Die Planungsphase für meinen persönlichen Hippie-Trip nach Indien ist weitestgehend abgeschlossen.
Heute musste ich dann ein Visum besorgen, und zwar beim indischen Konsulat in Bonn, Willy-Brandt-Allee 16.
Die fleißigen Inder haben jeden vierten Freitag im Monat von 10 – 13 Uhr geöffnet. Visa-Anträge sollten aber vor 12.30 Uhr eingereicht werden, sonst kommt der schnarchige Bürokratiebetrieb ins Schwitzen. Und es gibt nichts Schlimmeres als schwitzende Beamte, das ist auch in Indien so.
Doch dem Erhalt des Visums sollten noch einige Hürden in den Weg gelegt werden.
Der Abend war lang. Restalkoholisiert kullere ich zu früh aus dem Bett. Der verkaterter Kopf überlegt: Wo ist die Willy-Brandt-Allee? Klar, die Straße, an der das Haus der Geschichte und das Kunstmuseum zu finden sind. Dumm nur, dass zwischen Haus Nummer 12 und Haus Nummer 18 nur noch ein Eingang ist, und das ist der des Hauses der Geschichte. Nach zwanzigminütiger Suche und anschließender Befragung einer Postbotin ist klar: Das Konsulat versteckt sich hinter einem hohen Zaun und die Hausnummer ist weder 16, noch liegt es auf der Willy-Brandt-Allee, sondern in einer Querstraße.
Dort angekommen eine halb offene Tür im Zaun, ein extrem ungepflegtes Haus mit einem extrem ungepflegten Vorgarten. Machete frei, denn der Hauseingang ist hinter mitteleuropäischem Dschungel versteckt. Drinnen kommt der Flair der Wartehalle eines indischen Einwohnermeldeamtes auf. Ein paar altbackene, schmuddelige Plastikstühle, ein armseliger Tisch und ein Schalter mit einem schnarchigen Kichererbsen-Nascher samt Formular-Auslage. Natürlich spricht der Kerl nur englisch.
55 Euro kostet der Spaß, erklärt er mir auf Nachfrage. Außerdem solle ich das Antragsformular für das Visum ausfüllen. Der Inder an sich möchte sicher sein in seinem Land, das merkt man. Der lässt nicht jeden rein, wo kämen wir denn da hin? Trotzdem: Der Herr bleibt freundlich und grinst wie ein lustiger Ghandi. Ich gehe mit dem Formular in Richtung Geldautomat. Denn EC-Karten gibt es in Indien offensichtlich noch nicht. Dafür aber Barschecks.
Auf dem Weg nach draußen spricht mich ein netter Herr an, der offensichtlich ebenfalls ein Visum beantragt hatte und mir erklärt, dass man auch Passbilder brauche. Zwei Stück, zur Sicherheit. Und natürlich steht der Passbild-Automat nicht im Regierungsviertel, sondern am Bahnhof. Der nette Herr war offensichtlich in die gleiche Falle getappt.
Inzwischen ist es 11 Uhr. Die 66 fährt mich zum Hauptbahnhof, der nach kalter Kotze stinkende Passbild-Automat im Bonner Loch möchte meinen Zwanziger nicht nehmen. Ich kaufe in einem der Abzocker-Kioske eine Cola und erhalte im Wechsel eine Handvoll Junkie-Geld. Das nimmt der Automat dann auch dankend an, produziert jedoch aufgrund technischer Mängel und einer Bier- und Schlafmangel-bedingten Unattraktivität und Begriffsstutzigkeit meinerseits vier Schrottbilder, von denen ich mir eines aussuchen soll. Und schon geht es zurück zur Bahn. Mir gegenüber sitzt ein Penner. Er schnarcht, rülpst, schnarcht weiter. Ich bleibe in seiner Nähe, habe ich doch die Klamotten von gestern Abend an, sein Gestank überschattet meinen so effizient.
Zurück im Konsulat erst einmal Antrag samt Pass, Bildern und 55 Euro durch das enge Loch geschoben. “When will the visum be ready?” – “Around one hours.” – “And when do you close?” – “At one hours!” So funktioniert das doch! Doch was tun mit den 1,5 Stunden, die mir bleiben? Ich beschließe, ins kostenlose Haus der Geschichte zu gehen. Die viel zu oft in ZDF-Geschichtssendungen gesehenen Hitler-Filmchen, Kriegsgefangenen-Klamotten, Adenauer-Benze und Lila-Lotta-Hosen reichen aber bestenfalls für 50 Minuten Unterhaltung. Ein Glück, dass eine Hauptschulklasse auch da ist. Die ist lustig, aber das schreibe ich im nächsten Post.
Um 12.30 Uhr bin ich dann wieder im Konsulat und, oh Wunder, mein Visum war erteilt. War doch ganz einfach…


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