werden wie von Omi, die ihn 16 Jahre in ihrem Besitz hatte. Erst wiederholtes Vollgasgeben holte die Lebensgeister in den Motor zurück, vermutlich war er schlapp geworden beim sanften Gasfuß einer Oma im Hinterwald. Nach nunmehr 300 Kilometern seit gestern Nachmittag haben wir uns aber aneinander gewöhnt. Ich habe den Fiesta-Bleifuß gegen gediegenes Cruisen getauscht, das rechnet mir der Benz, indem er auf Wunsch laut brüllend die volle Leistung der etwas mageren 1,8 Litern Hubraum mit 109 PS entfaltet.

Ärgerlich ist allerdings, dass man, anders als im Klapper-Fiesta, kein Gefühl für die Geschwindigkeit hat. Im Benz ist Tempo 100 gefühlt kaum schneller als Tempo 50 im Fiesta. Die Stadt Köln hat mich deshalb zur Feier des Tages erstmal fotografiert, was ich auch sehr nett finde. Das Foto wird mir – das ist Service – zugesandt.
Ab Tempo 160 wird es etwas zäh, aber so ein alter Benz ist ja auch keine Rennmaschine. Tempo 195 ist den Berg runter aber drin und zum Glück sind pünktlich zum Benzkauf die Spritpreise wieder auf erträgliche 1,42 Euro gefallen. Den Verbrauch muss ich nun testen, an der Tankstelle schockte mich der Wagen erstmal mit einem – damals aufpreispflichtigen – 75-Liter-Tank, der wenige Kilometer nach Aufleuchten der Tankanzeige satte 62 Liter aus der Zapfsäule lutschte.

Innen regiert der Charme der 80er: Kein Airbag verunstaltet das Lenkrad, alles ist schön eckig, plastik und solide. Das Schiebedach, eine längst vergessene Erfindung, kühlt den Innenraum besser und angenehmer als jede Klimaanlage und Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich separat heizen. Das Becker-Autoradio ist schlechter als gedacht, die angeschlossenen Boxen bringen jedoch trotzdem Wumms, weshalb ich mich auf den Einbau meines iPod-Radios freue.

Insgesamt ist der 190er ein saugeiles Auto, schon der Blick auf die dicke Haube und den Stern war die Investition wert. Die Bestuhlung ist unglaublich bequem, der Motor schnurrt wie ein Kätzchen und nichts klappert oder quietscht. Auch die Fixkosten halten sich in Grenzen: 440 Euro bei Teilkasko und 130 Euro Steuer im Jahr sind gerade mal 20 Prozent mehr als beim Fiesta, und das lohnt sich wirklich. Jetzt gilt es nur noch, den Spritverbrauch zu eruieren, aber das Grinsen, das ich seit gestern im Gesicht habe, werden mir auch gierige Steuereintreiber und geldgeile Spekulanten nicht nehmen!

Ich liebe mein Taxi!