Über die dringende Notwendigkeit eines iPod-Adapters im Auto

autoradio[Aktueller Song: "Superman" von Goldfinger]

Moderne Serienwagen haben es inzwischen, zumindest wird es als solches verkauft: Einen “iPod-Anschluss”. Normalerweise sind das ganz profane Line-Stecker in der Mittelkonsole, mit denen sich wirklich jedes noch so dämliche Gerät mit Kopfhörerausgang dranmontieren lässt. Das ist zwar nicht besser als der Kassetten-Adapter, den ich zurzeit benutze, aber ohne geht es nunmal wirklich nicht. Der Grund: Formatradio!

Gibt es eigentlich irgendwas Schlimmeres auf der Welt als Formatradio? Hier in Köln ist die Auswahl gigantisch: Alle WDR-Spartenkanäle, dazu BFBS, der Christfaschisten-Sender Domradio und Radio Köln. Bei gutem Wetter gibt es auch SWR3 und BigFM. Aber eben nur bei gutem Wetter. Wobei das auch völlig egal ist, denn HÖREN will man das sowieso nicht.

Auf gefühlten 25 Frequenzen springt dem ohnehin von Stau und dümmlichen Ampelschaltungen, rheinischen Fahrspastikern und auswärtigen Navi-Abhängigen genervten Fahrer Einslive, früher WDR 1, heute der latent nervige Fötenfunk, ins Ohr. Laut und anstrengend, ans Limit gemixt, dass selbst Hifi-Profis bei der Einstellung ihres Autoradios verzweifeln, wird dieser akkustische Abfall immer wieder von Comedy-Einlagen, deren Niveau sich zwischen Mario Barth und amerikanischen Teeniekomödien bewegt, unterbrochen.

Wenn nicht “P!nk” läuft, dann radebrecht “Lady Gaga” ihre aktuelle Hirnfickscheiße. Und wenn Lady Gaga gerade aus ist, erbricht “Beyoncé” ihre R&B-Kotze. Dazwischen auf Heavy Rotation immer wieder irgendwelche “total angesagten” Deutschpop-Songs, die in ihrer Banalität kaum auszuhalten sind, so dämlich Berlin-Mitte betextet, dass sie vor zwanzig Jahren noch nicht einmal bei Didi Hallervordens “Nonstop Nonsens” eine Chance gehabt hätten. Vorgetragen natürlich von einer rundumgepiercten Mittzwanzigerin im lästigen Jammerton der Generation Mitte. Kostprobe gefällig?

das licht geht aus, der film beginnt
und rosemarie kriegt ihr nächstes kind
der busch funkt fehl in babylon
es kommt wie`s kommt und das kommt davon

ein schuss, ein schrei – wer ruft die polizei?
wir haben zu viele köche und zu wenig brei
im süden bleibt es trocken und mild
und scarlett heult und pussycat killt

und du, du, du, du willst mir an die wäsche
und du, du, du, du willst mir an die wäsche

Das war Jennifer Rostock mit “Du willst mir an die Wäsche”. Wer auch immer der “Du” sein soll, denn DER würde ich nichtmal auf Poppers an die Wäsche gehen wollen. Dieser unsägliche Song läuft jedesmal, wenn ich wage, Auto zu fahren. Mindestens einmal pro Stunde, eher öfter. Ein wirklich schlagendes Argument für einen Kassettenadapter, auch wenn der nur leise rauschend und ohne angeschlossenes Gerät vor sich hindreht. Jetzt aber schnell umschalten!

Auf WDR 2, dem Sender für profilfreie Musiklegastheniker ab 30, läuft wie immer Joe Cocker. Ist Joe Cocker verstummt, kommt irgendwas, das wie Joe Cocker klingt, Brian Adams vielleicht oder halt Bon Jovi, eigentlich immer Bon Jovi. Ist es von einer Frau gesungen, ist es mit Sicherheit “Girls just wanna have fun”, die Beachbar-Schmonzette “La Isla Bonita” oder Schlimmeres. Musik für die, deren musikalische Grundbedürfnisse mit Ü30-Partys vollends befriedigt sind. Musik für dicke Singlemädchen Mitte 30. Solche mit Diddl-Stoffpuppen auf der Golf-”Bon Jovi”-Hutablage. Schnell weiter auf WDR3.

WDR3 ist ein Klassiksender. Klassik ist schön, wenn man über 50 ist und einen fabrikneuen Jaguar fährt. Der hat aber meist einen CD-Player und Klassik im Radio ist einfach ungeil. Ansonsten ist Klassik sowieso nichts zum Autofahren, dann schon eher die Flippers, aber dafür muss man halt auf WDR 4 schalten, die einzige Berechtigung der Weiterexistenz von 25 gebührenfinanzierten WDR-Tanzmusikorchestern. Wenn nicht gerade Patrick Lindner schmalzige Schunkelschlager schalmeit.

