Vom weisen Umgang mit privatem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen

We love Lloret-Besetzung (Quelle: Pro7)

We love Lloret-Besetzung (Quelle: Pro7)

—Aktueller Song: “Gypsies, Tramps and Thieves” von Cher—

Eben warf ich einen Blick auf das neue tolle Pro7-Format “We love Lloret“, bei dem ein Haufen mehr oder weniger minderbemittelter Vollproleten in einer doch recht hübschen Villa irgendwo nahe Lloret del Mar ihren Asikram machen. Protagonisten sind spitznamenführende Typ-Pfosten wie “Jerôme alias Babba”, “der ultimative Playboy” oder Mädchen aus Essen, das sich allen Ernstes “Lory Glory” nennt und “Klein aber Oho!” sein soll. So Typen halt. Die Kids hängen da rum, saufen, “feiern zwei Wochen lang die Party ihres Lebens” und sollen sich als “ultimativer Partykönig” profilieren. Irgendwie warf das dann bei mir die Frage nach der Zukunft dieser Leute auf.

Sicher ist: In wenigen Jahren wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk von meinen Gebühren Dokus mit sozialem Anspruch über diese Leute drehen, wie sie da abgefuckt, pleite und völlig verkorkst in ihren Asigegenenden rumhängen, stapelweise Kinder auf dem Fliesentisch, die die Kettenraucherei mit Kindergeld und Schröders Herdprämie finanzieren und dabei dreist die Hand aufhalten, Ansprüche stellen und frei jeder Selbstreflexion davon schwafeln, dass Ihnen das Leben, Pro7 und überhaupt alles auf den Kopf geschissen hat. Und dann diese Kokainsucht – öffentlich-rechtliche Redakteure, deren Lebensplan normalerweise aus völlig partyfreien Jahren des Abiturs und der Qualitätsjournalistenschule bestand, lieben sowas ja, genau wie langweilige Sozialkundelehrer.

Eigentlich kann man sich durch den gezielten Genuss gewisser Formate ja immunisieren: Wer regelmässig Frauentausch oder eben “Lloret” sowie das noch viel schlimmere “Berlin Tag & Nacht” auf RTL2 schaut, weiß, dass die Typen, die da in den öffentlich-rechtlichen Dokus als verlebte, traurige Gestalten auftauchen, noch vor wenigen Jahren viel Spaß hatten. Die Tränen, die eine “37°”-Doku in die Augen bekennend linksgrüner Sozialpädagogen treibt, werden jedenfalls massiv reduziert, wenn bekannt ist, das der gleiche Typ Mensch noch vor kurzem bei einer Castingshow oder eben “Lloret” teilgenommen hat – da bin ich mir sicher.

Wenn man also seinen TV-Plan geschickt gestaltet, kann man ein und dieselben Menschen in verschiedenen Lebenssituationen – als überhebliche Teenager oder Anfangzwanziger und später als verkommene Mittdreissiger oder Mittvierziger – beobachten und damit die Tränendrücker-Dokus der Öffentlich-Rechtlichen Sendern ARD, ZDF und WDR besser verstehen.