Web 2.0-Bereinigung

Web 2.0: Ende![Aktueller Song: "Tranquilize" von The Killers & Lou Reed]

In den Anfangszeiten von Web 2.0, war es en vogue, sich wirklich bei jedem verfügbaren Web 2.0-Dienst anzumelden. Was ich auch fleißig gemacht habe, mit dem Resultat, dass ich neben dem StudiVZ noch regelmässiger Besucher von Xing und Facebook war. Alle drei Dienste haben so ihre Vor- und Nachteile, trotzdem mussten zwei weichen – von all den anderen Accounts bei Youtube und Co. einmal abgesehen:

Im Rahmen eines ausgefeilten Auswahlverfahrens habe ich alle drei Dienste auf Herz und Nieren geprüft. Das ist dabei herausgekommen:

StudiVZ
+ Riesiger Mitgliederbestand, die größte Personentauschbörse im deutschsprachigen Web.
+ Teilweise sehr lustige Gruppen.
+ Alle, aber auch wirklich alle sind dabei.
+ Großer Spionage-Spaß.

- Missverstandene AGB-Änderungen lassen die Datenschutz-Depp-Seuche grassieren.
- Viele Leute, die man einfach nienienie wiedersehen wollte.
- “Du hast 87 Freunde” – schön wär”s!
- Nicht all zu verbreitet in der Generation der vor 1982 geborenen.

Facebook.com
+ Internationale Version des StudiVZ erleichtert den Kontakt zu ausländischen Bekannten.
+ Zahllose amüsante Applikationen.
+ Jenseits des deutschen deutschen Neospießertums, das sich in studentischen Gemeinschaften sehr schnell breitmacht.
+ Insgesamt StudiVZ mit zahlreichen Extras.

- Werbung, Werbung, Werbung!
- englischsprachig
- schlechte Navigation
- wahrhaft beschissen übertriebene Verlinkung aller Eingaben
- Gibt Daten an Personensuchmaschinen wie Yasni.de weiter.
- Wenig verbreitet bei deutschen Studenten und Alumni.
- Microsoft strickt da mit.

Xing.de
+ Erlaubt die Pflege von Business-Kontakten.
+ Hier finden sich Menschen aller Altersklassen.
+ Interessante Foren.

- Beknackte Wildverlinkung wie bei Facebook.
- unübersichtliche Navigation.
- Gibt Profile an Suchmaschinen weiter.
- Schlipsbilder.
- Kostenpflichtig, wenn man es sinnvoll nutzen möchte.
- Bringt absolut nichts, weil alle nur einen kostenlosen Account haben.

Nach langem für- und wider habe ich mich zuguterletzt für StudiVZ entschieden. Der Dienst erscheint mir noch am sympathischsten und vor allem kann niemand spitzeln, der nicht angemeldet ist, was bei Facebook und Xing nicht der Fall ist: Werden Profile hier nicht explizit so eingestellt, dass sie nicht in Suchmaschinen landen, landen sie dort.

Leider haben Facebook und Xing sehr schlechte Abmelde-Optionen: Xing-Nutzer finden den Link zur Abmeldung und Profil-Löschung nur nach langem Suchen. Facebook geht noch weiter und erlaubt überhaupt keine dedizierte Löschung des Profils: Es kann jederzeit durch einen Login reaktiviert werden. Hier hilft nur das vollständige Entfernen aller Daten mit folgender Stilllegung des Accounts, doch wirklich weg ist man nie wieder.

Es ist ja irgendwie verständlich, dass die Betreiber der Personen-Tauschbörsen Mitglieder als Kapital sehen, schließlich lassen sich deren Adressen und Vorlieben hervorragend vermarkten. Trotzdem sollte eine Löschung – aus welchen Gründen auch immer – jederzeit möglich sein. StudiVZ leistet trotz aller Diskussionen genau das und zwar ohne Umwege, womit mir der Dienst am sympathischsten ist.

Mein Name bleibt auch drin, ich gehöre nicht zu diesen Datenschutz-Volleimern, die falsche Namen angeben und das VZ damit ad absurdum führen, aber wenn die aktuelle Entwicklung anhält und endlich eine deutsche Facebook-Variante herauskommt, werde ich wohl die auch nochmal ausprobieren und dem StudiVZ den Rücken kehren, wenn sie sich als besser erweist. Denn von der reinen Funktionalität her gefiel mir Facebook am besten.

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