WDR 5, der Sender für die, die immer noch nicht begreifen wollen, dass Globalisierung da und Integration gescheitert ist. Weltmusik oder das, was nickelbebrillte Radioredakteure und unverbesserliche SPD-Wähler dafür halten. Gerne auch mal französischer Hip-Hop oder brasilianischer Schunkelschmalz, solange, das ist das Kernkriterium, Intellektuellen-Fernweh geweckt wird. Dazwischen immer wieder Wortbeiträge über türkische Gastarbeiter und ihre zahlreichen Kinder, im Grunde ist dieser Sender mit seinem plump-gutmenschlichen Integrationsanspruch die Radioversion der “Lindenstraße”.

Der Deutschlandfunk besticht durch schwer verdauliche, aber meist recht interessante Wortbeiträge, deren Satzbau aber derart komplex ist, dass man, als aufmerksamer Zuhörer, ganz bestimmt nicht dabei fahren kann. Insofern ist dieser Sender auch keine Option. Dazwischen: Jazz. Und damit kann man mich jagen.

Radio Köln ist ein Abklatsch von WDR 2, nur noch einseitiger. Hier wird Joe Cocker gerne zugunsten noch eines zeitlosen Madonna-Hits, meist die ewige Pubertätsmädchendiskohymne “Like a Prayer”, gestrichen. Gleiches gilt für Erft, Rhein-Sieg, Euskirchen, Berg und wie sie alle heißen, die exakt und völlig unreflektiert rund um die Uhr die gleichen musikalischen Elendsexkremente rausscheißen.

Wer nun den Fehler macht, SWR3 oder gar BigFM anzuschalten, sollte sich nicht wundern, wenn ihm der unsäglich unlustige Telefonjokus “Der kleine Nils” Fahrtauglichkeit und Resthirn raustelefonscherzt. Besonders witzige Menschen – Frauen, es sind eigentlich immer Frauen – schicken einem ja auch gerne mal “kleiner Nils”-MP3-Dateien, um zu beweisen, dass auch sie, also die Frauen, wirklich Humor haben. Selten so gelacht, nein, das ist kein ausgelassenes Lachen, das ist das Geräusch des Mageninhalts, den man inbrünstig in seinen Beifahrerfußraum vomitiert. Dazu erklingen Geräusche wie sonst nur an der Losbude und beim Call-In-Sender 9Live, um das überdreht-witzige Gesamtbukett noch ein wenig abzurunden. Absolut unerträglich.

Bleibt eigentlich nur BFBS, der britische Sender für die hier noch stationierten Resttruppen. Da läuft hin und wieder Hörbares, Briten haben – wenigstens musikalisch – doch ein wenig Geschmack. Dummerweise wird das Ganze permanent von Ray Cokes’schen Amüsierdialogen unterbrochen, die stundenlang jedes Zuhören unmöglich machen. Verlässt man den nordrhein-westfälischen Einflussbereich, lauern entsetzliche Kirmesdisko-Sender wie “NRJ” oder “RPR” auf den unbedarften Autofahrer.

Bleibt also die Adapterkassette. Oder noch besser gleich ein Radio mit CD-Player, MP3, AAC, USB- und iPod-Anschluss. Dann kann man ganze Deutschlanddurchkreuzungen völlig stressfrei und ohne Radioempfang bewerkstelligen. Das Problem ist: Mein Toyota-Händler kriegt die verdammte Radioblende nicht geliefert, die für den Betrieb eines Drittanbieter-Radios unerlässlich ist. Denn dem finsteren Plan der Radiomacher folgend verbauen sämtliche Autohersteller nur noch irgendwelche Selbstbau-Radios, die sich zwar meist schick ins automobile Gesamtkonzept einschmeicheln, dabei aber meist so praktisch und funktionell sind wie Beuys’ Fettwanne. Und das in Zeiten von MP3-Playern in wirklich jedem mobilen Gerät. Das muss eine Verschwörung sein!

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2 Comments on "Über die dringende Notwendigkeit eines iPod-Adapters im Auto"

  1. Zero the Hero
    29/06/2009 at 19:32 Permalink

    Koof Dich einen Minisender.
    Der wird an den Eipott oder den mp3-Player angestöppelt und sendet das, was da normalerweise auf den Kopfhörern rauskommt, in kleinem Umkreis auf Radiofrequenz. Kostet 20-30 Taler.
    Ein Hardwarehacker könnte das Ding eventuell auch aufpimpen, damit könnte man eventuell die 316-Fraktion mit Migrationshintergrund an der Ampel etwas ärgern;)

  2. wazi
    03/07/2009 at 10:56 Permalink

    Also der Radio sieht mir modern aus. Gibt es da nicht einen normalen AUX-Anschluss an der Rückseite für einen CD-Wechsler o.ä.?
    Dort kann man doch auch ganz einfach ein Kabel für den iPod anstecken.
    Cinch auf Kopfhörer-Stecker.

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